Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana brauchten die Opfer nicht nur medizinische Hilfe. Die Gemeinde, die kantonalen Opferhilfestellen und der Bund leisteten oder beschlossen auch praktische und finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe.
Jetzt steht der Runde Tisch an. Dort sollen alle Beteiligten freiwillig zusammenkommen und über aussergerichtliche Vergleichslösungen verhandeln. Einige Opferanwälte und Parlamentarier äusserten Bedenken, auch der Leiter der Gesprächsrunde sieht Risiken.
Reichen die Mittel aus?
Es geht um viel Geld, wohl um ein paar Hundert Millionen Franken, welche die Opfer und ihre Angehörigen geltend machen könnten. Die zentrale Frage ist, ob der Runde Tisch diese Forderungen erfüllen kann oder ob die Mittel vielleicht am Ende nicht ausreichen. Oder ob nur wenige Beteiligte am Tisch Platz nehmen oder die Verhandlungen zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
Dann könnte die Verhandlungsrunde scheitern. Das sieht Laurent Kurth als grosses Risiko. Der ehemalige Neuenburger SP-Staatsrat leitet als Präsident die Gesprächsrunde.
Kurth hält zwei Entwicklungen für denkbar: Entweder man müsse bereits Ende Jahr aufhören, weil man am Tisch nichts erreichen könne. Oder aber man verhandle zwei Jahre weiter, weil die Mehrheit der Betroffenen engagiert vorwärtsmache.
Am Runden Tisch sollen Opferfamilien mit Versicherungen und anderen Beteiligten verhandeln, die für die Wiedergutmachung der erlittenen Verletzungen verantwortlich sind. Damit die Opfer sich nicht langen, belastenden Gerichtsverfahren aussetzen müssen.
Eine reine Alibiübung?
Deshalb will Kurth möglichst schnell zu aussergerichtlichen Einigungen kommen, denn wenn der Runde Tisch ebenso lange dauert wie ein Gerichtsverfahren, verliere er an Bedeutung und Sinn. Kurth wird manchmal gefragt, ob das Vorhaben nicht einfach eine Alibiübung sei. Er selbst sagt, er wolle an den Erfolg glauben.
Mediation findet auch der Walliser Opferanwalt Sébastien Fanti gut. Ansonsten ist er seit der Tragödie am 1. Januar mit vielem nicht zufrieden, die finanzielle Hilfe zu wenig und überhaupt geht ihm alles zu langsam. Er vertritt sieben verletzte Opfer und ihre Familien aus der Schweiz, Frankreich und Algerien.
Und er sorgt selbst für Tempo: «Ich bin davon ausgegangen, dass es für eine französische Familie in der Schweiz zu lange dauern wird. Deswegen habe ich Klage bei einem Pariser Gericht eingereicht.» 8.2 Millionen will Fanti für seine Klientin herausholen, ob er diese Summe auch am Runden Tisch verlangt? «Ja, sicherlich», bestätigt Kurth.
Der Plan B: eine Klage in Den Haag
Wenn der Runde Tisch nicht acht Millionen hervorbringen sollte, will der Anwalt das Resultat dennoch akzeptieren. Wenn hingegen etwas schiefgeht, etwa die Gespräche zu nichts führen, dann aktivieren mehrere Anwälte um Sébastien Fanti einen Plan B. Die Opferfamilien seien in Not: «Ihre Kinder brauchen sofort Hilfe.» Er will dafür kämpfen, dass seine Klienten möglichst hohe Entschädigungen erhalten.
Der Plan B ist eine Klage beim ständigen Schiedsgerichtshof in Den Haag. Ein internationales Schiedsgericht, das bei Streitigkeiten zwischen Ländern schlichtet. Monsieur Fanti will unbedingt eine einvernehmliche Lösung.