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Schweiz Gigantische Umverteilung von Gülle und Mist

23 Millionen Tonnen Mist und Gülle fallen in der Schweiz jährlich an. Viele Bauern können nicht den ganzen Hofdünger auf ihren Feldern ausbringen. Deshalb werden 10 Prozent im Land umverteilt – und ausser Land gebracht. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Landwirtschaft, die «10vor10» vorliegen.

Legende: Video Schweizer Güllen-Tourismus abspielen. Laufzeit 3:43 Minuten.
Aus 10vor10 vom 14.07.2016.

Wer viele Tiere, aber wenig Land hat, kann nicht allen anfallenden Mist als Dünger verwenden. Vor allem in der Ost- und Zentralschweiz produzieren die Bauern Überschüsse und müssen Hofdünger wegbringen – teilweise auch in andere Kantone. So exportiert der Kanton Luzern allein 84'000 Kubikmeter in den Aargau und 63'000 in den Kanton Bern. Aus St. Gallen fliessen 48'000 Kubikmeter in den Thurgau, 43'000 in den Kanton Zürich. Das geht aus der Datenbank zu den Hofdüngerflüssen Hoduflu hervor.

Kleine Mengen Hühnermist werden gar ausser Lande gebracht. So liefert der St. Galler Landwirt Markus Zürcher einen Teil seines Hühnermistes an eine Biogasanlage im Schwarzwald. «Im Moment ist es sehr nass, wir können die Felder nicht düngen und meine Berufskollegen haben die Lager voll.» Der trockene und nährstoffreiche Hühnerkot ist ein potenter Dünger und wird darum auch über weitere Strecken transportiert.

Hühnermist für Hannover

Fredy Trefny vom St. Galler Amt für Umwelt sagt, Hühnermist aus seinem Kanton lande teilweise sogar im nord- und mitteldeutschen Raum. «Seit zwei bis drei Jahren wird Hühnermist bis in den Raum Leipzig und Hannover gebracht, also bis 700 Kilometer transportiert. Auf dem Rückweg nehmen die Transporteure Futter mit, damit sie nicht leer fahren müssen.»

Naturschützer kritisieren diese Umverteilung von Mist und Gülle. Sie sei ein Symptom einer falschen Entwicklung in der Landwirtschaft, sagt Marcel Liner von Pro Natura. «Das geht in Richtung industrielle Tierproduktion, in der Futter importiert und Gülle exportiert wird. Das ist nicht das Ziel der Schweizer Landwirtschaft – diese soll aus den Ressourcen heraus produzieren, die sie vor Ort hat.»

Allerdings wird wohl bald noch mehr Hofdünger durch die Gegend gefahren. Die Schweizer Pouletproduktion wird derzeit stark ausgebaut – es gibt künftig also noch mehr Hühnermist zu verteilen.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Güllen-Tourismus: Bei uns im Dorf stinkt es garantiert jede Woche nach Schweine-Gülle. Die Einheimischen nennen es Natur-Romantik und identitäts-stiftend für das dörfliche Selbstbewusstsein. Also Güllen-Romantiker: Herzlich wilkommen in unserem Dorf. Hier verbringen sie Ferien nach ihrem Geschmack!
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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    Das Ausbringen etwa von Hühnermist ist eine Zeitbombe! Der Kot ist durch und durch mit Antibiotika kontaminiert, was dann entsprechende Resistenz bei den den Erregern zur Folge hat. Im Grunde ist der Kot von intensiver Massentierhaltung hochgradiger Sondermüll !!!
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  • Kommentar von Kurt Gugganig (Gugi)
    Halb so viel Vieher und die meisten Probleme sind gelöst: - kein blödsinniger Futtermittel-Import - halb soviel Gülle - weniger Verseuchung der Umwelt - weniger Verschwendung von Steuergelder - weniger Direktzahlungen - in letzter Konsequenz auch weniger Bauern
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