Fragwürdiger Juden-«Scherz»: Verkleideter Fan meldet sich

Rund 300 Fussballfans des FC Luzern marschieren vor dem Auswärtsspiel gegen St. Gallen. Vor ihnen geht ein als Jude verkleideter Kollege. Ein Bild von diesem fraglichen Vorfall verbreitete sich rasant im Internet. Die Aktion hat nun vielleicht ein juristisches Nachspiel.

St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob, rechte Hand am Kinn, Siegelring am Ringfinger. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob will zuerst die Videos der Aktion auswerten. Keystone

Ein Bild sorgt für Empörung. Auf dem Foto sieht man einen Mann, der als orthodoxer Jude verkleidet ist und einen Schal des FC St. Gallen trägt. Einige Meter hinter ihm: der Fanmarsch des FC Luzern vor dem Spiel in St. Gallen. Treibt hier eine Menschengruppe einen Juden vor sich her?

Der St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob findet, aufgrund des einen Fotos könne man wenig sagen. «Meine Reaktion war dann, dass ich sagte, ich möchte abgeklärt haben, was da genau passiert ist, wie dieser Jude aufgetreten ist, um zu erfahren, was mit dieser Aktion gemeint ist.»

Entschuldigung «zur Kenntnis genommen»

Nun liegt ein anonymes Schreiben des verkleideten Juden vor. Er habe auf keinen Fall die jüdische Glaubensrichtung diskriminieren wollen, schreibt er. Und er entschuldigt sich beim Israelitischen Gemeindebund. Dessen Generalsekretär Jonathan Kreutner sagt, man nehme die Entschuldigung zur Kenntnis.

Aber: «Aus unserer Sicht ist das eine inakzeptable Aktion, weil ein als Jude verkleideter Fan dazu gebraucht wird, den Gegner zu diffamieren.» Die St. Galler Staatsanwaltschaft will nun die Auswertung von Polizeivideos abwarten, bevor sie weitere Schritte ergreift.