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Schweiz Gurlitt-Erbe: Wo bleibt der Bund?

Der Bund hält sich aus der Gurlitt-Geschichte heraus. So wurde die Vereinbarung über das Kunsterbe allein zwischen der Stiftung des Kunstmuseums Bern und dem deutschen Staat abgeschlossen. Am Verhalten der Schweiz wir nun Kritik laut.

Frau betritt die Treppen vor dem Kunstmuseum Bern.
Legende: Das Kunstmuseum Bern übernimmt die Gurlitt-Sammlung. Keystone

Der Berner Jurist Marcel Brülhart hat für die Schweizer Seite mit den Deutschen über das Gurlitt-Vermächtnis verhandelt. Er versteht die Zurückhaltung des Bundes nicht: Da stehe die Schweiz mit dem Gurlitt-Erbe im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, aber vom Bund komme nichts. Kein Geld für die Erforschung der Kunstwerke, nicht einmal ein kleines «Freude herrscht» vom Bundesrat.

Die Aufgabe werde äusserst schwierig fürs Kunstmuseum Bern, sagt Brülhart. Und falls sie das Museum nicht schaffe, wären die Konsequenzen nur schwer auszumalen. Deshalb: «Es ist für mich völlig unverständlich, wie sich der Bund hier heraushalten kann und sich nicht engagieren will.» Denn schliesslich liege die Sache in nationalem Interesse.

Der gute Ruf der Schweiz

Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät doppelt nach. Er bedaure die Zurückhaltung des Bundesrates. Es sei zwar keine juristische, aber eine moralische Pflicht, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. «Der Bundesrat dürfte etwas offensiver und grosszügiger für diese Aufarbeitung kämpfen», so der SP-Nationalrat. Der sanfte Rüffel des Berner Stapi geht an die Adresse des eigenen Bundesrates, SP-Kulturminister Alain Berset.

Der Bund stehe moralisch in der Pflicht, um den guten Ruf der Schweiz nicht zu gefährden, so Tschäppät. Er denke etwa an die Aufarbeitung der Raubgold- oder Verdingkinder-Frage in letzter Zeit. «Da ist es eine Chance und eine moralische Verpflichtung, auch in Bezug auf Raubkunst noch einmal genauer hinzuschauen.» Dafür brauche es die Unterstützung des Bundes.

Springt nun der Nationalfonds ein?

Eine konkrete Möglichkeit zur Unterstützung sieht Tschäppäts Berner FDP-Nationalratskollege Christian Wasserfallen. Für ihn wäre ein Nationalfonds-Projekt zur Gurlitt-Sammlung der richtige Weg. «Dafür haben wir dieses Gefäss erschaffen», begründet er seine Idee.

Von rechts allerdings bremst SVP-Nationalrat Felix Müri. Natürlich habe die Gurlitt-Sammlung eine grosse Bedeutung und «das wird eine sensationelle und gute Ausstellung», sagt der Vizepräsident der Kulturkommission. Trotzdem finde er es gut, dass sich der Bund nun noch etwas zurückhalte. Schliesslich müsse zunächst noch einiges abgeklärt werden, damit dann nicht Raubgut präsentiert werde.

Zurückhaltung oder in die Offensive? Wie weit sich der Bund beim heiklen Gurlitt-Erbe einschalten soll, wird auch das Parlament noch beschäftigen. Tschäppät hat schon im Sommer in einem Vorstoss Geld vom Bund verlangt für die Herkunftsforschung in öffentlichen Museen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    (Barm)herzig, wie sich Tschaeppaett, Rechsteiner und andere Politgallionsfiguren der "S"P auch oeffentlich fuer Opfer verjaehrter Verbrechen auslaendischer (Ex)Schurkenstaaten propagandistisch profilieren. Eigene Verdingkindsklaven werden jedoch gar auch von der zustaendigen SP-Bundesraetin schmaehlichst im Stich gelassen, wenn wie von den Taetern und ihren Nachfolgern und Lobisten fuer eine selektive Bettelsuppe statt volle Entschaedigung und Genugtuung ueber den Tisch gezogen werden!!!!
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  • Kommentar von Olivier TODESCO, 8820 Wädenswil
    Es ist zu hoffen,dass sich die beiden Parteien Stiftung Kunstmuseum/Bund die ganze verzwickte, verschachtelte Angelegenheit "Annahme Erbe u. zu welche Bedingungen, gut überlegt haben. Ansonsten droht vorallem der Stiftung nicht nur das Problem "Raubkunst" sowie "entartete NS-Kunst",sondern es holt sie (und auch die Schweiz) der lange Schatten des "Raubgoldes" der SBN (Nationalbank) und ev. auch der lange Arm der USA-Justiz (mit deftigen Klagen,wie z.B. UBS) ein! Dort ist Melmer u. nid Gurlitt!
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    1. Antwort von Charles Dupond, Vivis
      Weder der Deutsche Staat noch das KMB werden sich einer vollen Entschaedigung oder Rueckgabe widersetzen. Insbesondere werden die Ansprecher nicht - wie die Schweizer Verdingkindsklaven - ihre Armengenoessigkeit fuer eine selektive Bettelsuppe nachweisen muessen. Darueber schiessende Geschenkforderungen muessTen ja nicht erfuellt werden, wenn der Bundesrat nicht wie beim ersten UBS-Meili-Baenksterskandal das Nationalbankgold nur fast verspricht, sondern diesmal gar wirklich auswerfen laesst....
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    2. Antwort von Olivier TODESCO, 8820 Wädenswil
      Bruno MELMER,Mitglied der SS, SS-Verwaltungs- Wirtschaftsamt Berlin war am Handel mit "KZ-Gold", sogenanntes Raubgold beteiligt! Als Kriegsverbrecher verurteilt! Er lieferte auch über die SBN Gold in die Schweiz.
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  • Kommentar von Kurt Senti, Rüdlingen
    Weshalb denn sollte sich der Bund hier engagieren? Das Erbe wurde ja ausdrücklich dem Kunstmuseum Bern vermacht. Wenn das Museum finanziell überfordert sein sollte, weshalb hat es denn das Erbe angetreten? Dass die Entstehung dieser Sammlung teilweise fragwürdig sein soll hat man ja gewusst, und sich lange Zeit gelassen, um einen Entscheid zu fällen. Was soll nun also das Gerangel im Nachhinein? Sollen sich die Kunstmarktteilnehmer doch die Köpfe einschlagen.
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