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Schweiz Gefängnis Lenzburg: Mit 300 Sensoren gegen Handymissbrauch

Als einziges Gefängnis in der Schweiz hat Lenzburg in jeder seiner 300 Zellen versteckte Sensoren eingebaut. Diese schlagen sofort Alarm, schaltet jemand ein Handy ein oder benutzt einen Internet-Stick. Der Direktor der Vollzugsanstalt ist überzeugt von diesem modernen Mobilfunk-Detektionssystem.

Legende: Video Mit 300 Sensoren gegen Handymissbrauch abspielen. Laufzeit 06:55 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 03.03.2016.

In der Justizvollzugsanstalt Lenzburg ist in jeder Zelle an einem versteckten Ort ein Sensor eingebaut, der Handy- und Internetverbindungen registriert. Damit nimmt das Gefängnis landesweit eine Vorreiterrolle ein.

Alarm beim Einschalten statt Signalstörung

«Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, deshalb haben wir uns bei der Sanierung der Strafanstalt entschieden, dieses System flächendeckend einzubauen», sagt Direktor Marcel Ruf zu «Schweiz aktuell».

Grundriss nebeneinanderliegender Zellen, eine davon rot ausgefüllt
Legende: Wird in einer Zelle ein Mobiltelefon eingeschaltet, wird dies auf einem Überwachungsbildschirm ersichtlich. srf

Die Sensoren reagieren, wenn ein Mobiltelefon versucht, die Verbindung zu einer Antenne aufzubauen. Sofort wird in der Sicherheitszentrale ein Alarm ausgelöst.

Vor dem Einbau des modernen Mobilfunkdetektionssystem war in Lenzburg eine Störanlage im Einsatz, wie sie auch andere Schweizer Gefängnisse kennen. Diese sollte das Handysignal stören und damit unerlaubte Kontaktaufnahmen mit der Aussenwelt verhindern.

Laut Gefängnisdirektor Marcel Ruf hätte diese Anlage jedoch erneuert werden müssen: «Im Vergleich dazu kam uns das Mobilfunk-Detektionssystem mit Kosten von rund 1000 bis 1500 Franken pro Zelle günstiger.»

Bildung eines nationalen Kompetenzzentrums

Für das Gefängnispersonal ist die fix eingebaute Anlage eine Erleichterung: «Wir hatten zuerst mobile Geräte, mussten mit diesen aber immer Runden machen und präsent sein», meint Sicherheitsdirektor Christian Harder. «Die fest installierten Sensoren sind daher viel komfortabler. Funktioniert dieses System, haben wir hier keine Handys mehr.»

Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger sieht Lenzburg mit der Mobilfunkdetektionsanlage in einer Vorreiterrolle. Er kritisiert den Schweizer Kantönligeist: «Die Gefängnisse haben unterschiedlichste Methoden, um gegen Handy- und Internetmissbrauch vorzugehen, einheitliche Richtlinien gibt es nicht.» Deshalb mache es Sinn, dass nun ein nationales Kompetenzzentrum geschaffen werde, um die Standards schweizweit anzugleichen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Früher wurden Gefängnisinsassen gefilzt und Kontakt gab es an einem zentralen Telefon mit Überwachung. Ist denn ein Handy im Knast auch ein Menschenrecht? Aber dafür muss wohl ein Kompetenzzentrum, ein Sonderstab und Krisenmanagement auf Kosten des Steuerzahlers her. Man kann nur noch den Kopf schütteln.....
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    «Deshalb mache es Sinn, dass nun ein nationales Kompetenzzentrum geschaffen werde, um die Standards schweizweit anzugleichen.» Wie viele Stellen braucht es, damit paar Gefängnisdirektoren miteinander reden können über ihre technischen Spielzeuge? Ostschweizer Konkordat, etc., reichen nicht?
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