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G7-Gipfel in Evian Kann Macron den Eklat vermeiden?

Am G7‑Gipfel dürfte es Emmanuel Macron schwerfallen, Akzente zu setzen. Schon das Vermeiden eines Eklats wäre ein Erfolg.

An G7-Gipfeln hängt stets sehr viel vom Gastgeber ab. Er kann Themen setzen. Er kann eine gedeihliche Atmosphäre schaffen. Er leitet die Sitzungen. An ihm liegt es vor allem, Kompromissvorschläge einzubringen. Auf seine Persönlichkeit, in diesem Fall also auf die von Emmanuel Macron, kommt es also an.

Nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung könnte es gut sein, dass Macron etwas zustande bringt. Das sagt Pascal Boniface, Gründer und Direktor des französischen Strategieinstituts Iris: «Kein anderer unter den grossen sieben ist so lange im Amt wie Macron», sagt Boniface, der früher die UNO in Abrüstungsfragen beraten hat und auch mehrere französische Verteidigungsminister.

Unpopulärer Amtsträger

Gegen Macron spreche diesmal allerdings, so Boniface, dass sein Fin de Règne längst begonnen hat und er im eigenen Land höchst unpopulär ist. Er besitzt daher nur noch wenig politische Durchschlagskraft. Das gilt ebenso für den deutschen Bundeskanzler oder den britischen Premier. Auch der US-Präsident ist angezählt.

Person in Anzug steht hinter Rednerpult mit französischer Flagge im Hintergrund.
Legende: Momentan nicht sehr beliebt im eigenen Land: der französische Präsident Emmanuel Macron. EPA/ Christophe Petit Tesson

Geschwächte Staats- und Regierungschefs haben weniger Mut und weniger Kraft, auch mal nachzugeben und unpopuläre Kompromisse der eigenen Bevölkerung zu verkaufen. Dazu kommt auf dem bevorstehenden Gipfel: Die G7 sind gespalten – der Graben zwischen den USA und Europa ist tiefer als je zuvor, und das bei fast allen relevanten Themen.

G7: Nicht mehr ganz so mächtig

Und dies vor dem Hintergrund, dass die G7, der westliche Klub der Mächtigen, global an Gewicht eingebüsst hat, wirtschaftlich und politisch. «Zwar waren die G7», so Pascal Boniface, «nie das Direktorium der Welt, auch wenn sie sich selbst bisweilen so verstanden. Inzwischen sind sie es erst recht nicht mehr.» Entwicklungs- und Schwellenländer haben ihren geopolitischen Einfluss markant vergrössert.

Es gibt derzeit in der Welt ganz gewiss nicht zu viel, sondern zu wenig Diplomatie.
Autor: Pascal Boniface Gründer und Direktor des Strategieinstituts Iris

Konkrete Fortschritte auf dem Gipfel in Evian sieht der französische Politologe am ehesten noch bei der Ukraine-Hilfe. Die Regierung von Donald Trump sei da zwar sehr zögerlich, doch unter Trumps Republikanern gebe es dafür einige Unterstützung. Keinerlei Einigung sei hingegen beim Schlüsselthema künstliche Intelligenz abzusehen. Donald Trump, der alles einfach laufen lassen wolle, hätte da fundamental andere Vorstellungen als Europa, das dringend Regeln fordere.

Ein wichtiger Diplomatie-Moment

Doch trotz zunehmend lautstarker Kritik am Format der G7, plädiert Boniface dafür, daran festzuhalten: «Es gibt derzeit in der Welt ganz gewiss nicht zu viel, sondern zu wenig Diplomatie. Allein schon, dass die Mächtigen mal drei Tage lang zusammensässen, ist nützlich.»

Bloss: Die übrigen sechs mögen sich in Evian noch so Mühe geben, den US-Präsidenten nicht unnötig zu reizen: Wo er dabei sei, müsse man stets mit allem rechnen. Sein «tumultuöses Temperament», wie Boniface es nennt, aber auch die Tatsache, dass Trump zu Hause politisch unter Druck steht und weltpolitisch kaum Erfolge vorzuweisen hat, erhöhen erst recht das Risiko eines Eklats am Genfersee.

 

Echo der Zeit, 12.6.2026, 18 Uhr;liea

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