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Im ewigen Eis «Für das weltweite Klima ist die Polarregion matchentscheidend»

Am Sonntag hat das Forschungsschiff «Akademik Tryoshnikov» Kapstadt erreicht und die dreimonatige Expedition rund um die Antarktis beendet. SRF-Redaktor Mario Nottaris über die erste Mission des neu gegründeten Swiss Polar Instituts.

Legende: Video In 88 Tagen um die Antarktis abspielen. Laufzeit 36:00 Minuten.
Aus Einstein vom 09.03.2017.

Während der letzten drei Monate hatten rund 150 Forschende aus 18 Ländern Daten und Proben gesammelt. Mit ihrer Hilfe sollen die Auswirkungen von Umweltveränderungen und -verschmutzung auf den südlichen Ozean erforscht werden.

Knowhow aus der Gletscherforschung

Alles gut und schön, fragt sich der Laie, aber hätte es dafür wirklich zwingend eine Schweizer Polar-Mission gebraucht? «Und ob», ist Mario Nottaris überzeugt. Der SRF-Wissenschaftsredaktor begleitete die Expedition auf ihrem ersten Teilstück nach Hobart (Australien). «Denn die Polarforschung ist Schlüsseldisziplin bei Erforschung des Klimawandels und geht deshalb auch sehr wohl uns etwas an.»

Zudem betreibe die Schweiz bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Gletscherforschung und verfüge deshalb über sehr viel Knowhow, welches man auch in die Polarforschung einbringen könne, so Nottaris. Insgesamt wurde während der Expedition zu 22 Projekten geforscht. Vier davon standen unter der Federführung von Schweizer Forschungsinstitutionen.

  • Erforschung der Wechselwirkung von Feinstaub mit Wolken (Paul Scherrer Institut/PSI)
  • Erforschung der Artenvielfalt im antarktischen Ökosystem und die Rolle antarktischer Mikroben (Universität Genf)
  • Erforschung der Wechselwirkung von Ozean und Atmosphäre (ETH Zürich)
  • Forschungen zum sinkenden Salzgehalt des südlichen Ozeans (ETH Lausanne)

«Für das weltweite Klima ist die Polarregion matchentscheidend», so Mario Nottaris. Denn verändere sich das Südpolarmeer, dann verändere sich auch das weltweite Klima. Die Forschung weise hier noch etliche Lücken auf. Denn die meisten Nationen setzten auf feste Forschungsstationen. «Aber um die Arktis herum zu fahren, das gab es schon lange nicht mehr.»

Ist es in Zeiten von Wettersatelliten und Bojen, die Temperaturen und Salzgehalt messen können, noch notwendig ein Schiff zu chartern? «Ja», meint Nottaris und hat auch gleich ein Beispiel parat. «Den Planktongehalt des Wassers kann man sehr gut mittels Satellitenbildern an Hand der Farbe bestimmen.»

Doch bisher hätten die Zahlen im Südpolarmeer dafür nicht gestimmt. «Jetzt wurde zeitgleich vom Schiff und vom Satellit aus gemessen – eine Kalibrierung vorgenommen.» Künftig könne man also aus dem All anhand der Farbe des Wassers exakt auf den Planktongehalt schliessen.

Keine Mail, kein Natel – das macht einen schon halb rasend.
Autor: Mario NottarisSRF-Wissenschaftsredaktor

Generell sei die Schweizer Polar-Mission für viele der beteiligten Wissenschaftler die Chance ihres Lebens gewesen. Sie konnten in einer Region forschen, zu der der Grossteil ihrer Kollegen nie Zugang erhalten wird. Dementsprechend fokussiert seien sie auch gewesen.

«Als Journalist störst du eigentlich auf so einem Schiff nur», lautet denn auch eine der Selbsterkenntnisse von Mario Nottaris. Und noch eine persönliche nahm Nottaris mit aus der Antarktis. «An abgelegene Orte zu gehen, dort zu stehen, wo nur sehr selten Menschen hinkommen, das hat schon seinen Reiz und eine gewisse Mystik.»

Allerdings relativiere sich in solchen Momenten auch die romantische Vorstellung von Abgeschiedenheit. «Keine Mail, kein Natel – das macht einen schon halb rasend.»

Mario Nottaris im ewigen Eis

Mario Nottaris im ewigen Eis

«Einstein»-Redaktor Mario Nottaris hat die Expedition des Swiss Polar Institutes 5 Wochen lang begleitet und darüber berichtet. Er sagt: «Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für die Polarforschung. Das Projekt bedeutet für viele Wissenschaftler die Forschungsreise ihres Lebens. Das macht die Expedition auch für mich besonders.»

7 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Diese Expedition war sicher hochinteressant. Leider ist damit das Problem nicht gelöst. Die grosse Umweltverschutzung und Plastik zu Hauf in den Meeren, die allen Meeresbewohner schaden. Da bereits in der Antarktis Microplastik gefunden wurde zeigt auf wie es mit unserer Biodiversität steht. Der Mensch zerstört den Lebensraum für sich selbst alle Kreaturen. Schade um unsere schöne Erde. Die kommenden Generationen werden dafür einen hohen Preis bezahlen.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Gut dass es noch Menschen gibt die sich Kuemmern und forschen.. danke... und an alle Umweltluegner... die Verduennung der Meere durch Salzloses Gletscherwasser ist eine Tatsache, und dass dadurch die Golf-Pumpe uU mal nicht mehr funktioniert sollte jedem die Haare aufstellen. Denn dann ist Eiszeit, und zwar schnell!... wobei was kuemmert es MICH..76. wenn das passiert in 20/50 oder 100 Jahren.. Aber die den Kopf jetzt noch in den Sand stecken.. die koennen ihn in den Schnee stecken dannzumal!
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Wahrscheinlich schmelzen die Polkappen, weil hunderte überflüssige Expeditionen jährlich dorthin pilgern und sich einen netten Zeitvertreib gönnen. Alles kann man ganz gut per Satellit beobachten. Dazu braucht es kein TV Shows und "Fachleute" die dann eh nur auf Panik machen. Absurde Welt.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Tom Duran: Das meinen Sie jetzt aber polemisch, oder? Man kann beispielsweise keine Wasserproben von einem Satelliten nehmen.
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