Eigentlich hätte das Gipfeltreffen der sieben grössten westlichen Wirtschaftsnationen bereits am Sonntag in Frankreich beginnen sollen. Doch weil US-Präsident Donald Trump den 80. Geburtstag zu Hause feiern wollte, verschob Gastgeber Emmanuel Macron um 24 Stunden. Dankbarkeit darf er dafür kaum erwarten. Wie die anderen Staats- und Regierungsoberhäupter aus Deutschland, Japan, Grossbritannien, Italien, Kanada und die Spitze der EU kann er froh sein, wenn das dreitägige Treffen ohne Eklat über die Bühne geht. Ein Novum in der G7-Geschichte: Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin ist zum Gala-Dinner eingeladen. SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck schildert die Ausgangslage.
Wird der Iran-Deal Thema am Gipfel sein?
Der Deal soll zwei Tage nach Gipfelende gut 30 Kilometer westlich von Évian in Genf unterzeichnet werden – wenn nichts mehr dazwischenkommt. Die G7-Kolleginnen und -Kollegen dürften den Deal loben, um Trump milde zu stimmen. Macron hat auch die Staatschefs aus Ägypten, den Emiraten und Katar zum G7-Gipfel eingeladen. Dass diese drei arabischen Staaten bezüglich Iran völlig uneins sind, zeigt freilich die fragile Lage im Nahen Osten.
Was ist zum Ukraine-Krieg zu erwarten?
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski kommt am Dienstag nach Évian. Die europäischen G7-Staaten wollen verhindern, dass Trump vor lauter Iran-Krieg das Interesse an der Ukraine verliert. Auf der Tagesordnung stehen weitere Militärhilfen, neue Sanktionen gegen Russland und diverse Friedensinitiativen. Manche Beobachterinnen und Beobachter glauben, Wladimir Putin werde bald einem Kriegsende zustimmen – weil es für ihn auf den Schlachtfeldern schlecht läuft. Doch bisher gibt es wenig konkrete Hinweise auf einen baldigen Frieden.
Was steht beim G7-Gipfel 2026 auf der Tagesordnung?
Macron wollte die globalen Ungleichgewichte, etwa im Handel mit Gütern und Dienstleistungen, zum Hauptthema machen. Doch wirksame Massnahmen wären nur möglich, wenn die USA weniger konsumierten und wenn China – das nicht Teil der G7 ist – mehr ausländische Güter kaufen würde. Die beiden Staaten sind dazu aber nicht bereit. Auf der Tagesordnung stehen vor allem Künstliche Intelligenz und Seltene Erden – dort gibt es in der G7 gemeinsame Interessen, insbesondere gegenüber China.
Was macht Bundespräsident Guy Parmelin am G7-Gipfel?
Die meisten Gipfel-Teilnehmer reisen über den Flughafen Genf an. In Genf fand am Sonntag eine Grossdemo gegen die G7 statt. Die Sicherheitskosten für die Schweiz werden auf 20 Millionen Franken geschätzt. Als Dankeschön hat Macron Guy Parmelin am Dienstag ans Gala-Dinner eingeladen. Für Parmelin vielleicht eine Gelegenheit, mit Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über die Handelsstreitigkeiten der Schweiz mit den USA und mit der EU zu sprechen.
Welche Bedeutung hat die G7 heute überhaupt noch?
Jahrzehntelang war die G7 so etwas wie das Machtzentrum des Westens, also jener insgesamt rund 50 Staaten, die von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geprägt sind. Dass sich die G7 immer seltener einig ist, ist ein Indiz für den Zerfall der gesamten westlichen Welt, befördert von Trumps Egotrips. Es fehlt an gemeinsamen Interessen und an Vertrauen. Die G7 verliert dadurch an Bedeutung als Machtzentrum, bleibt aber ein wichtiger Marktplatz für die Interessen westlicher Grossmächte.