Zum Inhalt springen

Schweiz Genf macht vorwärts mit Cannabis-Pilotprojekt

In mehreren Schweizer Kantonen sind Diskussionen im Gang, ob und wie der Konsum von Cannabis legalisiert werden könnte. Eine Vorreiterrolle spielt Genf. Dort hat eine Kommission um alt Bundesrätin Ruth Dreifuss der Kantonsregierung Vorschläge für ein Pilotprojket vorgelegt.

Nahaufnahme: Ein Mann zieht an einem Joint.
Legende: In der Schweiz ist der Cannabiskonsum verboten. Das will Genf ändern. Keystone

Die Richtung der Legalisierungsbemühungen in diversen Kantonen ist klar: Der Cannabiskonsum soll besser kontrolliert werden. Doch dafür müsste er zuerst legal sein. In Genf liegt bereits ein Projekt einer Arbeitsgruppe auf dem Tisch, wie man den Cannabiskonsum besser kontrollieren kann.

Ziel: Legales Kiffen in Vereinen

«Es sollte Vereine geben», sagt die Vorsteherin der Genfer Suchtkommission, die frühere Bundesrätin Ruth Dreifuss. In den Vereinen sollte der Cannabiskonsum dereinst legal sein, so das Ziel der Arbeitsgruppe. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Zunächst einmal will die Dreifuss-Kommission einen wissenschaftlichen Versuch über «die Machbarkeit und die Folgen eines Pilotprojekts in Genf» durchführen lassen. «Wissenschaftlich» ist dabei das Zauberwort. Denn das Betäubungsmittelgesetz lässt den Cannabisgebrauch nur für Forschungszwecke zu.

Porträt-Aufnahme von Ruth Dreifuss.
Legende: Alt Bundesrätin Ruth Dreifuss. Keystone

«Mutter» der Heroinabgabe

Dreifuss schöpft aus ihren Erfahrungen als frühere Innenministerin. Als solche hat sie vor 20 Jahren die kontrollierte Drogenabgabe durchgesetzt.

Nun sollen also Cannabis-Clubs als Forschungsprojekt getestet werden. Doch auch dabei werden keine Forscher, sondern gewöhnliche Konsumenten am Ende den Rauch des Joints inhalieren.

Das sei kein Problem, sagt Dreifuss. «Auch bei der Heroin-Verschreibung waren die Probanden nicht Wissenschaftler.» Doch ein wissenschaftliches Team habe den Versuch begleitet. «Das sehen wir auch vor für einen Cannabis-Versuch.» Ein solches Wissenschatsteam soll als nächstes auf die Beine gestellt werden.

Genf in der Rolle des Türöffners

Die Genfer Kantonsregierung unterstütze das Vorhaben der Genfer Suchtkommission, sagt Gesundheitsdirektor Mauro Poggia. «Wir wollen sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, das Problem des Cannabiskonsums ohne Repression zu regeln.» Denn für den Regierungsrat des Mouvement Citoyen Genevois funktioniert das derzeit geltende Verbot nicht.

Auch andere Kantone wollten eigene Pilotprojekte durchführen. Doch machten die Parlamente in Bern, Baselstadt und Wallis kürzlich einen Rückzieher. Das könnte auch in Genf passieren. Davor schreckt Regierungsrat Poggia nicht zurück. Häufig genüge Einer, der die Türe einfach weit genug aufstossen müsse, damit auch die anderen hindurch könnten, sagt der Genfer Gesundheitsdirektor. Diese Rolle wolle sein Kanton übernehmen.

Ende nächsten Jahres soll die Kommission von alt Bundesrätin Dreifuss einen Machbarkeitsbericht für den Pilotversuch veröffentlichen. Dann werden auch in Genf die Debatten im Parlament und im Volk um die Frage einer künftigen Cannabis-Legalisierung zunehmen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

36 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jim James, Zürich
    Cannabis soll legalisiert werden, das Verbot bringt nichts. Aber liebe Kiffer hört bitte auf den Alkohol so zu verteufeln, wie andere Cannabis verteufeln.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von R.Holzer, Solothurn
    Am 30. November 2008 wurde die Legalisierung von Cannabis mit 63.2% vom Volk und allen Ständen deutlich abgelehnt, aber trotzdem wird von gewissen Kreisen die Legalisierung angestrebt. Die Missachtung von Volksentscheiden schein momentan wirklich in Mode zu sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Die Rechtslage ist doch klar: Canabis ist verboten gemäss Betäubungsmittelgesetz. Kein Problem, es für Spastiker und andere aus medizinischen Gründen zugänglich zu machen (per Verordnung). Aber Kantone haben keine Chance gegen jede noch so «kleine» Einsprache gegen jede Art von Liberalisierung bei der aktuellen Rechtslage. Wer dagegen ist, wartet einen kantonalen Entscheid ab, bringt diesen vor das kantonale Verwaltungsgericht und dann ans Bundesgericht und die Sache ist für Jahre erledigt!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen