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Schweiz Gletscher ade – dafür 600 neue Seen

Die rund tausend Gletscher in den Schweizer Alpen schrumpfen bis Ende Jahrhundert auf einen Bruchteil zusammen. Das wirkt sich bereits in den nächsten Jahrzehnten merklich aufs Wasser- und Hochwassermanagement aus. Neue Ideen sind schon heute gefragt, wie die Perspektiven beim Rhonegletscher zeigen.

An der Zunge des Rhonegletschers oberhalb von Gletsch am Furkapass ist ein neuer See entstanden.
Legende: Juli 2016: An der Zunge des Rhonegletschers oberhalb von Gletsch am Furkapass ist ein neuer See entstanden. Keystone/Archiv
  • Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Schweizer Alpengletscher am Ende des Jahrhunderts auf einen kümmerlichen Rest zusammenschmelzen. Kleine Gletscher verschwinden ganz.
  • Der Rhonegletscher dürfte dann noch etwa zehn Prozent der heutigen Masse aufweisen.
  • Bis Mitte Jahrhundert werden die schmelzenden Eismassen für ausreichend Wasser, aber auch ausgedehntere Hochwasserlagen sorgen.
  • In der zweiten Jahrhunderthälfte wird das Schmelzwasser aus Eis markant zurückgehen, was neuen Lösungen in der Wasserspeicherung bedingt.

Es schmilzt wie verrückt in den Schweizer Alpen. Um nicht weniger als 160 Meter hat etwa der Rhonegletscher in den vergangenen fünf Jahren an Länge eingebüsst, wie Glaziologe David Volken berichtet. Um eindrückliche 1,5 Kilometer ist gar der Berner Triftgletscher seit der Jahrtausendwende zurückgegangen.

Der Rhonegletscher wird bis Ende des Jahrhunderts auf einen Zehntel des heutigen Volumens schrumpfen.
Autor: David VolkenGlaziologe

Das Bild ist überall ähnlich. Alle fast tausend Gletscher in den Schweizer Alpen verlieren relativ stark an Masse und Länge. Es bilden sich an vielen Orten stehende Gewässer. 500 bis 600 neue Seen prognostiziert der Gletscher- und Klimaexperte im Bundesamt für Umwelt (Bafu) bis zur Jahrhundertwende in den Alpen.

Vier Fünftel des Schweizer Gletschereises liegen im Wasserschloss Wallis, wo auch der Rhonegletscher das zunehmend wärmere Klima der letzten 30 Jahre zu spüren bekommt. Zuvor machte das dortige Eismassiv gelegentlich auch Vorstösse, so in den kühlen Sommern der Jahre 1960 und 1980. Der Rhonegletscher hat eine «Reaktionszeit» von 20 Jahren. «Bis Ende dieses Jahrhunderts werden noch etwa zehn Prozent des heutigen Eisvolumens übrigbleiben», so Volken.

Frühere und längere Hochwasser

Die anhaltende Gletscherschmelze hat zugleich bedeutende Folgen für die Wasserlage in der Schweiz. So werden die Abflüsse voraussichtlich bis Mitte Jahrhundert zunehmen. Der Spitze dürfte beim Rhonegletscher zwischen 2040 und 2050 erreicht werden. Vermehrte Hochwasser aus den Hochalpen seien in den Monaten Juli und August zu erwarten. Die Hochwassersaison werde zudem verlängert. Sie werde bereits im Mai einsetzen und bis in den November hineinreichen.

Im Verlauf der zweiten Jahrhunderthälfte dürften dann die Abflüsse markant zurückgehen: «Vor allem nach der Schneeschmelze im Mai/Juni wird es im Juli/August weniger Wasser geben. Das Wasser wird dann in den Einzugsgebieten fehlen, vor allem in der Rhone», so Volken. Für diese Zeit seien intelligente Lösungen mit Wasserspeichern gefragt, die dann möglicherweise nicht mehr nur zur Stromproduktion eingesetzt werden. Solche Multifunktionsspeicher könnten dann etwa die landwirtschaftliche Bewässerung in den heissen Sommermonaten sicherstellen.

Die Gletscherschmelze bereitet Probleme, doch diese sind lösbar.
Autor: David VolkenGlaziologe

Volken ist zuversichtlich, dass die Schweiz die Herausforderungen der schmelzenden Gletscher bewältigen kann. Das Land sei mit den finanziellen und personellen Ressourcen von Bund und Kantonen in einer privilegierten Lage und könne sich anpassen: «Lösungen müssen aber bereits heute erarbeitet werden und nicht erst in 40 Jahren, wenn die Gletscher nur noch klein sind.»

19 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Dann wären die Gletscher wieder ungefähr dort, wo sie im 13. Jahrhundert waren. Doch vielleicht kommt alles anders und die Gletscher wachsen wieder auf den Stand von 1850. Dann hätte manche Touristenregion wohl grössere Probleme.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Die Erde hat weder mit dem Wegfall der Gletscher noch mit dem Wegfall des Menschen ein Problem. Den Menschen an der Spitze der Nahrungskette zu verlieren ist für das Oekosystem das kleinste aller Probleme - gar keines!
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  • Kommentar von Michelle Frick (michelle16)
    Ganz normaler ablauf. Nach der eiszeit kommt eine hitzewelle und wie auch schon bei der eiszeit, werden nur die stärksten und die anpassungsfähigsten überleben. Wir menschen haben vielleicht den ablauf etwas verschnellert, aber kommen tuts sowieso, da können wir nicht eingreiffen.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Ihrer Meinung nach hat der Mensch keinen Einfluss auf die Klimaveränderung?
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    2. Antwort von Laurent Christen (kritisch bleiben)
      Ganz normal? Mitnichten! Der Mensch verschnellert nicht einfach "etwas" den Ablauf, sein Eingreifen dominiert alle natürlichen Prozesse bei Weitem. Wir reden hier von Faktor 20, um den die heutige Erwärmung mindestens schneller abläuft, als alle anderen Erwärmungen in den letzten 65 Millionen Jahren (d.h. seit die Dinosaurier ausstarben!). Und ob sich die Erde in 50 Jahren um 1 Grad erwärmt oder in 1000 Jahren, das ist für jedes Ökosystem ein gigantischer Unterschied.
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    3. Antwort von Man Are (Manare)
      Jawohl, der Mensch hat nur einen unbedeutenden Einfluss auf das Klima. Dies im positiven und negativen Sinn. Sorry für alle Klima-Hyperventilierer. Es gibt wichtigere Dinge, wie z.B. Überbevölkerung, Kriege, Ressourcenverschwendung, Landschaftsverschandelung...
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    4. Antwort von Michelle Frick (michelle16)
      @A.Planta: Richtig, der mensch hat zum glück nur einen kleinen einfluss auf das klima. @L. Christen: Keine angst, diese 1 grad erwärmung kriegen sie sowieso nicht mit, wenn sie weiter so hyperventilieren. Können sie mir erklären wieso aufeinmal strom doch ganz i.O. ist für die umwelt und vor ca. 5 jahren hies es, dass strom so schädlich ist und unsere erwärmung verschnellert wird? Jetzt wird alles mit strom produziert, soviel, dass jedes akw benötig wird. Alles geldmacherei...
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    5. Antwort von Niklaus Schmutzli (- Scheidegger)
      @Michelle Frick (michelle16), Triesen - bringt es auf den Punkt! eBIKE, eAUTO, alles für den @omStromverbrauch! - Wie früher die "fortschrittlichen Menschen" mit 2CV und VW Käfer, als Weltverbesser an Demos vorfuhren!
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