Immer mehr Drückeberger unter den Zivis

Die Zahl der Drückeberger unter den Zivildienstleistenden hat letztes Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Gegen 775 Zivis hat die Vollzugstelle für den Zivildienst (ZIVI) 2012 ein Disziplinarverfahren eröffnet – mehr als doppelt so viele als die 352 Verfahren im Jahr 2009.

Seit der Zugang zum Zivildienst 2009 massiv erleichtert wurde, entscheiden sich viel mehr junge Männer als früher für Zivildienst statt Militärdienst. Darin sieht Samuel Werenfels, Leiter ZIVI, denn auch den Hauptgrund für die massive Zunahme der Disziplinarverfahren:  «Heute werden viel mehr Diensttage geleistet als 2009. Vor diesem Hintergrund relativiert sich der massive Anstieg etwas.»

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Mehr Zivildienst-Drückeberger

1:42 min, aus Tagesschau vom 20.1.2013

Trotzdem macht der Anstieg der ZIVI zu schaffen, denn er verursacht mehr Arbeit. Die Rechtsabteilung wurde bereits aufgestockt und soll bald weiter ausgebaut werden.

Grosse Bandbreite

Wenn die ZIVI ein Verfahren eröffnet, kann sie selber Bussen in der Höhe von bis zu 2000 Franken aussprechen. Schwere Fälle, wie etwa Zivis, die wiederholt nicht zum Dienst erscheinen, werden an die zivilen Strafrechtsbehörden überwiesen.

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Dort ist der Strafrahmen weitgefasst. Es drohen Freiheitsstrafen bis zu 18 Monate. Theoretisch zumindest, denn ausgesprochen wurde eine solche noch nie.

157 dieser schweren Fälle gab es letztes Jahr. Gegenüber 2009 bedeutet dies eine Zunahme um über 300 Prozent.

Gegensteuer geben

Nun sagt Werenfels dem wachsenden Heer der Drückeberger den Kampf an: »Wir lassen den Zivis viele Freiheiten. Die geltenden Regeln aber müssen sie einhalten.»

Vehementer als bisher sollen den Zivis vom ersten Tag an die Regeln eingebläut werden. Und ebenso deutlich gesagt werden, dass knallhart bestraft wird, wer sich nicht daran hält. Denn das gegen jeden zwanzigsten Zivi ein Verfahren eröffnet wird wie letztes Jahr, dürfe auf keine Fall zur Regel werden, so Werenfels.