- Der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, hat an der ersten Gemeindeversammlung nach der Brandkatastrophe einen Überblick über die Tragödie in der Bar «Le Constellation» gegeben.
- 378 Bürgerinnen und Bürger der knapp 10'500 Einwohner zählenden Gemeinde nahmen an der Gemeindeversammlung teil.
- Féraud hatte sich seit der Medienkonferenz im Januar nicht mehr öffentlich geäussert.
«Im Namen des Gemeinderats entschuldige ich mich bei den Familien, den Opfern und ihren Angehörigen für den Schmerz und die Trauer, die sie durchleben», erklärte Nicolas Féraud, bevor zu Beginn der Versammlung eine Schweigeminute eingelegt wurde.
«Diese Tragödie hat unsere Gemeinde tief geprägt», erinnerte der Präsident. «Wir bekunden den Betroffenen unsere ganze Zuneigung, nämlich den Opfern, den Familien und den Verletzten, insbesondere jenen, die noch im Spital liegen, und jenen, die noch immer unter den Folgen leiden.» Und er fügte hinzu: «Diese Wunde hat unsere Gemeinde und ihre Einwohner schwer getroffen. Sie wird niemals ganz aus unserem Gedächtnis verschwinden.»
«Alle öffentlichen Einrichtungen werden kontrolliert»
Sébastien Rey, Leiter des Krisenstabs, gab einen Überblick über den Stand der Dinge und erinnerte an die Fakten, mit denen sich die lokalen Behörden seit der Nacht des Unglücks befassen. Der Gemeinderat bestätigte, dass die Gemeinde Crans-Montana an dem vom Bund eingerichteten Runden Tisch teilnehmen werde. Was die Errichtung eines dauerhaften Denkmals betrifft, so haben Gespräche mit dem Kanton Wallis begonnen. Am 1. Januar 2027 wird eine Gedenkfeier stattfinden.
Patrick Clivaz, der für die Sicherheit zuständige Gemeinderat, versprach, dass alle öffentlichen Einrichtungen bis Ende des Jahres kontrolliert werden. 56 Kontrollen seien bereits durchgeführt worden. Clivaz gehört zu den 14 Beschuldigten, gegen die im Zusammenhang mit der Katastrophe ermittelt wird.
In finanzieller Hinsicht werden Rücklagen gebildet, kündigte Féraud an. Die Zukunft der Gemeinde sei für die nächsten zehn bis 15 Jahre gesichert und man werde die Steuern nicht erhöhen, so der Politiker weiter.
Anwesende Eltern von Opfern
Im Mehrzwecksaal «Les Martelles» in Chermignon-d’en-Bas waren 378 Einwohnerinnen und Einwohner – 80 bis 100 mehr als üblich – erschienen. 580 Plätze in drei Sälen hätte es gehabt. Mehrere Dutzend weitere Personen verfolgten die Versammlung draussen vor einer Grossbildleinwand.
Ebenfalls anwesend waren vier Angehörige von Opfern, die sich kurz vor Beginn der Versammlung dazu entschlossen hatten, A4-Plakate mit den Gesichtern der Opfer aufzuhängen, um das Drama zu veranschaulichen. «Mit unserer Anwesenheit wollten wir alle Familien vertreten, die nicht anreisen konnten, insbesondere die italienischen und französischen», erklärten sie gegenüber Keystone-SDA.
Rufe nach Rücktritt
Die Gemeindeversammlung stand den Medien offen und wurde von 20 Medienschaffenden im Saal verfolgt. Die Einwohner stellten rund zehn Fragen. Während der Fragestunde stellte ein Einwohner die Frage, ob sich die Bürger nicht zur Weiterbeschäftigung bestimmter Ratsmitglieder äussern sollten. Ein anderer Bürger forderte den Präsidenten auf, «gut darüber nachzudenken», ob er zurücktreten solle oder nicht. Dieser weigerte sich, zurückzutreten, was ihm Beifall einbrachte. Schliesslich wiesen weitere Personen auf eine chaotische Kommunikation der Exekutive hin.