Gesucht: Rezepte gegen die Medikamenten-Verschwendung

Ein Drittel aller Medikamente wird nicht eingenommen, sie landen im Abfall. Das verursacht enorme Schäden und Kosten. An einer Konferenz in Lausanne versuchen Fachleute, Rezepte gegen die Verschwendung zu finden. Doch einfache Lösungen gibt es nicht.

Symbolbild: Blister mit verschiedenen Pillen, Tabletten und Kapseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Drittel aller Medikamente wird nicht eingenommen, sondern weggeworfen. Keystone

Die junge Patientin hat eine schwere chronische Krankheit und müsste dagegen Medikamente nehmen. Gleichzeitig leidet sie unter Migräneattacken und erbricht oft. Als Folge davon schafft sie es nicht, ihre Medikamente so lange bei sich zu behalten, dass diese wirken könnten. Also wirft sie die Tabletten einfach weg, ohne mit ihrem Arzt zu sprechen.

Medikamente landen im Abfall

Diesen Fall beschreibt die Lausanner Arzneimittelspezialistin Marie-Paule Schneider. Sie erzählt noch von anderen Fällen, in denen Medikamente im Abfall landen. Da wäre zum Beispiel der Patient, der seine Pillen absetzt, weil sie ihm zu gross sind zum Schlucken.

Das sind keine Einzelfälle. Laut dem Bundesamt für Umwelt werfen Schweizer Patienten ein Drittel ihrer Medikamente einfach weg. Im Durchschnitt macht das pro Jahr 230 Franken, die jeder Schweizer und jede Schweizern in den Abfall werfen. Währenddessen steigen die Gesundheitskosten immer weiter.

Zurzeit diskutiert die Medikamentenspezialistin Schneider mit Kollegen aus der ganzen Welt an einem Kongress in Lausanne darüber, wie man die Verschwendung stoppen könnte.

Verschiedene Ansätze

Die Spezialisten hoffen auf die Technik: Ein SMS aufs Handy könnte den Patienten zum Beispiel an seine Pillen erinnern. Zudem müssten Ärzte und Apotheker besser ausgebildet werden, was die Abgabe von Medikamenten angeht. Wie Sabina de Geest, Professorin für Pflegewissenschaften an der Universität Basel, ausführt, müssten Kompetenzen zur Unterstützung der Medikamenteneinnahme standardmässig zur Ausbildung gehören.

Weiter brauche es – wie so oft – mehr Geld. Ärzte und Apotheker müssten mehr Zeit haben, um die Patienten zu beraten und dafür auch entlöhnt werden, sagt Arzneimittelspezialistin Schneider: «Studien zeigen, dass die Kosten gesenkt werden können, wenn man die Medikamenteneinnahme besser managt.»

BAG ist in der Sache aktiv

Ob die Forscherinnen mit ihren Anliegen Gehör finden, ist offen. Im Moment arbeitet das Bundesamt für Gesundheit BAG an einem Bericht. Er soll zeigen, wie man Patienten dazu bringen kann, sich an ihre Therapien zu halten.

Und was ist eigentlich mit der Pharmaindustrie? Für einmal sind sich alle einig, dass diese bereits viel unternommen hat, damit ihre Produkte nicht im Abfall landen. So gebe es heute nur noch Medikamenten-Packungen, die der Dauer der Therapie entsprechen, sagt Sara Käch vom Verband Interpharma. Der Ball liegt also bei Ärzten, Apothekern, Patienten, Universitäten und dem Gesetzgeber.