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Gewalt in Paarbeziehungen Häusliche Gewalt: Viele Opfer wollen keine Bestrafung des Täters

17'000 Fälle von häuslicher Gewalt registriert die Polizei in der Schweiz im vergangenen Jahr. Eine neue Studie der Kantonspolizei Zürich zeigt nun: Nur ein kleiner Teil der Täter wird am Ende bestraft – weil es die Opfer nicht wollen.

Mann packt Frau brutal
Legende: In vielen Fällen wollen die Opfer nur Schutz, nicht Strafe des Täters. Gestellte Szene. Keystone/Symbolbild

Unter Gewalt in Ehen oder Partnerschaften können Drohungen, Körperverletzung, Nötigung oder gar versuchte Tötung fallen. Mehrheitlich sind Frauen betroffen. «Die Polizei hat verschiedene Massnahmen zur Verfügung, um die betroffenen Frauen zu schützen», sagt Rahel Ott. Sie betreut die Fachstelle häusliche Gewalt bei der Kantonspolizei Zürich. «Im Kanton Zürich hat die Polizei die Möglichkeit, die gefährdende Person für 14 Tage vom gemeinsamen Haushalt wegzuweisen. Zusätzlich kann ein Kontaktverbot ausgesprochen werden.» Oder es könnten Rayons definiert werden, wo sich die Tatperson für 14 Tage nicht mehr aufhalten darf.

Diese Massnahmen können um drei Monate verlängert werden, wenn das Opfer dies wünscht. Ob diese Massnahmen genügen, wollten die Zürcher Kantonspolizei und die Universität Zürich von den betroffenen Frauen wissen. Sie haben mit den Opfern von häuslicher Gewalt gesprochen, das erste Mal vier Monate nach der Tat, ein zweites Mal ein Jahr später.

Situation hat sich bei fast allen verbessert

Die Antworten seinen sehr ermutigend ausgefallen, sagt Ott. «Das erste Mal haben drei Viertel der Opfer gesagt, ihre Situation habe sich durch diese Schutzmassnahme insgesamt verbessert.» Das sei ein sehr positives Resultat. Nach zwölf Monaten waren es sogar noch mehr, gegen 90 Prozent.

Seit 2004 gilt Gewalt in der Ehe oder in der Partnerschaft als Offizialdelikt. Die Staatsanwaltschaft muss ein Strafverfahren einleiten. 80 Prozent der Strafverfahren werden aber wieder eingestellt. Gemäss Ott können die Opfer veranlassen, dass nicht weiter gegen ihren Partner ermittelt wird. «Dann wird das Verfahren für sechs Monate auf Eis gelegt und wenn nichts mehr weiter passiert und das Opfer seine Zustimmung nicht widerruft, wird es definitiv eingestellt.»

Opfer wollen vor allem, dass Gewalt aufhört

Die meisten Täter werden deshalb nicht bestraft, nachdem sie gegenüber ihrer Partnerin gewalttätig geworden sind oder sie bedroht haben. Das ist offenbar das Bedürfnis der betroffenen Frauen, wie die Studie der Kantonspolizei Zürich zeigt. Sie wollen einfach, dass die Gewalt aufhört. «Die Bestrafung des Täters steht nicht im Vordergrund. Primär ist es das Bedürfnis nach Schutz und Hilfe.»

Die Bestrafung des Täters steht nicht im Vordergrund. Primär ist es das Bedürfnis nach Schutz und Hilfe.
Autor: Rahel OttFachstelle häusliche Gewalt Kantonspolizei Zürich

Ob sich dieser Wunsch nach einem Ende der Gewalt auch erfüllt hat, will die Zürcher Kantonspolizei in einem zweiten Teil der Studie herausfinden. Dann schaut sie, wie viele der Täter rückfällig geworden sind.

Offizialdelikte sistieren

Im Unterschied zu den übrigen Offizialdelikten kann die zuständige Behörde bei einfacher Körperverletzung, wiederholten Tätlichkeiten sowie Drohung und Nötigung in der Ehe und in der Partnerschaft das Strafverfahren sistieren – wenn das Opfer darum ersucht oder einem Antrag der zuständigen Behörde zustimmt. (Art. 55a StGB)

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
    (2/5) Deswegen kann Ich auch die Zahlen die Sie für eindeutig halten ohne sie zu kennen in diesem Zusammenhang als nicht repräsentativ deklarieren. Klar werden wohl mehr Frauen als Männer spitalreif geschlagen und getötet, aber was ist mit Giftmorden die vielleicht nie als solche erkannt werden oder wieso ist die Selbstmordrate bei Männern so viel höher? Ein kleines Beispiel zur Gewalt Bereitschaft von Frauen (direkt und indirekt) gefällig? Hier bitte:
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  • Kommentar von Benito Boari (Benedikt Ali)
    Interessant ist, dass die Kommentarschreiber fast ausschliesslich Männer sind. Woher kommt das?
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    1. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      Noch viel interessanter finde ich die Tatsache dass Ihnen das überhaupt auffällt und die Frage was sie uns damit wohl sagen möchten ;)
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Nur wenn ein eine Gesellschaft solches Verhalten ächtet, wird sich was ändern. Das Grund Problem ist unser aller verhalten, Zuviel werden solche verhalten toleriert oder verharmlost, im schlimmsten Fall die Schuld noch dem Opfer zugeschrieben. Man sollte nur mal die Kommentare lesen wo es um Trump und sein Macho Geplapper ging, da waren sogar Frauen dabei die dies Verharmlosten. Vom Sprücheklopfer zum Täter ist manchmal die hemmungsschwelle viel niedriger als viele Wahrhaben wollen.
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    1. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      Ich bin einverstanden das die Verharmlosung ein Problem ist... doch Trump und seine Sprüche sind garantiert nicht das Problem. Die grösste Verharmlosung findet da statt wo man Täter=Mann Opfer=Frau denkt. Erin Pizzey Gründerin des ersten Frauenhauses überhaupt sagt dass die meisten Frauen die zu ihr kamen selbst auch ein Gewaltproblem hatten. Seriöse Forscher sehen in Häuslicher Gewalt keine Geschlechts Komponente sondern überwiegende Parität.
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    2. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      @Fuchs. Dann klicken Sie bitte auf die roten Wörter im Bericht! Sie schreiben einfach Quatsch.
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    3. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @margot: Statistiken lesen will gelernt sein. Generell sollte man dabei sein Augenmerk zuerst auf Ausschluß Kriterien Geltungsbereich und Herkunft der Daten richten. In diesem Fall würden Sie dann auch merken dass es bei dieser Statistik eigentlich nur darum geht was bei der Polizei gemeldet wurde und nicht um wirklich Geschlechter Verteilung wie hinter den roten Worten suggeriert. Gestalten Sie doch einfach Ihren Medienkonsum etwas kritischer.
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    4. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      @Fuchs. Hier die Statistik der Zürcher Kantonpolizei: http://www.kapo.zh.ch/dam/sicherheitsdirektion/kapo/publikationen/statistik/krista/aktuell/jahresbericht_2015.pdf.spooler.download.1460707038264.pdf/jahresbericht_2015.pdf Ihren letzten Satz beherzigen Sie bitte selber!
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    5. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      Aber Margot, langsam glaube ich sie wollen es einfach nicht verstehen. Wieviel Männer riskieren eine Anzeige um danach als Waschlappen oder gar Täter und vielleicht auch noch ohne Haus und Kinder dazustehen. Polizei Statistiken sagen einfach nicht das aus was sie da offensichtlich gerne hinein lesen möchten. Meinen letzten Satz versuche ich permanent zu beherzigen und kann es nur weiterempfehlen.
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    6. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Fuchs: Ihre Skepsis mag berechtigt sein wenn die Männer die Polizei selber rufen - oder eben nicht. Sie gilt aber nicht wenn der Partner spitalreif geprügelt oder gar umgebracht wird. Auch da sind die Zahlen eindeutig. Es geht nicht darum die Gewalt an Männern zu verharmlosen, sondern darum jene an Frauen nicht herunter zu spielen mit dem Argument "aber die Frauen auch". Wäre interessiert, wer für Sie "seriöse Forscher" sind.
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    7. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @HPMüller: (1/5) Wie bereits erwähnt geht es mir keinesfalls darum irgendetwas durch ein „Frauen aber auch“ „Argument“ zu verharmlosen, im Gegenteil, Ich sehe die Verharmlosung eben genau da wo so getan wird als seien Freuen nur Opfer und Männer nur Täter. Ich bin davon überzeugt dass Frauen nicht mehr oder weniger Gewaltbereit sind als Männer, die Methoden mögen unterschiedlich sein, aber das ändert nichts an der Gewaltbereitschaft an sich.
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    8. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      (3/5) Frauen können sich öffentlich am Fernsehen in Talkrunden über einen Fall amüsieren in dem eine Frau Ihren Mann unter Drogen gesetzt, Ihm den Penis abgeschnitten und diesen in eine Art Fleischwolf geworfen hat weil er sich scheiden lassen wollte, und dies „quite Fabulous“ finden und sich fragen ob er s nicht vielleicht doch irgendwie verdient hat, oder ob man den Penis besser in den Hundenapf hätte werfen sollen. Stellen Sie sich vor was los wäre, wären hier die Geschlechter vertauscht.
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    9. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      (4/5) Und von misshandelten Kindern hat dabei noch gar niemand gesprochen da sagen die Zahlen nämlich dass überwiegend Frauen Täter sind, logisch Sie sind ja generell auch mehr mit Kindern zusammen, wäre dies anders wären wohl mehr Männer Täter. Solange man das Problem häuslicher Gewalt versucht als geschlechtsspezifisch darzustellen wird man auch keine Lösungen finden, denn es hat einfach nichts mit dem Geschlecht von Opfer oder Täter zu tun, so einfach ist das.
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    10. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      (5/5) Als seriöse Forscher empfinde ich jene die versuchen sich mit dem Problem neutral beschäftigen und nicht nur eine bestehende Meinung (meist Feministischer Prägung) zu bestätigen indem sie die Zahlen oder Fakten ignorieren die nicht ins Bild passen.
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    11. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Herr Fuchs, Sie haben in 5 posts meine Frage nicht beantwortet. Wer ist der "seriöse Forscher" mit den vollständig anderen Zahlen? Ich empfehle Ihnen "Informationsblatt 9, Zahlen zu häuslicher Gewalt in der Schweiz des EDI. Insbesondere die Zahlen zu den geschädigten/getöteten Kindern sind vom BFS (und auch dort verifizierbar) und damit wohl kaum "feministisch geprägt" wie Sie behaupten: 2015: 72% männliche Täter.
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    12. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      Habs mir mal kurz angeschaut ... Aber es sind halt wieder nur hauptsächlich Polizeistatistiken, die bringen alleine nichts. Dann ist da noch das "Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann" drin ... ProTip: das sind die Feministen. Ja und sogar der gute Killias Martin kommt zu Wort, das ist der der meint Computerspiele förderten Gewalt. Aber eine KESB zum Beispiel suche ich Vergebens in den Quellen, die hätten sicher etwas beizusteuern.
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    13. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      dafür findet man perlen wie diese: "...vollendete oder versuchte Tötungsdelikte. 40% betrafen weibliche und 60% männliche Opfer." und gleich danach: "79,7% der Tatverdächtigen im häuslichen Bereich waren männlich und 20,3% weiblich." Da muss doch auch Ihnen auffallen dass sie hier nicht alle Informationen serviert bekommen. Ausser Schwule wären extrem gewaltbereit ... glaub ich aber nicht... Würden Sie mir jetzt bitte noch zeigen wo ich gesagt haben soll Gewalt an Frauen wäre weniger schlimm?
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