Nach Felssturz Gondo hilft Bondo

Das Walliser Dorf Gondo erlebte vor 17 Jahren einen schweren Erdrutsch. Nun will es dem bündnerischen Bondo unter die Arme greifen.

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Bondo erinnert an Gondo

5:59 min, aus Schweiz aktuell vom 5.9.2017

In Gondo hat ein Erdrutsch vor 17 Jahren fast ein Drittel des Dörfchens zerstört und 13 Menschen mit in den Tod gerissen. Bei Roland Squaratti, Gemeindepräsident von Gondo, sind die schrecklichen Szenen von damals sofort wieder präsent. Fünf Minuten bevor der Bergsturz kam, war er noch im Gemeindehaus, das später von den Geröllmassen komplett zerdrückt wurde.

Bei diesem Unglück hat der Walliser seine zwei Brüder verloren. Darum weiss Squaratti, was die Menschen im Bergell jetzt durchmachen: «Die Leichen der vermissten Menschen wird man wohl nie finden. Auch meine Brüder konnten nie gefunden werden unter den Tonnen Steinen und Geröll.»

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Bildlegende: Ein Erdrutsch im Oktober 2000 forderte im Walliser Dorf Gondo 13 Todesopfer. Keystone

Nicht aufgeben

«Gondo muss wieder aufgebaut werden»: So entschlossen äusserte sich Roland Squaratti schon wenige Tage nach dem Unglück in den Medien. Und so kam es auch. Heute ist die Ortschaft wieder intakt und zählt gut 90 Einwohnerinnen und Einwohner. Es gibt drei grosse Lebensmittelgeschäfte und drei Tankstellen im Dorf. Heute erinnere äusserlich nichts mehr an die Naturkatastrophe im Jahr 2000, heisst es.

Trotzdem gibt es immer noch Stimmen, die behaupten, es wäre besser gewesen, Gondo nicht mehr aufzubauen. Für den Gemeindepräsidenten kam das aber nie infrage: «Für mich war immer klar, dass wir das den 13 Menschen, die hier den Tod fanden, schuldig sind, das Dorf wieder aufzubauen. Es ist auch eine Verpflichtung gegenüber den Überlebenden, die zurückwollen.»

Massgeschneiderte Wohnungen

Früher wohnten 160 Menschen in Gondo. Diejenigen, die zurück ins Dorf wollten, wurden angefragt, welche Bedürfnisse sie hätten und wie die neuen Wohnungen aussehen sollten. So entstanden moderne und zeitgemässe Häuser nach den Wünschen der Leute, die zurückwollten in ihr geliebtes Dorf. Dazu Roland Squaratti: «Die Wohnungen in den neuen Häusern sind immer vermietet. Von da her hat es sich schon gelohnt.»

Gondo für Bondo

Die beiden zum Verwechseln ähnlich tönenden Gemeinden Gondo und Bondo verbindet eine Schicksalsgemeinschaft. Squaratti: «Wir hatten damals aus der ganzen Schweiz eine riesige Solidaritätswelle hinter uns, die uns finanziell und moralisch sehr geholfen hat.» Der Gemeinderat von Gondo hat heute beschlossen, der Gemeinde Bondo einen finanziellen Betrag zukommen zu lassen.

Aus Erfahrung weiss man im Wallis, dass es Restkosten geben wird, die nicht bezahlt sind. Jetzt müsse man zusammenhalten und füreinander da sein, so der Gemeindepräsident: «Ich hoffe, dass es ihnen etwas hilft. Und ich hoffe auch, dass der Betrag vielleicht auch eine moralische Unterstützung ist, besonders weil er von uns aus Gondo kommt – einer Gemeinde, die all das selbst erlebt hat.»