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Debatte um die Dauer einer Quarantäne
Aus Tagesschau vom 05.09.2020.
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Infektion mit Coronavirus Reichen auch fünf Tage Quarantäne?

Wer sich möglicherweise angesteckt hat, muss sich selber 10 Tage isolieren. Diese Dauer steht jetzt zur Diskussion.

Wer im Verdacht steht, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, oder effektiv positiv getestet worden ist, muss in Isolation oder Quarantäne. Sie dauert in vielen Ländern unterschiedlich lange. In Deutschland sind es derzeit 14 Tage, in der Schweiz 10.

In Deutschland ist eine Debatte darüber ausgebrochen, ob die Dauer einer Selbstisolation zu Hause unter bestimmten Umständen auf fünf Tage verkürzt werden könnte. Die Frage nach der Dauer einer Quarantäne ist jetzt auch ein Thema bei den kantonalen Gesundheitsdirektoren.

Die Frage sei legitim, sagt Lukas Engelberger, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK): «Wir haben heute über 12'000 Personen in Quarantäne. Ich verstehe, dass das auch eine schwere Last ist für die Betroffenen und eine Behinderung für das Arbeitsleben.»

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Lukas Engelberger zum Anspruch an die Wissenschaftler
Aus Tagesschau vom 05.09.2020.
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Man wolle sich aber nicht unter Druck setzen lassen, sagt Engelberger. «Die Quarantäne muss so lange dauern, wie es eben wissenschaftlich Sinn macht, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren.»

Fehlende Datenbasis

Gefragt sind also die Wissenschaftler, aber ihnen fehlen die notwendigen Daten für Antworten, sagt Biologe Sebastian Bonhoeffer von der ETH Zürich. Er ist Mitglied der Covid-19-Task Force des Bundes.

«Die Datenlage ist nicht gut. Mir sind keine Daten bekannt, aus denen man das genau ableiten könnte.» Personen müssten während der Quarantäne mehrfach getestet werden, nach fünf, acht oder zehn Tagen. «Anhand dieser Daten könnte dann genau bestimmt werden, wann eine Quarantäne optimal abgebrochen werden kann», erklärt Bonhoeffer.

Mehr Studien, und zwar jetzt, fordert auch die Virologin Alexandra Trkola von der Universität Zürich. Der Zeitpunkt dafür sei ideal. «Wir haben jetzt konstant genügend Personen in Quarantäne. Das kann man jetzt, wenn man es konsequent angeht, innert weniger Wochen ermitteln.»

Wieder ein Schulterschluss gefragt

Die Virologin leitet ein Labor und weiss, wie aufwändig und teuer das Testen ist. Die Wissenschaft brauche darum auch Unterstützung durch die Behörden. Am Montag steht das nächste Treffen zwischen den kantonalen Gesundheitsdirektoren und Innenminister Alain Berset an.

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Alesandra Trkola: «Wir haben derzeit genügend Personen in Quarantäne»
Aus Tagesschau vom 05.09.2020.
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«Es braucht jetzt einen Schulterschluss zwischen den Behörden, wie man diese Phase der Quarantäne besser evaluieren kann, um die Fakten zu haben und mit Sicherheit sagen zu können, Ja, man kann verkürzen», sagt Trkola.

Engelberger unterstützt das: «Wenn die Wissenschaftler uns zeigen können, dass nach Tag 5 der Quarantäne nur noch wenige Fälle entdeckt werden, dann wäre es vermutlich sinnvoll, die Quarantäne zu verkürzen, um die Belastungen daraus zu reduzieren.»

Doch jetzt, wo die Fallzahlen in der Schweiz steigen und neue Lockerungen beschlossen wurden, sei eine verkürzte Quarantäne ein zu riskanter Versuch, mahnen die Wissenschaftler.

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Kann man die Quarantäne durch Tests ersetzen?
Aus Tagesschau vom 06.09.2020.
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Tagesschau, 05.09.2020, 19:30 Uhr;

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Stöckli  (Lac Léman-Fan)
    Ich möchte - endlich - erfahren: wieviele von den Tausenden von Menschen unseres Landes, die in Quarantäne mussten, wurden dann auch tatsächlich krank? Bei wievielen Menschen war die Quarantäne also "zu Recht" verordnet worden? Erkrankten 1000 oder 100 oder 10 Personen in Quarantäne an Covid19, oder vielleicht keine einzigen Person? Diese Zahlen werden uns seit Monaten vom BAG vorenthalten. Bitte, liefert diese Daten endlich!
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Wenn wir die Testresultate schneller bekommen würden. Z.B. PCR Test nach längstens 5 Stunden oder zuverlässige(re) Schnelltests, dann könnte man in der Tat durch mehrfaches Testen die Notwendigkeit der Quarantäne reduzieren. Leider haben wir diese Fähigkeiten noch nicht, somit sind 10 Tage das Mindeste was wir für die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitmenschen tun können.
  • Kommentar von Jacqueline Bisaz  (Grosi Jaquie)
    Was ich einfach vermisse, ist die Antwort auf die Frage, WO haben sich die meisten Leute angesteckt? Und wieviel sind gesund geworden? Dann könnte man das eigene Verhalten entsprechend anpassen.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Wenn Sie ehrlich mit sich selbst wären wüssten Sie genau wo sie anpassen sollten, falls es überhaupt nötig ist. Falls Sie die Regeln strikt einhalten bedarf es keiner Anpassung. Geniessen Sie das Leben!