Immer mehr Frauen studieren an der ETH

An der ETH Zürich studieren so viele Frauen wie noch nie. Im neuen Studienjahr, das am Montag beginnt, liegt der Frauenanteil an der technischen Elitehochschule bei genau einem Drittel. Rektorin Sarah Springman erklärt im Gespräch, wie Frauen an der ETH gefördert werden.

Studenten folgen in einem Hörsaal an der ETH Zürich eine Vorlesung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: So viele Frauen wie noch nie verfolgen im neuen Semester die Vorlesungen an der ETH Zürich. Keystone

Die ETH freut sich über den wachsenden Frauenanteil

4:06 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.09.2015

SRF News: Warum zieht die ETH mehr Frauen an als früher?

Sarah Springman: Weil es uns offenbar gelingt, zu kommunizieren, dass unsere Studienangebote für Männer wie auch für Frauen attraktiv sind. Ausserdem verfügen wir über spezielle Frauenförderprogramme und versuchen damit, junge Frauen für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern.

An anderen Universitäten gibt es schon mehr Studentinnen als Studenten. Warum ist das an der ETH nicht der Fall?

Das stimmt. Aber die Anzahl sowie der prozentuale Anteil der Studentinnen sind auch bei uns gestiegen. Wir wollen Schritt für Schritt weitergehen.

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Sarah Springman

Sarah Springman

Die Britin ist seit Januar 2015 Rektorin der ETH Zürich. Seit 1997 ist sie Professorin für Geotechnik an der Hochschule. Springman studierte an der Universität Cambridge.

Rechnen Sie damit, dass der Frauenanteil weiter steigen wird?

Natürlich hoffen wir das. Ich orientiere mich auch am Prozentsatz der Frauen, die eine naturwissenschaftliche Matura bestehen – dieser liegt etwa bei 40 Prozent. Das ist eine schöne Zahl für mich und zeigt, dass unser Potenzial noch weiter oben liegt.

Das Interesse für Naturwissenschaften fängt ja viel früher an. Glauben Sie, dass in den Schweizer Volksschulen genug getan wird, damit sich Mädchen für Naturwissenschaften interessieren?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Ich glaube aber, dass es viele Gruppen gibt, die sich bemühen in diesem Bereich zu helfen. Auch bei uns an der ETH gibt es Töchtertage und verschiedene Events, die es jungen Mädchen im Alter von zehn bis zwölf Jahren ermöglichen, mit den Wissenschaften in Kontakt zu kommen.

«  Wir müssen die Begeisterung in den jungen Leuten wecken. »

Was könnte man noch besser machen?

Es ist wichtig, dass sich die jungen Leute wirklich für die Wissenschaft begeistern. Was man hier studieren und forschen kann, ist sehr spannend. Deshalb müssen wir die Begeisterung in den jungen Leuten wecken. Meines Erachtens liegt unser Weg genau in dieser Begeisterung für die Wissenschaft und für die Entdeckungen, die wir hier täglich machen, und darin, wie wir das unseren Studierenden kommunizieren.

Was tut die ETH ganz konkret, um Frauen zu fördern?

Wir haben sehr interessante Programme an der ETH. Durch unseren neu entwickelten «Gender Action Plan» schauen wir, dass an unseren Prestudy Events und bei den Mentoring-Programmen der Bedarf für beide Geschlechter abgedeckt wird.

«  Pharmazie, Biologie und Gesundheitswissenschaften und Technologie liegen bei den Frauen vorne. »

Für welche Studiengänge interessieren sich Frauen besonders?

Pharmazie, Biologie und Gesundheitswissenschaften und Technologie sind die Spitzenreiter bei den Frauen. Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik liegen bei den Männern vorne.

Die Anzahl Studentinnen nimmt also zu. Aber der Anteil an Professorinnen liegt an der ETH lediglich bei 13 Prozent. Müsste sich da nicht auch etwas ändern?

Natürlich sollte sich das mit der Zeit ändern. Unsere erste Professorin ist 1985 berufen worden. Das heisst, wir haben 130 Jahre Hochschulgeschichte ohne eine einzige Professorin. Deshalb ist es positiv, dass wir heute immerhin schon bei 13 Prozent liegen. Meines Erachtens wird diese Zahl auch in Zukunft steigen. Bei den Assistenzprofessorinnen liegen wir nämlich schon bei 25 Prozent.

Das Gespräch führte Sarah Nowotny.