Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Industrie steht Energiewende skeptisch gegenüber

Bei der Wirtschaft kommt die Energiestrategie 2050 gar nicht gut an. Der Dachverband economiesuisse sieht gar einen Wirtschaftskollaps auf die Schweiz zukommen. Auch andere Verbände lehnen in der Mehrzahl die neue Strategie ab. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse befürchtet bei einer Umsetzung der Energiestrategie 2050 ein Schrumpfen der Wirtschaft um 25 Prozent.

Auch die Branchenverbände Chemie, Pharma und Biotech lehnen die Pläne des Bundesrates grundsätzlich ab. Diese gefährden die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie. Auch gebe es die Technologien, welche die Kernenergie ersetzen sollten, noch gar nicht.

Hausbesitzer begrüssen Gebäudeprogramm

Der Gewerbeverband (sgv) unterstützt immerhin die Erhöhung der Energieeffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion als Stossrichtung der Energiestrategie. Er verlangt aber weitgehende Nachbesserungen. Aus Gründen des Klimaschutzes ist der Verband gegen die Förderung von Gaskraftwerken. Die Sanierung von Gebäuden will er mit mehr Mitteln für das Gebäudeprogramm vorantreiben.

Der Hauseigentümerverband lehnt die Vorlage insgesamt ab. Insbesondere kritisiert er, dass die durch Gebäudesanierungen entstehenden Kosten für private Eigentümer nicht berücksichtigt würden. Er begrüsst aber die Aufstockung der Beiträge für das Gebäudeprogramm. Der Mieterverband warnt vor steigenden Mieten und verlangt stattdessen eine Verteuerung der Mobilität.

Legende: Video Die Verbände und ihre Meinung zur Energiestrategie abspielen. Laufzeit 01:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 31.01.2013.

Die Strombranche bemängelt die einseitige Diskriminierung von Strom und die ungezielte Förderung erneuerbarer Energien. Statt mit verbindlichen Effizienzvorgaben möchte sie den Energieverbrauch mit freiwilligen Zielvereinbarungen senken.

Städte und Gemeinden sollten mehr einbezogen werden

Konsumenten- und Umweltorganisationen unterstützen dagegen die Vorschläge des Bundesrats, fordern aber mehr Tempo. Sie wollen die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien schon im Jahr 2035.

Zu erreichen wäre dies mit Laufzeitbeschränkungen für AKW und mehr Fördermittel für erneuerbare Energien, insbesondere für Photovoltaik. Konflikte mit dem Gewässer- und Landschaftsschutz sollen mit der Ausscheidung von Schutzzonen begegnet werden.
 
Die Kantone sind sehr unterschiedlich betroffen, nicht zuletzt als Inhaber der Wassernutzungsrechte und Grossaktionäre der Schweizer AKW. Sie ringen noch um eine konsolidierte Stellungnahme, die sie am Freitag vorlegen wollen.

Der Städteverband verweist auf die bereits laufende Umsetzung der Energiewende in vielen Städten und Gemeinden und verlangt einen stärkeren Einbezug dieser
politischen Ebene in die Energiepolitik.
 

Architekten wollen energieeffizientere Gebäude

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund sieht in der Energiestrategie eine Chance für den Werkplatz und Forschungsstandort Schweiz. Das erste Paket von Massnahmen geht ihm aber zu wenig weit.

Einer weiteren Liberalisierung des Strommarkts erteilt der Gewerkschaftsbund bereits jetzt eine Absage. Travail Suisse seinerseits verlangt eine raschere Umsetzung der Energiestrategie und eine Vorreiterrolle der Schweiz im Bereich
Cleantech.
 
Die Berufsverbände der Ingenieure und Architekten unterstützen die Pläne des Bundesrats. Sie fordern aber, den Schwerpunkt bei der Energieeffizienz von Gebäuden noch zu verstärken.
 
Die Akademien der Wissenschaften Schweiz betonen, dass die Energiewende nicht auf Kosten der Klimaziele gehen dürfe. Da die Energiewende nur durch den gemeinsamen Willen von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft realisierbar sei, müsse die allgemeine Akzeptanz der Massnahmen gestärkt werden, schreibt die Organisation.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Udo Huber, FN in D
    Wenn die CH Industrie über die Landesgrenzen hinweg schaut, sieht sie dass die Energiewende die Strompreise für die Industrie senkt. ... Zumindest in D. Aktuelle Spotmarkt Preise: 34,98 Euro /Mwh in D / 50,70 Euro / Mwh in CH. Quelle: eex.com/de
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Schon wieder Abzocke!! Es ist mir klar, dass Architekten den Gebäudesanierungszwang unterstützen. Die nehmen auch Geld, wo Massnahmen gar nicht notwendig sind. Wenn jemand seine eigene Solaranlage auf dem Dach hat, könnten die ja nicht verdienen, denn hier braucht es keine Gebäudesanierung. Auch Leute, die sehr wenig Energie verbrauchen, ihre Sparsamkeit nützt ihnen nichts. Deshalb werden die Solaranlagen der Privaten behindert und das wird auch noch vom Bundesrat unterstützt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Adrian Christen, Thun
      Ein ungedämmtes Haus braucht so viel Energie zum beheizen, dass die PV-Anlage auf dem Dach bei weitem nicht ausreicht um das Haus warm zu halten. Gebäudesanierung und PV-Anlage haben nur am Rande etwas zusammen zu tun. Um die Gebäudesanierung kommen Sie, mit unseren heutigen Möglichkeiten einfach nicht herum. Das hat auch nichts mit Abzocke zu tun. Wenn Sie Ihr Geld lieber den Arabern für das Öl abgeben wollen, bitte schön. Sanieren wäre gescheiter, nicht nur ökologisch, sondern auch ö...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Armin Bühler, Chur
    Wenn der Gewerbeverband rechnen kann, dann wird er die Energiewende unterstützen: Denn Investitionen in Gebäudesanierungen, Stromdächer, Wärmepumpen, Biomassekraftwerke, Windturbinen etc. liefern den Ölscheichs weniger Umsatz und dem Schweizer Gewerbe umso mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 -Stans
      Logo!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen