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Schweiz Ist die Schweiz eine Drehscheibe für syrische Raubkunst?

Die Terrorgruppe Islamischer Staat finanziert sich über den Handel mit Öl – aber nicht nur: Auch Kulturgüter sollen zu den Einnahmequellen der Islamisten gehören. Die Schweiz als eine der wichtigsten Drehscheiben für Kulturgüter ist besonders gefordert.

Der Kauf und Verkauf von Kulturgütern aus Syrien ist in der Schweiz nicht grundsätzlich verboten, obwohl dort schon seit über drei Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Den Handel mit Kulturgütern aus dem Irak hatte der Bundesrat hingegen schon nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 unterbunden, und zwar als erstes Land weltweit.

Andrea Raschèr war beim Bundesamt für Kultur zuständig für die Irak-Verordnung. Heute ist er Berater für Kultur- und Kunstrecht. Für ihn ist schwer verständlich, dass die Irak-Verordnung nicht auf Syrien übertragen wurde. «Für eine versierte Juristin wäre das in circa 90 Minuten machbar», sagt er gegenüber SRF.

Neue Syrien-Verordnung in Arbeit

Der Bundesrat entschied zwar, dass keine Rüstungs- oder Luxusgüter nach Syrien geliefert werden dürfen. Der Handel mit syrischem Kulturgut wurde dabei jedoch nicht erwähnt. Die Massnahmen gegenüber Syrien würden derzeit überarbeitet, erklärt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage. Im Rahmen dieser Überarbeitung würden auch Restriktionen betreffend Kulturgüter geprüft.

Obwohl nicht bekannt ist, ob und wie viele syrische Kulturgüter schon in die Schweiz gelangt sind, hält Raschèr solche Einschränkungen für sinnvoll. Das habe auch die Irak-Verordnung gezeigt, bei der die Abschreckung im Vordergrund gestanden sei. «Sie wurde erlassen mit dem Ziel, ganz klar zu signalisieren: Es lohnt sich nicht, irakische Kulturgüter in der Schweiz zu verkaufen. Es gibt hohe Strafen. Die Güter werden beschlagnahmt.»

Bedeutendes Land für den Kunsthandel

Gerade für die Schweiz sei es wichtig, ein Zeichen gegen syrische Raubkunst zu setzen, auch ohne UNO-Resolution, betont Raschèr. «Die Schweiz ist unter den sechs wichtigsten Kunsthandelsnationen weltweit. Deshalb besteht das Risiko, dass die Schweiz als Drehscheibe missbraucht wird durchaus.»

Die Europäische Union hat bereits ein Einfuhr- und Handelsverbot für syrische Kulturgüter beschlossen. Wann sich der Bundesrat mit solchen Massnahmen beschäftigen wird, lässt das Seco offen.

ICOM-Notfall-Liste

ICOM-Notfall-Liste

Der Internationale Museumsrat (ICOM) veröffentlichte 2013 eine «rote Liste» der syrischen Kulturgüter, die besonders gefährdet sind, illegal gehandelt zu werden.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Die Schweizer Gesetzgebung ladet gerade dazu ein, als Drehscheibe für Raubgut zu fungieren - 's war schon immer so ...
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  • Kommentar von Gerhard Schweizer, Bern
    Leider muss man feststellen, dass es wohl kein schmutziges Geschäft gibt, bei dem sich die Schweiz nicht früher oder später als Drehscheibe herausstellt.
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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Wenn überhaupt sind es einzelne Personen in der Schweiz - aber nicht DIE Schweiz.
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    1. Antwort von pierino cerliani, zürich
      klar - es sind immer die anderen, wahrscheinlich sowieso alles ausländer. und wenn nicht wir den reibach mit raubkunst machen, tut es ein anderer. (warum ich mit der schweiz zunehmend meine liebe mühe habe.)
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    2. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      P. Cerliani vielleicht haben Sie mühe, weil sich die Schweiz als neutraler Staat verhaltet und niemand ausschliesst. Dies kann wiederum auch zu Probleme führen. Aber ich denke, dass diese Kulturgüter, wieder in das Herkunftsland zurück geführt werden, wenn wieder normale friedliche Verhältnisse in den Kriegsgebieten sind. Irgendwo sollten ja diese Güter Bewahrt werden, damit sie nicht beschädigt werden. Man kann nur hoffen dass die Menschheit wieder einmal zur Vernunft kommt und Kriege beendet.
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    3. Antwort von andreas furrer, furrer
      keine angst marlies artho, die volksseele wird auch in tausend jahren noch rein durchs all schweben (mit zugehörigem kulturgut).
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    4. Antwort von David Brönnimann, Basel
      Natürlich geschieht das illegale Handeln mit Raubkunst aus Syrien und anderen Ländern durch Personen. ABER: Die SCHWEIZER Politiker machen nichts dagegen, obwohl drigend Handlungsbedarf besteht. Und diese untätigen SCHWEIZER Politiker wurden von wem gewählt? Richtig: Von den SCHWEIZERN. Alles klar?
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    5. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      A. Furrer Weiss nicht was Sie meinen, mit der Volkseele, die in tausend Jahren noch rein durchs all schweben (mit zugehörigen Kulturgüter). Können Sie mir erklären, was damit gemeint ist und ob diese Kulturgüter "tatsächlich" der Volkseele gehört? Kann dies nicht ganz nachvollziehen, auf was Sie hinaus wollen.
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    6. Antwort von andreas furrer, prilly
      @ marlies artho: dann müssen sie die unausschliessliche neutralität vielleicht besser erklären und warum kulturgüter rückgeführt werden müssen.
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    7. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      B. Brönnimann Können Sie mir sagen welcher Regierung kann man noch trauen auf dieser Welt? Wo wird man nicht von der Politik hintergangen? Ach ja, die Menschheit besteht schon so lange und die Frage stellt sich immer noch, was haben wir gelernt, im Umgang mit Menschen und Materialien. Sokrates schrieb vor 1000 Jahren (gescheiter sind wir nicht geworden, wir wissen nur mehr).
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    8. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      A. Furrer Neutralität verstehe ich, dass man mit allen gleich umgeht und achtet.Dass vorübergehend diese Kulturgüter hier gelagert werden dürfen (leider sind diese nicht legal),darum müssen diese Kulturgüter wieder dorthin gebracht werden,wo sie entfernt wurden,sie gehören nicht uns, sondern diesem Land wo sie herkommen.Dies ist mein Verständnis für Neutralität.Aber vielleicht wird Neutralität auch ausgenützt,um div. Ungereimtheiten zu untergraben,dies weiss ich nicht,da ich nicht Fachfrau bin.
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    9. Antwort von andreas furrer, prilly
      @ marlies artho: sokrates schrieb überhaupt nichts (das machte platon für ihn) und dann lebte er nicht vor tausend sondern zweieinhalbtausend jahren. ihr neutralitätsbegriff untergräbt tatsächlich diverse ungereimtheiten (oder deckt sie - je nach bedarf). für geschäfte wie die obigen ist er geradezu ideal. interessanter als das was ich nicht mit diesen kulturgütern zu tun habe, finde ich, was ich mit ihnen zu tun habe (neutralität ist da nicht mehr als ignorranz).
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    10. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      A. Furrer danke für Ihre Antwort. Ja es stimmt es war vor 2500 Jahren. Habe falsch interpretiert sorry. Mag sein dass die Neutralität ignoriert wird, was ich auch nicht goutiere. Aber wenn solche Angelegenheiten passieren, wird dies leider oft, auf die ganze Schweiz (Bevölkerung) abgewälzt, was ich nicht ganz richtig finde. Wir können wohl Politiker wählen, aber wir wissen nicht,was sie im Amt alles bewerkstelligen, im positiven, wie im negativen Sinn.
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