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Nachhilfe ist im Trend Gymnasium als Königsweg – um jeden Preis

Legende: Audio Starker Anstieg bei Nachhilfeanfragen abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
01:55 min, aus HeuteMorgen vom 18.03.2017.
  • Nachhilfe ist im Trend. Allein die Nachhilfeplattform tutor24.ch rechnet dieses Jahr mit mehr als zehntausend Anfragen.
  • Für viele Eltern ist das Gymnasium der Königsweg; der Preis dorthin spielt keine Rolle.
  • Der Druck auf die Kinder wird immer grösser.
  • Oft kennen jene, die Druck ausüben, das duale Bildungssystem der Schweiz zu wenig.
  • Der Schweizer Lehrerverband schlägt eine Alternative zur Nachhilfe vor.

Nachhilfe ist nicht nur breit akzeptiert, sondern sogar Teil des Schulsystems geworden, sagt Christoph Seitz von der Nachhilfeplattform tutor24.ch – nach eigenen Angaben der schweizweit führende Anbieter für Nachhilfevermittlung.

«Nachhilfe ist auf jeden Fall im Trend. Wir sehen bei Tutor24 einen starken Anstieg der Nachhilfeanfragen – quer über alle Fächer und alle Schulstufen», sagt Seitz. Nachhilfe werde inzwischen nicht nur in Anspruch genommen, wenn das Kind Mühe hat, sondern auch prophylaktisch verordnet. Für dieses Jahr rechnet allein diese Nachhilfeplattform mit mehr als zehntausend Anfragen für Nachhilfeunterricht.

Daraus abzuleiten, dass das Schulsystem versagt, sei jedoch verfehlt. Ursache sei vielmehr, dass für viele Eltern das Gymnasium schlicht der Königsweg sei – egal um welchen Preis. «Die Eltern verstärken den Druck auf die Kinder oder erwarten generell mehr von ihren Kindern», sagt Seitz weiter.

Die Eltern verstärken den Druck auf ihre Kinder oder erwarten generell mehr von ihnen.
Autor: Christoph SeitzNachhilfeplattform tutor24.ch

Druck machen vor allem jene Eltern, die das duale Bildungssystem zu wenig kennen und oft nicht wissen, dass ihre Kinder auch mit einer Berufslehre viele Optionen haben. Das sagt Franziska Peterhans vom Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer.

«Viele ausländische Eltern verstehen das System der Schweiz nicht und denken, sie müssten ihr Kind in das Gymnasium bringen, sonst habe es verloren», sagt sie. So liegt beispielsweise die Maturitätsquote bei deutschen Kindern in Zürich bei 50 Prozent. Schweizweit sind es 20 Prozent.

Viele ausländische Eltern verstehen das System der Schweiz nicht.
Autor: Franziska PeterhansDachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer

Weil immer mehr Kinder ins Gymnasium wollen, nimmt der Druck zu. Nachhilfe sei jedoch nicht zwingend. Der Schweizer Lehrerverband schlägt als Alternative vor, dass die obligatorische Schule vor wichtigen Prüfungen sogenannte Lernlektionen anbietet, wo jene Schüler, die Defizite haben, ein Thema nochmals durchgehen können.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Dem "Problem" könnte man damit begegnen das die Anforderungen für den Eintritt ins Gymnasium verschärft werden, um wirklich nur den begabteren den Sprung ins Gymnasium und ins spätere Studium zu ermöglichen. Schlussendlich tut man den armen "Zwangsgymansiasten" den grössten Gefallen.
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  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Der Wahnsinn kommt zu Fuss. Immer mehr junge Leute werden werden zu einem höheren Schulabschluss "gepeitscht". Die Auswirkungen von solchem Streben ist hinlänglich bekannt. Mit dem Abschluss in der Tasche gehen sie auf Stellensuche. Besetzen Stellen, die vor Jahren noch für KV-Abgänger offen waren. Beide sind unzufrieden. Der Hochschulabgänger ist überqualifiziert und der KV-Absolvent hat keine Aufstiegschancen mehr.
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  • Kommentar von Jens Mueller (Jens Mueller)
    Ist doch auch gut so. Wie viele finden eine Lehre ? Ein paar Prozent und der rest findet sowieso nichts. Ich bin 28 und suche immer noch eine Lehre. Eine Matura ist wenigstens ein guter Anfang. Und weltweit anerkannt.
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    1. Antwort von Luzian Wasescha (Oberländer)
      Also ich will ja hier nicht persöhnlich werden aber wenn Sie mit 28 keine Lehre gefunden haben liegt das an Ihnen. Ein paar Prozent finden eine Lehre? Letztes Jahr blieben ca. 10000 Lehrstellen unbesetzt.
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    2. Antwort von Bojan Antonović (Bojan Antonović)
      Nein, ist sie nicht. Ein Bekannter wanderte in die USA aus, und durfte alles wieder machen. Heute ist er dort Zahnarzt.
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber eine Matura zu haben, macht Sie nicht automatisch auch zu einem guten Lehrling! Eine Matura ist: Vieles gelernt, vieles fürs "echten" Leben aber untauglich ist, nicht angewendet werden kann & man es deshalb wieder vergisst. Einfach mal so Matura zu machen, dann aber keinen Job zu finden, ist sie reine Zeitverschwendung.
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