Nach Burkhalters Rücktritt Freisinnige Frauen im Dilemma

  • Die FDP-Frauen wollen einen Bundesratssitz. Mögliche Kandidatinnen sind die Waadtländer Regierungsrätin Jacqueline de Quattro und FDP-Nationalrätin Isabelle Moret.
  • Die Frage ist der richtige Zeitpunkt, um diese Forderung geltend zu machen: «Das kann jetzt oder bei einer nächsten Vakanz der Fall sein», sagt FDP-Frau Christa Markwalder.
  • Historikerin Elisabeth Joris spricht von einer «Kapitulation der FDP-Frauen». Die Frauen würden zwar nicht gänzlich verzichten, aber der Anspruch sei zu wenig klar formuliert.

Wer soll die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter antreten? Es solle jemand aus der lateinischen Schweiz sein, sagte die FDP-Parteileitung gestern. Bereits dreht sich das Kandidatenkarussell – und weitaus am häufigsten fällt da der Name des Tessiner Nationalrats und FDP-Fraktionschefs Ignazio Cassis. Weitere Namen sind etwa der Genfer Pierre Maudet oder der Waadtländer Pascal Broulis.

Doch wie sieht es mit den Kandidatinnen aus? Der Kanton Tessin sei seit 1999 nicht mehr im Bundesrat vertreten, heisst es in einer Mitteilung der FDP-Frauen. Doch noch viel länger seien die FDP-Frauen nicht mehr vertreten – seit 1989. Die bisher erste und einzige FDP-Frau im Bundesrat sei Elisabeth Kopp gewesen.

Ersatz für Schneider-Ammann?

Christa Markwalder, Berner Nationalrätin und Vorstandsmitglied der FDP-Frauen findet deshalb, dass es an der Zeit sei für eine FDP-Frau im Bundesrat.

«Aber wir anerkennen auch, dass es – je nach Konstellation – jetzt oder bei einer nächsten Vakanz der Fall sein kann», so Markwalder. Eine nächste Vakanz gäbe es bei einem Rücktritt von FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Allfällige Namen für die jetzige Bundesrats-Nachfolge nennt Markwalder nicht: «Wir haben sehr gute und valable Persönlichkeiten in unseren Reihen. Und wir wissen auch, dass sie sich für eine Kandidatur interessieren.»

Moret und de Quattro in «Poleposition»

Doch die Auswahl ist klein. Da ist zum einen die Waadtländer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret. Sie sagte bereits kurz nach Burkhalters Rücktrittsankündigung: «Es wäre gut, wenn wieder eine Frau kandidiert.» Eine weitere mögliche Kandidatin wäre die Waadtländer Regierungsrätin Jacqueline de Quattro.

Diese sagte, ihr sei bewusst, dass das Risiko, gegen Ignazio Cassis zu scheitern, gross sei, doch wenn keine Frau hinstehe und sich der Herausforderung stelle, klappe es auch nicht. Sie liess jedoch offen, ob sie kandidieren möchte. Bis Ende Juni sollte klar sein, ob die Waadtländer FDP mit einer Frau ins Rennen steigt.

Kritik von Historikerin Elisabeth Joris: «Frauen stets zu versöhnlich»

Die Schweizer Historikerin Elisabeth Joris ist Expertin für die Frauen- und Geschlechter-Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie findet es schade, dass die FDP-Frauen einen männlichen Burkhalter-Nachfolger in Kauf nehmen. Diese gäben sich damit schon im Vorhinein geschlagen, sagt sie gegenüber Radio SRF.
Joris ortet das Problem darin, dass die Frauen «sich stets zu versöhnlich mit den Männern zeigen und zugunsten eines Mannes auf die eigene Kandidatur verzichten». Es sei eine klare Kapitulation der Frauen. Man gehe davon aus, dass das Tessin das Vorrecht auf den Sitz habe, nicht die Frauen. Aus der Geschichte könne sie aber klar sagen: «Ein Zurücknehmen hat den Frauen nie etwas gebracht.»

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