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Schweiz Geschlechtskrankheiten weiter auf dem Vormarsch

Während die Anzahl HIV-Infektionen in der Schweiz stabil ist, nehmen andere Geschlechtskrankheiten eher zu: Tripper bei heterosexuellen und Syphilis bei homosexuellen Menschen.

Ein Plakat der Stopp-Aids-Kampagne 2004 vom Bundesamt für Gesundheit.
Legende: Ein Plakat der Stopp-Aids-Kampagne 2004 vom Bundesamt für Gesundheit. Keystone

Die Lustseuche von vorgestern ist die Geschlechtskrankheit der Moderne: Syphilis. Der Komponist Beethoven wurde deshalb taub und Philosoph Nietzsche starb daran.

Bei heterosexuellen Personen gehen die Syphilis-Diagnosen zwar zurück. Bei Männern, die Sex mit Männern haben, nehmen sie hingegen leicht zu.

Von Gonorrhö (Tripper) betroffen sind dagegen vor allem Heterosexuelle. Dies belegt die aktuelle Statistik des Bundesamts für Gesundheit BAG. Das BAG rechnet mit rund 1670 Fällen bis Ende Jahr, was einer Zunahme um 10 Prozent gegenüber 2012 entsprechen würde. Weiter zugenommen haben auch die Chlamydieninfektionen.

Wieso diese Unterschiede beim Auftreten der Krankheiten? Roger Staub vom Bundesamt für Gesundheit muss passen: «Darauf gibt es keine schlüssige Antwort. Wir wissen es nicht so genau.»

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Grundsätzlich meint Staub: Wenn's juckt und beisst, Link öffnet in einem neuen Fenster, solle man sich unbedingt untersuchen lassen und offen darüber reden. Doch auch hier gibt es Unterschiede zwischen Schwulen und Heterosexuellen: «Schwule reden offenbar eher über ihr Sexualleben.» Und sie hätten mit den sogenannten Checkpoints auch Beratungsstellen, die besser auf sie zugeschnitten sind. Das hat höchstwahrscheinlich auch mit den Präventionskampagnen betreffend HIV und Aids zu tun.

Bei Heterosexuellen werden Geschlechtskrankheiten oft totgeschwiegen. Laut Staub sollten die Ärzte ihre Patienten vermehrt auf deren sexuelle Gesundheit ansprechen. «Die Patienten wünschen sich laut Befragungen, dass der Arzt sie anspricht.» Letzterer gehe aber davon aus, dass der Patient den ersten Schritt tun müsse.

Für den Fall, dass die Hemmschwelle beim Hausarzt zu reden, immer noch zu hoch ist, könnten auch heterosexuelle Männer die Checkpoints besuchen. Oder sie gehen in eine dermatologische Poliklinik. Dort könnten sich die Patienten einigermassen anonym untersuchen lassen, ergänzt Staub.

Wechselnde Sexualpartner

All diese Krankheiten werden in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Daten über den Kondomgebrauch stehen dem BAG für die Gruppe der 18- bis 20-Jährigen zur Verfügung. Dieser liegt bei jungen Männern über die Jahre stabil bei 63 Prozent, bei Frauen um 50 Prozent.

In diesen Zahlen sind die Angaben von Personen in festen Partnerschaften enthalten. Die Erhebung zeigt aber auch, dass nur etwa 3 von 4 Frauen beim Sex mit Gelegenheitspartnern ein Kondom benutzen. Bei Männern liegt der Anteil etwas höher. Junge Männer geben auch immer öfter an, schon einmal für Sex bezahlt zu haben.

Auch die Zahl der Sexualpartner ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Etwa ein Drittel der Männer gibt an, in den letzten 12 Monaten drei oder mehr Sexualpartner oder -partnerinnen gehabt zu haben. Das sind doppelt so viele wie im Jahr 2000.

Zahl der HIV-Diagnosen stabil

Die Zahl der Personen, die sich neu mit HIV angesteckt haben, ist im ersten Halbjahr 2013 stabil geblieben. 331 Fälle hat das BAG registriert. Hochgerechnet auf das ganze Jahr werden 660 HIV-Diagnosen erwartet – leicht mehr als im letzten Jahr. In diesem Jahr seien bei homosexuellen Männern mehr Neuinfektionen festgestellt worden.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Nietzsche hatte GANZ SICHER KEINE Syphilis. Wer verbreitet denn solchen Schwachsinn noch viele Jahre nachdem eine Schweizer Medizinhistorikerin dies nachweisen konnte??
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Das ist mir völlig neu, dass Syphilis zu Taubheit führen kann, oder früher konnte. Ich habe mich darüber über Beethovens Taubheit im Zusammenhang mit Syphilis schlau gegoogelt. In den gängigen Biografien meiner damaligen Studienzeit in den 70ern am Konti Zürich stand nichts davon und Internet gab es auch noch nicht.
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    1. Antwort von Barbaplan Barbüda, Scuol
      @Zelger Wo haben Sie studiert KONTI???Lernen ist nicht verboten, aber vorsichtig in Google gibt es viel unwahres. Selbst Wikipedia hat seine Tücken.Alles ist verlogen in unserer vom Christentum geprägten Kulturkreis.Schönste im Leben soll genossen werden, das hilft.Wenn wir alles wüssten wie unserer Vorfahren das erlebt haben, würden wir staunen.
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    2. Antwort von W. Pip, ZH
      Doch, kann sie. Selber erlebt. Gehörsturz auf beiden Ohren vom Ärgsten. Syph wird auch "la grande imitatrice" genannt, weil sie völlig unzuordenbare, verschiedene Symptome macht. Hörprobleme, Geschmacksveränderungen, Hautrötungen, Magenprobleme, Müdigkeit und Schwindel, Gelenkschmeruzen... alles kann, aber muss nicht.
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  • Kommentar von Karl Meier, Thun
    Bei meiner Grossmutter hing der Spruch: "Frohes Schaffen, treues Lieben ist das beste stets geblieben." Wie wahr!
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