Gut gebohrt – doch jetzt müssen Auslandaufträge her

Mit der Vollendung des Gotthard-Basistunnels brechen für die Schweizer Untertagebaufirmen neue Zeiten an. Mangels grosser Nachfolgeprojekte suchen sie nun im Ausland nach Arbeit. Ihr Know-how vom Gotthard dürfte auch am Brenner-Basistunnel gefragt sein, sagt Baumeister-Präsident Gian-Luca Lardi.

Tunnelbauarbeiter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bisher lebte der Schweizer Untertagebau vom Inland. Nun folgt für viele Firmen der Schritt ins Ausland. Keystone/Archiv

Die Zeit der Tunnelbau-Weltrekorde in der Schweiz ist vorüber. Jetzt werden kleinere Brötchen gebacken. Das sagt Gian-Luca Lardi, Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV). Die Basistunnel am Gotthard und am Ceneri hätten in den vergangenen Jahrzehnten viel Arbeit gebracht, doch ähnlich grosse Nachfolgeprojekte fehlten.

Rund 25 grosse und mittlere Baufirmen in der Schweiz sind im Untertagbau tätig. Dazu kommen etwa zehn grosse, international tätige Ingenieurfirmen. Vor allem Ingenieurfirmen haben es laut Lardi geschafft, mit dem Gotthard-Basistunnel als Referenz Auslandaufträge zu erhalten. Auch, weil sie örtlich weniger gebunden sind als Baufirmen.

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Nur wenig marktreife Projekte im Inland

Viele Tunnelbauprojekte seien in Planung, aber aktuell seien wenige Projekte auf dem Markt, bestätigt Daniel Spörri, ehemals Basistunnel-Baustellenleiter in Faido und heute Leiter Tunnelbau Schweiz bei Implenia. Das Bauvolumen in der Schweiz habe massiv abgenommen. Ein Teil dieser Beschäftigten sei bereits gegangen.

Die Arbeitskräfte und ihr Know-how wandern also ab ins Ausland oder liegen brach, weil arbeitslos. Wer allerdings am Gotthard mit dabei war, kann das in die Waagschale werfen, auch im Ausland, wie Spörri sagt.

Er denkt dabei an die grossen Alpendurchstiche wie etwa den Semmering-Basistunnel in Österreich: «Nächstes Projekt ist sicher auch der Brenner-Basistunnel, wo Firmen mit der Referenz Gotthard-Basistunnel gefragt sein werden.»