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Erhöhung der Grimselstaumauer Grünes Licht vom Bundesgericht: Fahren jetzt die Bagger auf?

Legende: Video «So würde sich das Projekt jetzt nicht lohnen» abspielen. Laufzeit 01:39 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.04.2017.

SRF News: Ist der wichtigste Einsprachegrund gegen den Ausbau des Grimselstausees mit dem Bundesgerichtsurteil nun vom Tisch?

Christian Strübin, Regionaljournal Bern: Das Bundesgericht hat dem bernischen Verwaltungsgericht eindeutig das Hauptargument unter den Füssen weggezogen. Es war zum Schluss gekommen, dass der Bundesrat bei der Zuteilung der Schutzgrenze für das Grimselmoor 2004 rechtswidrig gehandelt habe. Das ist nun vom Tisch. Spannend wird nun die Frage, ob das heutige Urteil auch heisst, dass die Konzession jetzt noch gilt, die das Berner Kantonsparlament den Kraftwerken Oberhasli (KWO) 2012 bewilligt hat. Das ist entscheidend. Diese Gesamtkonzession würde den KWO eine Erhöhung der Staumauern grundsätzlich ermöglichen.

Für die KWO war nicht entscheidend, ob man jetzt baut oder nicht, sondern, ob man dereinst bauen könnte.

SRF News: Wenn diese Konzession nun gälte, würden die KWO dann gleich mit dem Ausbau beginnen?

Das ist eigentlich gar nicht die Frage. Für die KWO war nicht entscheidend, ob man jetzt baut oder nicht, sondern, ob man dann bauen könnte, wenn die Preissituation im Wasserstrommarkt wieder besser sein wird. Beim Projekt KWO Plus, zu dem auch der Ausbau des Grimselsees gehört, geht es um Hunderte von Millionen Franken, die man bei dieser wirtschaftlichen Situation wahrscheinlich noch nicht in die Hand nehmen will.

Das Gespräch führte Simon Leu.

20 Jahre Kräfteziehen um Grimselstaumauer

1987: Das Stimmvolk nimmt die Rothenturm-Initiative zum Schutz der Moore an. Seither sind sie durch die Verfassung als besonders wertvolle Lebensräume geschützt.
1988: Die Kraftwerke Oberhasli (KWO) legen das Projekt Grimsel West vor. Mit einer grösseren Staumauer soll das Speichervolumen des Sees verfünffacht werden. Wegen der dazu nötigen Eingriffe in die wertvolle Moorlandschaft, gibt es starken Widerstand gegen das Vorhaben. Die KWO lässt es 1999 schliesslich fallen.
1999: Die KWO stellen ein überarbeitetes Ausbauprogramm mit drei Projekten vor, eines davon ist die Vergrösserung des Grimselsees. Dazu sollen die bestehenden zwei Staumauern um 23 Meter erhöht werden.
2004: Auf Antrag der Berner Regierung legt der Bundesrat den Perimeter der
Moorlandschaft 27 Meter über dem Spiegel des Grimselsees fest. So könnte der See ohne Eingriff in die geschützte Moorlandschaft vergrössert werden.
2012: Das Berner Kantonsparlament genehmigt der KWO eine Konzessionsänderung und damit die Erhöhung der Staumauern.
2013: Neun Umweltorganisationen wenden sich ans Berner Verwaltungsgericht und reichen Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsparlaments sowie die Änderung des Schutzperimeters durch den Bundesrat ein.
2015: Das Berner Verwaltungsgericht hebt die Konzession, die der KWO den Ausbau ermöglicht hätte, auf.
2016: Die KWO ziehen den Entscheid vor Bundesgericht. Es hat nun das erstinstanzliche Urteil aufgehoben und weist den Fall zur Neubeurteilung zurück ans bernische Verwaltungsgericht.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Speicherkapazität für kurz- und mittelfristige Speicherung haben wir in der Schweiz längstens genug. Doch unsere Speicherkapazität für die Abdeckung des Winterhalbjahrs reicht bei weitem nicht. Im Winterhalbjahr brauchen wir einerseits mehr Strom und andrerseits führen unsere Flüsse dann weniger Wasser. Wir müssen im Winterhalbjahr zunehmend Strom importieren. Neue Staumauern bringen mehr Versorgungssicherheit. Langfristig wird die Stromversorgung im Winterhalbjahr trotzdem sehr kritisch.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Sobald politisch ideologische Interessen ins Spiel kommen wird es schwierig. Dann gehen damit auch die Meinungen emotional gefärbt rasch einmal weit auseinandergehen. Was uebersehen wird ist, dass Wasser-KW's grundsätzlich eine saubere und sehr verlässliche sowie berechenbare Energieerzeugung ist. Will man die AKW's ablösen kann man sich nicht einfach nur auf "Alternative" verlegen, es reicht naemlich gar nicht. Offenbar kapieren genau das einige immer noch nicht.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich denke die meisten "kapieren" das schon. Es gibt aber einige die offenbar nicht "kapieren" dass wir heute bereits 60% der benötigten elektrischen Energie erneuerbar umwandeln und dass viele die sich heute zu den NEE äussern stillschweigend mit diesem Anteil rechnen.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Und zur energiewirtschaftlichen Bedeutung des Ausbauprojektes: Klar ist, dass der Bedarf an Speicherkapazität im Netz tendenziell zunimmt; dies wegen der vermehrten Einbindung von sog. "volatilen" Ressourcen (= Ressourcen, deren Ertrag stark schwankt, wie Wind oder Solarenergie). Leider sind die ökonomischen Strukturen im Elektrizitätshandel diesem technischen Fakt noch nicht wirklich gefolgt; das wird sich aber ändern (müssen). Dann kann das Projekt auch wieder rentieren.
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