Im neuen Naturhistorischen Museum in Basel sollen Besucherinnen und Besucher künftig erleben können, wie sich ein starkes Erdbeben anfühlt. Das Basler Kantonsparlament, der Grosse Rat, hat dafür am Mittwoch 5.8 Millionen Franken bewilligt.
«Eine Art Klassenzimmer mit beweglichem Boden»
Der geplante Simulator ist als geschlossener Raum mit Leinwänden konzipiert. «Man muss sich das wie eine Art Klassenzimmer mit beweglichem Boden vorstellen», erklärt Andreas Flück, Leiter der Geschäftsstelle der kantonalen Krisenorganisation, gegenüber SRF. Rund um den Raum würden Bilder projiziert und mit Geräuschen unterlegt, «also eigentlich ein Multimedia-Erlebnis in einem geschlossenen Raum.»
Das Besondere sei der Boden selbst: «Den Boden kann man dann in Bewegung versetzen – in zwei Richtungen, wie ein Erdbeben das auch machen würde», so Flück. Zusammen mit den Projektionen entstehe der Eindruck, mitten im Geschehen zu stehen.
Simuliert werden sollen Erdbeben mit unterschiedlichen Stärken, bis hin zu einem Szenario wie jenem von 1356 in Basel, das mit einer geschätzten Magnitude von 6.6 als stärkstes historisch belegtes Erdbeben nördlich der Alpen gilt.
Basel besonders gefährdet
Dass ein solcher Simulator gerade in Basel entsteht, ist kein Zufall. «Basel ist das Gebiet mit der grössten Erdbebenwahrscheinlichkeit und auch mit dem grössten Risiko in der Schweiz», sagt Flück gegenüber SRF. Gerade weil schwere Beben selten seien, hätten viele Menschen kaum eine Vorstellung davon, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollten.
Ein neues kantonales Erdbebenrisikomodell zeigt die möglichen Folgen drastisch auf: Würde sich ein Ereignis wie jenes von 1356 wiederholen, wäre allein im Kanton Basel‑Stadt mit rund 1’700 Toten zu rechnen. Mehr als 70 Prozent der Gebäude würden mittlere bis schwere Schäden erleiden, Schadenssumme: etwa 17 Milliarden Franken. «Das ist natürlich ein Ausmass, das rechtfertigt, dass man Geld investiert in präventive Massnahmen», sagt Flück.
Lernen, bevor es bebt
Der Simulator soll nicht nur eindrücklich sein, sondern auch vermitteln, wie man sich vor und während eines Erdbebens richtig verhält. Flück betont, viele Menschen wüssten etwa nicht, dass sie sich schon präventiv überlegen sollten, wo sich in Gebäuden sichere Orte befinden. Im Ernstfall gelte es, Schutz unter stabilen Möbeln zu suchen und Ruhe zu bewahren.
Neben Museumsbesuchenden und Schulklassen sollen auch Fachleute wie Ingenieurinnen, Architekten oder Rettungskräfte den Simulator nutzen können, um für den Ernstfall zu trainieren.
Bislang gibt es in der Schweiz erst zwei Erdbebensimulatoren, die auch öffentlich zugänglich sind – an der ETH Zürich und in Sitten. Der Simulator in Basel soll mit der Eröffnung des neuen Naturhistorischen Museums in Betrieb gehen. Nach aktuellen Planungen ist dies für Mitte 2029 vorgesehen.