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Der Fels bei Mitholz hat sich in den letzten Jahren stark verändert
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 05.09.2020.
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Forschung So wird das ehemalige Munitionslager Mitholz vermessen

Wie sah der Berg aus, bevor das Munitionslager explodierte? Und wie danach? Forscher haben es herausgefunden.

1947 ereignete sich in Mitholz eine Katastrophe: Im Munitionsdepot der Schweizer Armee kommt es zu drei Explosionen. Neun Menschen sterben, hunderte verlieren ihr Dach über dem Kopf. Die Felswand, in der sich das Munitionsdepot befand, stürzte ein. Etwa 250'000 Kubikmeter Gestein lösten sich.

So sieht er aus, der Fels, nach den Explosionen im Dezember 1947.
Legende: So sieht er aus, der Fels, nach den Explosionen im Dezember 1947. Keystone

Nach der Explosion ist vor der Räumung: Das Material muss weg. Die Munition, die nicht explodierte, konnte teilweise geräumt werden. Aber nach heutigen Schätzungen befinden sich immer noch 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff in den eingestürzten Anlageteilen.

Das ganze Dorf muss für 10 Jahre umziehen

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Die Bevölkerung von Mitholz muss wegen der Räumung für 10 Jahre wegziehen. Betroffen sind rund 170 Menschen in 50 bis 60 Haushalten. Sie müssen sich entscheiden, ob sie noch bleiben oder schon jetzt wegziehen wollen. Ob sie Mitholz für immer verlassen wollen, oder nach der Räumung des Munitionsdepots zurückkehren möchten.

Für eine Räumung braucht es möglichst genaue Bilder. Swisstopo, das Bundesamt für Landestopografie, und ein Team von rund 30 Spezialisten haben dreidimensionale Modelle entwickelt.

Das virtuelle Mitholz damals und heute

Anhand historischer Fotografien, alten Höhenprofilen und Landkarten hätten sie die verschiedensten digitalen Oberflächen-Modelle des Felsen rekonstruiert, wo das Munitionsdepot drin sei, sagt Robin Allenbach von Swisstopo. Ein Beispiel: Ein virtueller Drohnenflug über die Unfallstelle von Mitholz anno 1960.

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So sah Mitholz im Jahr 1960 aus (Quelle: Swisstopo)
Aus News-Clip vom 01.09.2020.
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«Man weiss dann, wie viel Kubikmeter Material daliegen, die eventuell weggeschafft werden oder durchsucht werden müssen». Nur wenn klar ist, um welches Volumen es sich handelt, kann über die Art der Räumung entschieden werden. Das erste Bild zeigt den Felsen, wie er 1946 im unversehrten Zustand ausgesehen haben könnte, das zweite zeigt ihn nach der Explosion.

Bildvergleich

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Legende:Der Fels vor und nach der Explosion (1946 und 1948)Swisstopo

Es gab bisher keine 3D-Modelle des Bergs, diese mussten extra erstellt werden. In den Jahren nach der Explosion wurde bereits ein Teil des Schutts weggetragen, Bäume und Sträucher wuchsen auf der Explosionsstelle.

Bildvergleich

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Legende:Der Fels 1960 und 2019Swisstopo

«Es geht beim Projekt auch darum herauszufinden, wie der Abbau stattfinden könnte», sagt Ingenieur Michael Fuchs, er koordiniert das Projekt der Mitholz-Modelle. Man müsse wissen, wie stabil der Fels noch sei.

Die Anlage von innen

Neben den Aussenmodellen muss man auch die innere Beschaffenheit des Munitionslagers kennen. Mit Laser-Scannern und Messdrohnen wurden die Innereien des Lagers erfasst. Dort, wo die Technik nicht mehr weiterhalf, sind Höhlengeologen sogar in Spalten gekrochen: «Mit einer Taschenlampe, Stirnlampe und einem Meter», so Robin Allenbach. Von Hand wurde eine Skizze angefertigt. Diese wurde mit Plänen des Tunnels und des Laserscans vervollständigt.

Ein Innenmodell des Felsen
Legende: Ein Innenmodell des Felsen: Entstanden ist das Modell aus drei verschiedenen Messmethoden. Swisstopo

Ein Sprengstoffspezialist der Armee sei jederzeit dabei gewesen. «Er hat beurteilt, ob wir noch weiter gehen dürfen oder nicht», sagt Ingenieur Michael Fuchs. Denn: Es bestand ständig Explosionsgefahr.

So exakt wie nie

Aus Millionen digitaler Messpunkte, aus alten Bauplänen, aus geologischen Untersuchungen, aus Handmessungen und Skizzen, habe das Team aus Geologen, Ingenieuren, Höhlenspezialisten, Vermessern und 3D-Technikern ein aktuelles, dreidimensionales Gesamtbild des alten Munitionsdepots konstruiert. Das Modell wird dabei laufend überprüft, damit jeder Planungsschritt und jeder Arbeitsschritt während einer Räumung jederzeit angepasst werden könne.

Die Räumung der über 3000 Tonnen Munition und Sprengstoff im alten Munitionsdepot Mitholz wird erst in rund 10 Jahren beginnen. Mit diesen dreidimensionalen Computer-Modellen des Felsen und der Kavernen ist eine konkrete Planung dieser Mission überhaupt erst möglich.

Video
Die digitalisierten Aufnahmen anno 2019 (Quelle: Swisstopo)
Aus News-Clip vom 01.09.2020.
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Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr; liec

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Ariane Hegel Reynolds  (Ariane Hegel Reynolds)
    Beeindruckt durch die proaktive und offene Kommunikation zu diesem wohl sensitiven und komplexen Projekt, welches sicherlich ein feinabgestimmtes Zusammenspiel von Expertise aus vielen verschiedenen Bereichen benötigt. Eindrücklich zu lesen, welche Menge an Daten aus verschiedenen Quellen zur Erstellung dieses integrierten 3-D-Modells eingeflossen sind. Begrüsse das proaktive und offene Aufarbeiten von jeglichen Altlasten im Sinne des Wohlergehens von uns allen.
  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Das damalige Risikomanagement erscheint mangelhaft: Zu nahe am Dorf, zu viel Munition.
    Kann man nicht mehr ändern.

    Heute wird evakuiert. Muss man wohl akzeptieren.

    Man darf sich einzig fragen, ob die Sanierung wirklich zwingend ist.

    Der Grundstückswert des Dorfes ist wohl sehr viel tiefer als die Sanierungskosten.

    Solange da nichts gefährliches ins Grundwasser geht kann man das auch einzäunen und als Endlager benutzen.
    In einigen Jahren billige Kleinroboter hineinschicken.
    1. Antwort von Esther Jordi  (EstherJ.)
      "Man darf sich einzig fragen, ob die Sanierung wirklich zwingend ist."
      Fragen Sie mal die Mitholzer, ob sie noch einmal eine Katastrophe wie 1947 erleben möchten.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Explosionskatastrophe_von_Mitholz
      Vor etwa einem halben Jahr kam im Radio ein Mann zu Wort, der die Explosion von damals als Kind erlebt hat und dessen restliche Familie gestorben ist.
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    In 10 Jahren geräumt? Glaube ich nicht, da wagt sich ja niemand rein ausser den waghaldigen Vermessern. Altlasten reicht man doch weiter, wie Pestizide im Boden und Gletscher in der Luft...