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Schweiz Höhere Hürden für Ritalin

Verhaltensauffälligen Kindern sollen Ärzte weniger häufig das Psychopharmakon Ritalin verschreiben – und wenn, dann nur unter klaren Bedingungen. Das fordert die nationalrätliche Gesundheitskommission. Der Bundesrat müsse handeln.

Das Psychopharmakon Ritalin
Legende: Psychopharmakon Ritalin Der Bundesrat soll für bessere Kontrollen sorgen, fordert die Gesundheitskommission des Nationalrats. Keystone/Archiv

Eltern, Lehrer und Ärzte machen sich Sorgen: Immer mehr Kinder werden mit Ritalin behandelt. Verhaltensauffällige Schüler werden mit dem Medikament ruhiggestellt, das immerhin ein Psychopharmakon ist. Allein im Kanton Zürich hat sich der Anteil der «Ritalin-Kinder» innerhalb von drei Jahren fast verdoppelt.

Die Gesundheitskommission des Nationalrats will nun, dass es klarere Schranken gibt. Dafür müsse der Bundesrat sorgen.

Nur mit umfassender Therapie

Der Vorschlag der Kommission: Ärzte sollen Ritalin nur noch verschreiben dürfen, wenn das Kind gleichzeitig eine umfassende Therapie oder Behandlung erfährt. Ein Schulsozialdienst oder ein Psychotherapeut müsse das Kind betreuen, erklärt die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. «Offenbar wird Ritalin zu schnell als Beruhigungspille abgegeben», stellt sie fest. Also gelte es, Kinder auch möglichst schnell wieder von dem Medikament wegzubringen.

Dass Ritalin nur mit einer umfassenden therapeutischen Begleitung abgegeben werden soll, hält auch die Heilmittelbehörde Swissmedic fest. Die Gesundheitskommission will jedoch erreichen, dass dies verbindlich geregelt wird. Die 25 Nationalräte und Nationalrätinnen der Kommission fordern den Bundesrat einstimmig zum Handeln auf. «Diesem Zeichen kann der Bundesrat nicht mehr ausweichen», sagt Humbel gegenüber Radio SRF.

Freysinger gab den Anstoss

Gleichzeitig verlangt die Kommission vom Bundesrat einen Bericht, der allgemein zeigen soll, ob es bei der Verschreibung und bei der Anwendung von leistungssteigernden Substanzen Handlungsbedarf gibt. Dazu reichte die Kommission ein Postulat ein, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten.

Anlass zur Diskussion über Ritalin war eine parlamentarische Initiative des Walliser SVP-Nationalrats Oskar Freysinger. Er hatte eine bessere Kontrolle der Verschreibung gefordert. Freysinger zeigte sich nun zufrieden mit der Kommissionsmotion – und hat seinen Vorstoss zurückgezogen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Oertli, Zürich
    Fakt ist, dass von der Krankenkasse bezahlte Therapieplätze immer noch rar sind und mit betrachtlichen Wartezeiten gerechnet werden muss. Dies als direkte Folge, dass psychologische Psychotherapeuten noch immer nicht von der Grundversicherung übernommen werden. Schon 1992 gab es ein Versprechen, dass dieser Zustand bald behoben sein wird. Jetzt ist 2013 und man rechnet damit, dass es vielleicht 2015 so weit ist. Da sollte die Politik mal intervenieren, dann wäre auch weniger Ritalin notwendig...
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  • Kommentar von Rafael Sergi, Luthern
    Gut so, sonst ist es nur noch eine Frage der Zeit bis der gesammte Drogerinmarkt und Pillenmarkt von der Krankenkasse bezahlt wird. Warum die Aufmerksamkeit um die Pillendreher wohl ein Defizit hat ? Braucht es noch Schleichwerbung bei den Medien? Ist doch die Schweiz die Drehscheibe des Internationalen Drogenmarktes für das schmutzige Schwarzgeld.... so kann man es ja über Medikamente legalisieren.
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  • Kommentar von Dr. med. Reto Rechsteiner, Bauen
    Leider hat am 16.2.2013 das Schweizer Radio unreflektiert die bekannte falsche Aussage von Ruth Humbel verbreitet, dass Ritalin die Kinder "ruhigstelle". Das stimmt nicht. Ritalin fördert die Konzentration, es ist kein Beruhigungsmittel. Die Kinder sind ruhiger, weil sie sich besser konzentrieren können. Bedenklich, wie komplett uninformiert die Gesundheitskommission ist. Ich habe Ruth Humbel vor längerer Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass sie ein völlig verkehrtes Verständnis von Ritalin...
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