Illegale Einreise schon vor dem Abflug stoppen

Mit einem neuen Mittel kämpft der Bund gegen illegale Einwanderung: In drei Ländern setzt er Schweizer Experten für Dokumente ein. Sie sollen gefälschte Pässe und deren Besitzer entlarven. Damit soll schon die Abreise in die Schweiz verhindert werden.

Ab sofort sind Schweizer Beamte in drei Ländern ausserhalb des Schengenraums im Einsatz. Diese «Airline Liaison Officers» sollen dafür sorgen, dass Asylsuchende nicht ohne Pass und Visum in ein Flugzeug Richtung Schweiz steigen.

Die Schweizer Spezialisten arbeiten schon einige Wochen Hand in Hand mit den lokalen Behörden und Fluggesellschaften. Sie sind auf Botschaften und Flughäfen stationiert. Wo genau – das wollen die Behörden  aus taktischen Gründen nicht sagen.

Michael Glauser vom Bundesamt für Migration: «Es geht darum, gefälschte ausfindig zu machen, aber auch Personen zu identifizieren.»

Grenzwächter prüfen Pässe im Ausland

Die Schweizer Dokumenten-Prüfer  kommen aus den Reihen des Schweizer Grenzwachtkorps. Diese Beamten bilden auch Mitarbeiter von Fluggesellschaften und lokalen Zollbehörden aus. Ihr Know-how sei gefragt, so Glauser, denn mittlerweile gebe es sehr professionelle Passfälscher.

In Bern erhofft man sich von den Spezialisten auch Informationen darüber, wie Schlepperbanden funktionieren. Das Ziel ist klar: Dank den Dokumenten-Prüfern soll die Zahl der illegalen Migranten zurückgehen.

Andere europäische Länder hätten mit dem Einsatz solcher Spezialisten bereits gute Erfahrungen gemacht, sagt Glauser. Und: Die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden habe sich gut eingespielt. «Man hat bereits einige Erfolge verzeichnet.» Zahlen will er aber nicht nennen.

Wenig Freude bei der Flüchtlingshilfe

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe kritisiert das Vorgehen. Generalsekretär Beat Meiner sagt, er finde das Vorgehen «sehr problematisch». Warum? «Weil möglicherweise schutzbedürftige Menschen durch diese Massnahme vom Asyl ausgeschlossen werden.»

Flugzeug landet in Zürich-Kloten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Ziel: Migranten ohne legale Papiere sollen erst gar nicht mehr in Kloten landen. Keystone

Die Schutzwürdigkeit werde ja gar nicht geprüft, so Meiner, sondern nur das Dokument. Es gebe aber auch echte Flüchtlinge, die in ihrer Notsituation auf gefälschte Dokumente angewiesen seien. Diese Flüchtlinge hätten dann keine Chance mehr auf ein Asylverfahren in der Schweiz.

Das Bundesamt für Migration versucht zu beschwichtigen. Es betont: In einem solchen Fall hätte die Schweizer Botschaft vor Ort die Möglichkeit, ein humanitäres Visum auszustellen. Dies sehe das Asylrecht vor. Die Flüchtlingshilfe bleibt skeptisch. Die Hürden für Asylsuchende – so Generalsekretär Meiner – seien in den letzten Jahren immer höher geworden.