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Schweiz Impfstoff für Kleinkinder fehlt

Der wichtigste Impfstoff für Kleinkinder ist derzeit nicht lieferbar. Zwar haben Spitäler und Ärzte noch Vorräte. Doch die sollen sparsam verwendet werden, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit. Die eidgenössische Kommission für Impffragen ist alarmiert.

Ein Säugling erhält eine Spritze ins Bein
Legende: Autsch! In der Schweiz werden Kinder in der Regel erstmals mit zwei Monaten geimpft. Keystone/symbolbild

«Dieser Engpass ist beunruhigend, weil wir wirklich keine Impfstoffe mehr haben für Kleinkinder, und er ist gefährlich, wenn er länger als einen Monat anhält», sagt Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen.

Berger spricht von einem Kombipräparat, mit dem Kinder zwischen zwei Monaten und vier Jahren gegen sechs verschiedene Krankheiten geimpft werden.

Grund für den aktuellen Engpass sind Lieferprobleme beim Hersteller GlaxoSmithKline.

Für uns ist es zum Teil schwer nachvollziehbar, warum ein Impfstoff dieser Grössenordnung in den USA und in Europa zugelassen ist, aber in der Schweiz nicht
Autor: Christoph BergerPräsident Eidg. Kommission für Impffragen
Legende: Video «Es gibt drei Probleme beim Impfstoffmangel» abspielen. Laufzeit 0:40 Minuten.
Vom 03.06.2016.

In der Schweiz gibt es Ersatzimpfstoffe gegen gewissen Krankheiten, jedoch nicht gegen Keuchhusten. Ein äquivalentes Produkt vom französischen Hersteller Sanofi Pasteur ist in der Schweiz nicht zugelassen. Es kann von Ärzten aber auf eigene Verantwortung eingeführt und eingesetzt werden. Dieser Weg ist jedoch umständlich. Den dafür muss bei der Swissmedic ein Gesuch gestellt werden – und am Schluss bezahlt nicht die Versicherung, sondern die Eltern.

Legende: Video «Aktuelle Beschaffung ist kompliziert – die Lösung aber einfach» abspielen. Laufzeit 0:35 Minuten.
Vom 03.06.2016.

Christoph Berger sieht mehrere Probleme für den Impfstoffmangel. «Ein Problem, das wir hausgemacht haben, sind die strengen Zulassungsrichtlinien von Swissmedic», so der Kinderarzt. «Für uns ist es zum Teil schwer nachvollziehbar, warum ein Impfstoff dieser Grössenordnung in den USA und in Europa zugelassen ist, aber in der Schweiz nicht.»

Der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen wünscht sich, dass sich die Behörden darum kümmern würden, dass dieser Impfstoff zentral importiert werden kann.

Es ist das erste Mal, dass wir die Kinderimpfungen mit dem Impfplan nicht mehr abdecken können
Autor: Daniel KochLeiter Abteilung Übertragbare Krankheiten, BAG
Legende: Video «Wir prüfen den Import eines anderen Impfstoffes» abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Vom 03.06.2016.

Dieser Wunsch ist beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) angekommen. «Wir vom Bund prüfen, ob es eine Möglichkeit gibt, diesen Impfstoff zu importieren und den Ärzten zur Verfügung zu stellen», sagt Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG. Im Moment hab man aber noch keine Lösung.

Die Impfstoffknappheit sei ein echtes Problem für die Schweiz. «Es ist das erste Mal, dass wir die Kinderimpfungen nicht mehr mit dem Impfplan abdecken können», sagt Koch.

Laut Swissmedic ist eine Notzulassung zurzeit nicht angezeigt. Frühestens Ende Juni sollen die Impfstoffe wieder verfügbar sein.

Legende: Video «Ärzte sollen Prioritäten setzen» abspielen. Laufzeit 0:21 Minuten.
Vom 03.06.2016.

Die Eidgenössische Kommission für Impffragen rät Ärzten in der Zwischenzeit, Prioritäten zu setzen. Am wichtigsten seien die Impfungen für zweimonatige Säuglinge, also für die jüngsten.

Ganz wichtig sei auch, dass Schwangere gegen Keuchhusten geimpft seien – so erhielten Säuglinge automatisch auch einen Schutz.

Der Bundesrat hatte im Januar in einem Bericht festgehalten, Lücken und Engpässe in der Versorgung mit Arzneimitteln nähmen weltweit tendenziell zu. In den letzten Jahren sei es vereinzelt zu Engpässen gekommen, vor allem bei Krebsmedikamenten, Nischenprodukten sowie Impfstoffen.

Der Bundesrat empfahl deshalb, Medikamente nicht nur bei den Herstellern, sondern auch bei Spitälern und Ärzten zu lagern. Geprüft werde zudem, ob die Branche verpflichtet werden soll, besonders wichtige Arzneimittel jederzeit auf Vorrat zu haben.

Das Kombipräparat, das nun fehlt, schützt Kleinkinder vor Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Kinderlähmung und Haemophilus influenzae vom Typ b.