Ein Jahr an der CVP-Spitze Hat Gerhard Pfister sein Ziel erreicht?

Die viertstärkste Partei der Schweiz verliert national seit bald vierzig Jahren Wähler. Gerhard Pfister ist vor rund einem Jahr als CVP-Chef angetreten, um das zu ändern. Wie steht es mit dem versprochenen Erfolgskurs?

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Ein Jahr Gerhard Pfister

4:40 min, aus 10vor10 vom 2.6.2017

Gerhard Pfister hat vor gut einem Jahr das Präsidium der CVP übernommen. Der Zuger Nationalrat war der einzige Kandidat und setze ehrgeizige Ziele. «Für die Partei muss es darum gehen, endlich wieder Wahlen zu gewinnen. Wir brauchen unbedingt eine grössere Stärke in den Parlamenten», sagte Pfister nach seiner Wahl. Konnte er sein Versprechen halten? Pfister und der Politikwissenschaftler Michael Hermann blicken auf das erste Präsidialjahr zurück.

Die Fakten:

  • Seit Pfisters Amtsantritt verlor die CVP bei acht kantonalen Wahlen 17 Sitze, so viele wie keine andere Partei.
  • Von zwölf nationalen Abstimmungen gewann die Partei deren elf.

Hat die CVP ihr Wischi-Waschi-Image abgestreift?

Gerhard Pfister: «Ich glaube, wir haben bei den wichtigen Geschäften des letzten Jahres eine klare Position eingenommen. Diese hat nicht immer allen gefallen. Wir sind aber immer sehr geschlossen aufgetreten und haben an unserer Position auch nichts verändert. Insofern kann man sagen: Im Bundeshaus ist es uns gelungen, das Profil der Partei zu schärfen.»

Michael Hermann, Politikwissenschaftler, sieht durchaus Ansätze, dass Gerhard Pfister auf gutem Weg ist, das Wischi-Waschi-Image der Partei loszuwerden: «Pfister hat das Profil ein wenig geschärft. Er ging immer wieder bei den gleichen Themen auf rechts zu, bei denen er eher konservativere Positionen einnimmt.»

Ist der in CVP-Kreisen befürchtete Rechtsdrall eingetreten?

Gerhard Pfister: Sowohl bei der Rentenreform als auch bei der Energiestrategie ging die CVP Allianzen mit links ein. «Wichtiger ist mir – noch bevor wir Allianzen bilden – zu sagen, was wir wollen. Wichtig sind uns sozialverträgliche Lösungen. Und danach sehen wir weiter, wer mit uns eine Partnerschaft eingehen kann», so Pfister.

Michael Hermann: «Bei Themen wie der Altersreform hat Pfister eher Kompromisse nach links gesucht. Man weiss also eher, wo die CVP steht. Es ist auch so, dass die CVP mehr mitzugestalten scheint. Sie hat zumindest das Image bekommen, dass sie auch jene Partei ist, die Gesetze gestaltet.»

Was bringt die Zukunft?

Gerhard Pfister: «Die Sitzverluste sehen nicht gut aus. Sie sind allerdings auch ein Ansporn. Das braucht aber unglaublich viel Zeit. Die Entwicklung der CVP ging über Jahre oder sogar Jahrzehnte in keine gute Richtung. Diesen Trend zu wenden, ist nicht eine Sache von einem Jahr, sondern von drei oder vielleicht sogar vier Jahren.»

Michael Hermann: «Gerade, wenn man einer Partei ein neues Profil verpassen möchte, braucht es eine gewisse Zeit, bis sich das in den Köpfen festsetzt. Die Erfolge von Gerhard Pfister – wenn es dann welche gibt – muss man in zwei bis drei Jahren messen. Aber grundsätzlich ist nicht garantiert, dass sein Kurs, der sehr klar ist, auch ein Erfolgsmodell für die Partei ist.»

Welche Schulnote bekommt Pfister?

Gerhard Pfister: 4 – genügend.

Michael Hermann: 5.

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Aus Rundschau vom 14.6.2017

    Bundesrat Didier Burkhalter stellt sich unmittelbar nach seiner überraschenden Rücktrittsankündigung den Fragen von Susanne Wille und Sandro Brotz. Didier Burkhalter wünscht sich wieder mehr Privatleben. Neben politischen Themen kommen im Rundschau talk auch persönliche Themen zur Sprache. Rundschau talk - die neue Polit-Sendung mit Menschen, die bewegen.

  • Gerhard Pfister – Rollenwechsel als Parteipräsident

    Aus Tagesschau vom 23.4.2016

    Das SRF-Porträt zeigt, wer hinter dem neugewählten CVP-Parteipräsidenten Gerhard Pfister steckt. Und erklärt, wieso für ihn sein neues Amt mit einem Rollenwechsel verbunden ist.