Grünliberale suchen Partner für kommende Wahlen

Bei den letzten Eidgenössischen Wahlen im Jahr 2011 gewann die GLP die Hälfte ihrer Nationalratssitze dank Listenverbindungen mit andern Parteien. Doch diesmal, gut ein Jahr vor den nächsten Parlamentswahlen, hat sie es schwer, genügend Partner zu finden.

Ein paar Leute stehen vor einem Gebäude, eine Fahne der Grünliberalen davor (Parteitag Juni 2014). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die GLP ist auf Partnersuche für die Wahlen 2015. Keystone

Die Grünliberalen sind die Meister der politischen Arithmetik, sagt Daniel Bochsler, Politologe am Zentrum für Demokratie in Aarau: «Die Grünliberalen haben bei den letzten Nationalratswahlen klar gewonnen: Zwölf Sitze.»

Die Hälfte dieser Sitze seien auf das Konto von Listenverbindungen gegangen. Dabei war man wenig wählerisch. Von SP und Grünen über die Mitteparteien BDP und CVP bis nach rechtsaussen zur EDU – überall fanden die Grünliberalen Bündnispartner. Jetzt aber sieht es schwieriger aus.

BDP und CVP distanzieren sich von GLP

Vor allem BDP und CVP wollen enger zusammenarbeiten und die GLP aussen vor lassen: «Wenn die Bündnispartner nicht mehr überall so willig mitmachen, wie sie das bei den letzten Nationalratswahlen gemacht haben, dann könnte die GLP massiv an Sitzen verlieren», schätzt der Politologe Bochsler.

Akut gefährdet ist der Sitz in St.Gallen – obwohl Patientenschützerin Margrit Kessler eine bekannte Politikerin ist. Mühe dürften ebenfalls die 2011 neu gewählten Josias Gasser in Graubünden und Thomas Böhni im Thurgau haben. Und auch für die GLP-Sitze in Bern, Zürich, Luzern und im Aargau könnte es knapp werden.

Doch Michael Köpfli, Kampagnen-Verantwortlicher und stellvertretender Generalsekretär der Grünliberalen, wiegelt ab. Noch bleibe viel Zeit bis zu den Wahlen. «Wir haben bereits gerechnet und wissen: Gerade die Parteien, die sich jetzt ein bisschen von uns distanzieren, in anderen Kantonen sehr stark auf uns angewiesen sind, um ihre Sitze zu sichern.»

Daher sei seine Partei der Überzeugung, «dass da noch viel möglich ist», so Köpfli. «Wir sehen dieser Entwicklung eigentlich ziemlich gelassen entgegen.» Dies zumal die GLP wenig Berührungsängste kennt. Listenverbindungen seien primär Hilfsmittel, um überhaupt Sitze erringen zu können. Inhaltliche Fragen kämen nachher.

Verbindung mit der SVP ist ausgeschlossen

Aber eines sei klar: Mit allen spanne man nicht zusammen, sagt Köpfli. Die SVP etwa, die deutliche Lockrufe an die GLP aussendet, käme als Wahlpartnerin auf keinen Fall in Frage: «Nein, denn eine so grosse Partei wie die SVP profitiert von jeder Listenverbindung überdurchschnittlich und das heisst, man ist sofort Wasserträger, wenn man mit der SVP eine Listenverbindung eingeht.»

Eine rechnerische Überlegung, die stimmt. Von Listenverbindungen profitiere meist der grössere Partner, sagt auch Politologe Bochsler. Er betont aber auch, dass reine Zweckgemeinschaften selten seien. Normalerweise stünden sich Partner in Listenverbindungen politisch doch recht nahe – das sei auch für die Wähler wichtig: «Denn ich weiss, wenn jetzt meine Lieblingspartei nicht gewinnt, dann geht meine Stimme nicht verloren, sondern sie geht an einen politischen Koalitionspartner weiter.»

Viele Kleine zusammen – das sei die effektivste Art von Listenverbindungen, betont Bochsler. Denn jeder allein habe im heute gültigen System bei den Nationalratswahlen kaum Chancen. Mit andern Worten: die GLP muss nach Bündnispartnern Ausschau halten, denn allein droht die Wahlsiegerin von 2011 zur Verliererin von 2015 zu werden.