Gesundheitssystem leidet unter Hausarzt-Mangel

Dem Schweizer Gesundheitssystem fehlt es an Hausärzten. Das jedenfalls meint der Ärzteverband FMH. Und die Situation droht sich in den nächsten Jahren weiter zu verschärfen, weil viele Fachkräfte in Ruhestand gehen werden.

Ein Arzt hört einen Patienten ab Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Medizinische Diagnose: Das Gesundheitssystem krankt an Hausarzt-Mangel. Keystone

Der Ärzteverband FMH ist offenbar in Sorge wegen einer ständig wachsenden Versorgungslücke im medizinischen Bereich.

Neue Erhebungen der Organisation weisen darauf hin, dass in 19 Kantonen Hausärzte fehlen, wie «Schweiz am Sonntag» zitiert. «Besonders akut» sei die Lage derzeit in Uri, Fribourg, Nidwalden und Appenzell Innerrhoden. Dort müssten sich fast 2000 Einwohner einen Arzt teilen. Ginge es nach den Richtlinien für die medizinische Grundversorgung brauche es aber eine Hausärztin oder einen Hausarzt pro 1000 Einwohner.

Es fehlt an Nachwuchs

Der Grund für den Mangel scheint dabei auf der Hand zu liegen: Es fehlt an Nachwuchs. Die Hälfte der Studienabgänger wähle zwar eine Grundversorgungsdisziplin wie Allgemeine Innere Medizin oder Pädiatrie. Doch «nur rund 20 Prozent arbeiten später tatsächlich als Hausärzte». Zudem seien viele von ihnen nicht mehr bereit, Vollzeit sowie an Festtagen und in der Nacht zu arbeiten. Deshalb, so die Schätzung, fehlten schweizweit heute über 2000 Hausärzte.

Und die Situation verschärfe sich nach Berechnungen des FMH-Ärzteverbandes in den nächsten Jahren zusätzlich, «weil viele Hausärzte pensioniert werden». Aktuell sind über 2200 Mediziner über 60 Jahre alt. Das sei ein Drittel aller Allgemeinmediziner.

Hausärzte für Gesundheitssystem günstiger?

Weil es kaum Interessenten für die freiwerdenden Einzelpraxen gibt, sei ein Trend zu Doppel- oder Mehrfachpraxen auszumachen, heisst es weiter. Diese hätten sich innert «zehn Jahren verdreifacht».

Die Schweiz werde «nicht darum herum kommen, mehr Hausärzte auszubilden», betont der Präsident Schweizer Hausärzte, Marc Müller. Vor allem auch, weil ein Gesundheitssystem mit gut ausgebildeten Hausärzten günstiger ist», erklärt er. Sie würden kostengünstiger behandeln. Und Müller rechnet vor: «Beispielsweise bei einer Grippe kostet eine Konsultation beim Hausarzt zwischen 50 und 70 Franken, inklusive Medikamente. Im Spital sind es schnell 400 Franken.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Freie Arztwahl auf dem Prüfstein

    Aus Tagesschau vom 2.9.2016

    Gesundheitsminister Alain Berset will das Kostenwachstum im Gesundheitswesen abbremsen. Vor allem bei den Behandlungen von Spezialärzten will Berset ansetzen. Bundeshausredaktor Hanspeter Trütsch schätzt Bersets Chancen auf Erfolg ein.

  • FOKUS: Überflüssige Spital-Behandlungen

    Aus 10vor10 vom 24.5.2016

    Welche Behandlungen sind bei einem stationären Spitalaufenthalt überflüssig? Diese Frage haben Ärzte nun für sich geklärt und nennen in einer «10vor10» vorab vorliegenden schwarzen Liste fünf Behandlungen. Ist diese sinnvoll oder nur eine Alibiübung? Im Studio äussert sich Christoph A. Meier, der Herausgeber der Liste.