Milliarden für die Fifa: Am Donnerstag startet in Nordamerika die Fussball-Weltmeisterschaft. Für die Fifa wird das Turnier zum Rekordgeschäft: Mehr als zehn Milliarden Dollar Einnahmen erwartet der Weltfussballverband. Davon würden auch die teilnehmenden Verbände profitieren, kündigte die Fifa im Vorfeld an. Man werde bei dieser Weltmeisterschaft so viel Preisgeld und Gagen ausschütten wie noch nie.
Was für die Verbände tatsächlich übrig bleibt: In absoluten Zahlen stimmt die Ankündigung der Fifa zwar, die Gesamtbeträge sind gestiegen. Gleichzeitig nehmen bei dieser WM erstmals 48 statt wie bislang 32 Teams teil, wodurch sich das Geld auf mehr Verbände verteilt. Für sie fällt die Rechnung weniger rosig aus. Adrian Arnold, Sprecher des Schweizerischen Fussballverbandes, sagt: «Mit den ursprünglich angekündigten Ausschüttungen hätten wir bei einem Ausscheiden in der Vorrunde ein Minus in Millionenhöhe gemacht.»
Der Protest der Verbände: Gemeinsam mit anderen Verbänden intervenierte der SFV deshalb vor einigen Wochen bei der Fifa. Mit Erfolg: Die Antrittsgagen wurden nachträglich erhöht, um rund zwei Millionen Dollar pro Team. «Damit sollten wir zumindest eine schwarze Null schreiben», so Arnold.
Die Kosten einer WM-Kampagne: Die WM in den USA kommt den SFV teuer zu stehen. Allein die Dauer des vergrösserten Turniers treibt die Kosten in die Höhe. Die Schweizer Delegation umfasst 62 Personen, die alle für mehrere Wochen in den USA untergebracht und verpflegt werden müssen. Dazu kommen diverse Flüge innerhalb des riesigen Turniergebiets.
Das Schweizer Pech: Für die Schweizer Reisegruppe kommen zwei Faktoren erschwerend hinzu: Die Fifa zahlt ihre Beiträge in Dollar aus – und der Wechselkurs ist aktuell ziemlich ungünstig. Ebenso wirkt sich die Wahl des Standorts unglücklich aus. Weil die Nati ihre Gruppenspiele in San Francisco, Los Angeles und Vancouver austrägt, hat das Team sein Lager in Kalifornien aufgeschlagen, wo besonders hohe Einkommenssteuern gelten. Was die Kampagne genau kostet, sagt der SFV nicht. Es handle sich aber um einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe.
Nur Erfolg bringt Geld: Damit sich die WM finanziell lohnt, muss die Nati also sportlich erfolgreich sein. Erst ab der K.-o.-Phase kann der Verband mit einem Gewinn rechnen. Realistisch ist ein Plus von zwei bis drei Millionen Franken, ähnlich wie bei den vergangenen Weltmeisterschaften. Ausser der Nati gelingt der ganz grosse Coup und sie stösst ins Halbfinale oder gar ins Finale vor, dann würde sie von höheren Preisgeldern profitieren.
Was macht die Fifa mit den Milliarden? Es bleibt die grundsätzliche Frage: Warum schüttet die Fifa nur einen Bruchteil ihrer WM-Einnahmen an die teilnehmenden Verbände aus? Adrian Arnold sagt dazu: «Fairerweise muss man sagen, dass die Fifa diese Gelder später wieder in den Fussball zurückfliessen lässt.» Die Fifa unterstützt mit diesen Milliarden künftige Fussball-Projekte von allen Nationalverbänden, auch von solchen, die nicht an der WM teilnehmen. Auch die Schweiz habe zuletzt pro Jahr jeweils zwei Millionen Franken von der Fifa erhalten.
Es geht nicht nur ums Geld: Der SFV betont, dass sich der Wert einer WM-Teilnahme nicht nur in Geld messen lasse. «Eine WM mobilisiert Kinder, sich beim Fussball anzumelden», sagt Arnold. Der langfristige Effekt für den Breitensport sei wichtiger als der kurzfristige finanzielle Gewinn.