Als bei Ogi wirklich Freude herrschte

Trotz grosser Hindernisse im Berg war der Bau des Gotthard-Basistunnels aus technischer Sicht nie wirklich gefährdet. Ein Rückblick auf den Jahrhundertbau in denkwürdigen Reden.

Bundesrat Adolf Ogi. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Adolf Ogi – einer der Väter des Gotthard-Basistunnels. Keystone

Am 27.9.1992 wurde über das Referendum gegen den Alptransit-Beschluss abgestimmt. Das Referendum war von der Grünen Partei ergriffen worden und wurde vom Stimmvolk mit einem 64 Prozent bachab geschickt. Das war ein persönlicher Erfolg für den damals zuständigen Bundesrat Adolf Ogi. Als Verkehrsminister warb er für eine Neue Eisenbahn-Alpentransversale mit zwei Linien und neuen Basitunnels durch den Lötschberg, den Gotthard und den Ceneri. Seine Abstimmungsansprache beim Kirchlein von Wassen war denkwürdig.

Der Gotthard-Basistunnel ist mit 57 Kilometern der längste Bahntunnel der Welt. Weite Tunnelstrecken führten durch unerkundetes Gebirge. So manche Pionierleistung war Voraussetzung für den Erfolg. Heinz Ehrbar, Leiter Tunnel- und Trasseebau, hat mit seinem Team die Überwindung der schwierigsten Gebirgszonen in Sedrun geschafft.

An fünf Baustellen zugleich lief der Vortrieb zum Gotthard-Basistunnel. Bis zu 2600 Arbeiter aus Österreich, Deutschland, Italien und vielen anderen Ländern kamen am Gotthard zusammen. Viele von ihnen verbrachten einen ganzen Lebensabschnitt am Gotthard. Das enge Zusammenleben in den Baracken, die Arbeit unter Tage prägten den ganz besonderen Zusammenhalt unter den Arbeitern – so die Bilanz von Beat Blindenbacher, Baustellenleiter Nord:

Am 15.Oktober 2010 feierten Arbeiter, Ingenieure und Gäste den Hauptdurchschlag im Gotthard-Basistunnel. «Wir haben nicht nur einen Tunnel gebohrt. Wir haben Geschichte geschrieben.» Das erklärte Luzi Gruber, der zugleich der Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sedrun und des Konsortiums in Faido gewesen ist. Sichtlich bewegt zeigte sich alt Bundesrat Adolf Ogi:

Florian Habit ist in Österreich geboren und war Vortriebschef in Faido. 40 Jahre hat er im Tunnelbau gearbeitet. Dem Gotthard hat er nie den Rücken zugekehrt. Dem Gotthard hat Florian Habit «Herr Gotthard» gesagt. Denn der Gotthard hat sich gewehrt und Habit hat nie den Respekt vor diesem Berg verloren. Zum Abschluss seiner Karriere feierte Habit den Durchschlag im längsten Bahntunnel der Welt. Das war das Grösste, sagt Florian Habit:

Mit dem Gotthard Basistunnel entsteht nicht nur ein neuer Verkehrsweg. Mit dem Tunnel wird auch der Mythos Gotthard erneuert. Der Gotthard ist nicht nur der Ort, wo sich vier Regionen mit vier Landessprachen treffen, wo vier Flüsse in vier Himmelsrichtungen fliessen, das (durchaus politisch gemeinte) Dach der Schweiz, die Völkerstrasse. Bundesrat Moritz Leuenbergers Gotthardmythos in der Rede zum Hauptdurchschlag am 15. Oktober 2010:

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Der Durchschlag erfolgte im Oktober 2010. Warum dauerte es solange, bis der Tunnel 2016 eröffnet werden konnte? Die sechs Jahre Arbeit brauchte es wegen des Bahntechnikeinbaus. In vier Millionen Arbeitsstunden wurde aus einer Betonröhre ein sicherer und moderner Verkehrsweg.

Auch bei der Bahntechnik ist der Gotthard ein Weltrekord-Tunnel. Kniend haben die Arbeiter mit Maurerkellen und Reibscheiben den Beton zwischen den Eisenbahnschwellen flachgerieben. 114 Kilometer auf den Knien, eine Strecke so lange wie die von Zürich nach Bern. Am 31. Oktober 2014 war es geschafft: die letzte, die goldene Schwelle wurde im Basistunnel verlegt. Und Arbeiter Andrä Schano freute sich.