Die Schattenseite des Jahrhundertbauwerks

Abseits des Rummels der Tunneleröffnung wird heute in aller Stille ein Denkmal eingeweiht. Es ist den neun Arbeitern gewidmet, die beim Bau des Basistunnels tödlich verunglückt sind.

Die neun Toten vom Bau des Gotthard-Basistunnels sollen nicht vergessen werden. Das war das Ziel von Renzo Simoni, dem Vorsitzenden der Alptransit Gotthard AG. «Es wird eine schlichte Zeremonie mit den Hinterbliebenen, mit Vertretern der Firmen, für die sie gearbeitet haben und wir als Bauherrschaft sind auch da. Es gibt eine religiöse Begleitung dazu.»

Zusatzinhalt überspringen

Opfer des Gotthards

Opfer des Gotthards

Beim Bau des Gotthard-Basistunnels verloren 9 Menschen ihr Leben. Wer waren die 9 Verunglückten?

Die Gedenkstätte befindet sich beim Nordportal des Basistunnels in Erstfeld. Von einer Gedenktafel aus geht der Blick zum Tunnel. Zwischen den Gleisen und der Gedenktafel sind Im goldenen Schnitt neun Betonblöcke angeordnet, neun Blöcke für neun Tote. «Wir stellen eine Gedenktafel auf mit den Namen der Verunglückten und den wichtigsten Jahreszahlen.»

Feier ohne Öffentlichkeit

Die Einweihung findet ohne Mikrophone und Kameras statt. Der Augenblick der Erinnerung und des Schmerzes soll ein privater bleiben. Renzo Simoni über die Reaktion der Hinterbliebenen: «Es war leider nicht möglich, die Adressen aller Hinterbliebenen ausfindig zu machen. Andere haben uns sehr überschwänglich für diese Feier gedankt.»

Das Denkmal in Erstfeld ist nicht das erste, das für die Erbauer des Basistunnels errichtet worden ist. Ein Jahr nach dem Hauptdurchschlag trafen sich im Oktober 2011 Arbeiter am Gotthardpass. Don Eli Saldi weihte damals die kleine Barbarakapelle am Gotthardpass. Jedes Jahr wollen sich die Ehemaligen vom Tunnelbau hier am Denkmal zum Jahrestag des Hauptdurchschlags treffen.

Olivier Böckli war Tunnelbau Projektleiter in Faido. Er sagt: «Wir haben alle einen grossen Teil unseres Berufslebens zusammen verbracht. Wir haben ein sehr grosses Bauwerk zusammen erstellt. Es ist schön, wenn wir uns regelmässig wieder treffen können.»

Zusatzinhalt überspringen

Timeline: Wie die Zeit vergeht

Timeline: Wie die Zeit vergeht

Über und durch den Gotthard – machen Sie eine Zeitreise durch die Jahrhunderte am Berg in unserer Timeline.

Auch in Faido steht ein Denkmal

Nicht am Gotthardpass, sondern in Airolo unten steht ein anderes Denkmal, das Arbeiter sich selbst geschaffen haben. Die Haare der Veteranen vom Strassentunnel sind weiss, manches Gesicht ist faltig geworden. Ihr Denkmal steht hinter der Tunnelleitzentrale. Auch hier ist es eine heilige Barbara, die in einem kleinen Häuschen wacht. Eine Kerze brennt, Blumen sind da. Zaccharia Pescali erinnert sich, wie er mit zwei anderen die Statue in den Petersdom brachte. Und wie sie dort vom Papst Paul VI persönlich geweiht worden war.

Der Papst weihte die Barbara, befragte die Mineure vom Gotthard zu ihrer Arbeit. Denen zitterten die Knie, sie brachten kaum ein Wort heraus. Das war 1970. Nahebei mahnt ein Gedenkstein der Toten vom Bau des Strassentunnels. Zaccharia Pescali beschreibt die Arbeit der Mineure, den Kampf mit dem Fels. Erlebten die Mineure den Durchschlag, so war der Sieg ihrer. Kam ein Kollege nicht mehr aus dem Berg heraus, so hatte er den Kampf verloren.

Gotthard fordert immer weniger Menschenleben

199 Arbeiter verunfallten im ersten Gotthardtunnel 1882 tödlich. Beim Bau des Strassentunnels waren es 17. Im Basistunnel starben neun. Über 13 Tote pro Tunnelkilometer gab es noch bei Louis Favre, dem verantwortlichen Ingenieur des ersten Bahntunnels. Im Strassentunnel war es einer, im Basistunnel 0.08. Auch das ist eine Botschaft aus dem Basistunnel.

Gotthard – historische Aufnahmen