Goldene Zeiten für Privatschulen sind Vergangenheit

Das Hochalpine Institut Ftan stand vor dem Aus. Zwar ist sein Überleben vorläufig gesichert. Doch eine Umfrage zeigt: Sie ist nicht die einzige Privatschule, die mit Problemen zu kämpfen hat.

Das Gebäude des Hochalpinen Instituts Ftan. Im Hintergrund Bäume und Wiesen, im Vordergrund ein Tischtennis-Tisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Hochalpine Institut Ftan im Engadin im Kanton Graubünden. Keystone

Gerhard Pfister hat selber schon einmal ein Internat schliessen müssen. Nun berät der CVP-Nationalrat und ehemalige Präsident der Schweizer Privatschulen das Hochalpine Institut Ftan auf der Suche nach einem neuen Erfolgsrezept.

Für Pfister ist das Unterengadiner Internat ein Einzelfall. Es kämpfe wie kaum ein anderes Institut gleich an mehreren Fronten, erklärt Pfister. Zu den Herausforderungen gehörten «einerseits die etwas abgelegene Lage innerhalb der Schweiz, zweitens der Strukturwandel im Engadin in einer touristischen Region und drittens der Fokus ausschliesslich auf Schweizerinnen und Schweizer.»

«  Die Nachfrage nach Internatsplätzen aus der Schweiz hat sich geändert. »

Johannes Eichenrodt
Direktor der Stiftsschule Einsiedeln

Ftan muss die fehlenden Schüler aber nicht zwingend im Ausland rekrutieren: Es geht auch ohne ausländische Schüler. Das zeigen etwa die Klosterschulen in Engelberg oder Einsiedeln. Beide litten genau wie Ftan unter schwindenden Schülerzahlen; beide mussten daraufhin ihr Angebot stark verändern.

Johannes Eichenrodt, Direktor der Stiftsschule Einsiedeln, deren Internat 2002 bis 2007 vorübergehend ganz geschlossen war, sagt: «Die Nachfrage nach den Internatsplätzen aus der Schweiz hat sich gewandelt. Es geht mehr um Betreuung und Lernstrukturen in einem geordneten Rahmen, das kann ein Internat bieten.»

Die Stiftsschule in Einsiedeln ist heute eine Art Tagesschule, in der die Schüler auch zwei, drei, vier oder fünfmal pro Woche über Nacht bleiben können. «Internat à la Carte» heisst das.

Andere Privatschulen wie etwa im Kanton Zürich sind mit einer anderen Strategie erfolgreich. Sie verzichten auf ein Internat und zielen stattdessen auf die zahlreichen Expats in der Umgebung: Diese wollen für ihre Sprösslinge vor allem internationale Schulen mit internationalen Lehrplänen und Abschlüssen, vorzugsweise in Englisch.

«  Die Frage ist: Kommen überhaupt Expats in den Kanton? »

Martin Wendelspiess
Leiter Zürcher Volksschulamt

Doch auch der Erfolg dieser internationalen Privatschulen ist nicht in Stein gemeisselt. Das beobachtet Martin Wendelspiess, Leiter des Zürcher Volksschulamts: «Das grosse Fragezeichen für die internationalen Schulen ist immer die Wirtschaftslage. Kommen überhaupt Expats in den Kanton Zürich? Sind das Firmen, die ihren Angestellten auch das Schulgeld oder einen Teil daran bezahlen?»

Die Abhängigkeiten von der Wirtschaft spürt Daniel Sarbach. Er hat vor 16 Jahren die International School Zurich North gegründet. Entsprechend sorgt er sich darum, wie die Schweiz künftig die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte regelt: «Die Schweizerische Industrie hat unter Umständen Mühe, Fachleute aus dem Ausland rekrutieren zu können. Das bedeutet, dass wir vermutlich auch weniger Kinder von Expats unterrichten können.»

«  Die Mund-zu-Mund-Propaganda ist entscheidend. »

Gerhard Pfister
CVP-Nationalrat und Privatschul-Experte

Alle Privatschulen haben eines gemeinsam: Sie sind auf einen guten Ruf angewiesen. Mit ausgeklügelten Marketing-Strategien können sie aber nur bedingt sicherstellen, dass ihre Schulzimmer künftig gut gefüllt sind. CVP-Nationalrat und Privatschul-Experte Gerhard Pfister sagt dazu: «Der Entscheid von Eltern, ihr Kind in eine Privatschule zu schicken, ist vor allem eine Vertrauensfrage. Da ist die Mund-zu-Mund-Propaganda entscheidend.»

Ohne guten Ruf geht es also nicht. Aber ein guter Ruf allein ist noch kein Garant für Erfolg. Das zeigt das Beispiel in Ftan.

gala; ala