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Jahrbuch zur Medienqualität Schweizer Medien stecken in einer Negativspirale

Legende: Video Schweizer Medien kämpfen abspielen. Laufzeit 02:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.10.2018.
  • Die Schweizer Informationsmedien haben wegen Werbegeldern, die Google, Facebook und Co. zufliessen, weiter an Boden verloren.
  • Zudem zeige sich eine «besorgniserregende Medienkonzentration», die zu einem markanten Vielfaltverlust in der Berichterstattung führe.
  • Dies geht aus dem Jahrbuch 2018 «Qualität der Medien», Link öffnet in einem neuen Fenster des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich hervor.

Eines der Hauptprobleme der Schweizer Medien heisst Google. Denn der Suchmaschine fliessen immer mehr Werbegelder zu – inzwischen schon Dreiviertel der gesamten Budgets für Onlinewerbung. Das sind fast 1,5 Milliarden Franken, die nicht bei Ringier, Tamedia oder der NZZ landen.

Als Folge dieser «Plattformisierung» – das heisst, des weiter zunehmenden Einflusses von Google und Facebook – befänden sich die Schweizer Informationsmedien in einer Negativspirale, so die Bilanz des Jahrbuchs.

Der Anteil journalistisch Beschäftigter sinkt seit 2011 kontinuierlich, während der Anteil der Berufstätigen im PR-Sektor ebenso kontinuierlich wachse.

Legende:
Medienqualität Beschäftigte im Schweizer Zeitungs- und Verlagswesen. Universität Zürich

Weniger Ressourcen, weniger Qualität: Auf diese einfache Formel bricht Mark Eisenegger, Professor für Medienwissenschaften an der Universität Zürich, die aktuelle Entwicklung herunter: «Die Perspektivenvielfalt und das Themenspektrum nehmen am stärksten ab, und auch die Einordnungsleistung, die Ursachen- und Wirkungszusammenhänge aufzeigen soll, leidet.»

Nachteil für die Demokratie

Dass die Vielfalt leide, habe insbesondere mit der «besorgniserregenden Medienkonzentration» zu tun. So beliefert seit diesem Jahr eine Zentralredaktion alle Deutschschweizer Zeitungen von Tamedia, also etwa den «Tages-Anzeiger», den «Bund» und die «Berner Zeitung». Seither werde in allen diesen Zeitungen meist die gleiche Abstimmungsempfehlung abgedruckt.

Weniger Vielfalt, das sei auch ein politisches Problem, sagt Eisenegger: «Wenn ich nur noch mit wenigen Meinungen konfrontiert werde, dann leidet mein Meinungsbildungsprozess.» Das sei ein Nachteil für die Demokratie.

Mark Eisenegger
Legende: Mark Eisenegger, Professor für Medienwissenschaften: Für das Jahrbuch haben Forscher der Universität Zürich über 26'000 Artikel und Beiträge von 66 Schweizer Medientiteln untersucht. Keystone

Und es gibt noch eine weitere Entwicklung, die dem Medienwissenschaftler Sorgen macht: Im Jahr 2018 erreicht die Gruppe der sogenannten News-Deprivierten – Personen, die News nur noch sporadisch und von zumeist minderer Qualität konsumieren – einen Rekordwert von 36 Prozent.

Sie ist damit die mit Abstand grösste Mediennutzungsgruppe in der Schweiz, und sie wächst weiter. Bei den jungen Erwachsenen gehört schon jeder Zweite dazu. Jene Gruppe ist auch am wenigsten gewillt, für News zu bezahlen, und die Bindung an traditionelle Medienmarken ist entsprechend tief.

Sparmassnahmen ohne Not

Aber auch einzelne Schweizer Verlagshäuser setzten dem System der Informationsmedien zu. Sie richteten ihre Strategien partiell auf den nicht publizistischen Bereich aus und stellten – teilweise ohne Not, das heisst trotz erheblicher Unternehmensgewinne – nicht lukrative publizistische Einheiten ein, stiessen sie ab oder fassten sie in Verbundsystemen zusammen.

Angesichts der Entwicklung bezeichnen die Autoren es als bemerkenswert, dass die Medienqualität in der Schweiz nach wie vor hoch sei. Aber sie sinke.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Aus demokratischer Sicht ist dies verheerend, weil einige linke Schreiberlinge damit das Monopol haben und Gesinnungsdiktatur a la carte betreiben .
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    1. Antwort von L. Drack (samSok)
      Sehen Sie, Ihre „demokratische Sicht“ ist eine vermeindliche. Die Monopolisierung ist sehr wohl schädlich für die Demokratie, die Anballung aber im bürgerlichen, eher konservativen Lager zu orten. „Linke Schreiberlinge“ finden Sie dagegen in kleineren, noch unabhängigen Titeln (Bsp.e weiter unten erwähnt)
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Wir haben eine massive Medienmonotonie. Der einzige Ausbrecher der Querschreibt ist die Weltwoche. Sie ist die einzige Bereicherung in dieser Monotonie. Die Meinungsvielfalt hat der Journalismus selbst abgeschafft. Wenn ich 10 Zeitungen lese, so lese ich 10 mal das selbe.
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    1. Antwort von L. Drack (samSok)
      Richtig, ihr erster Satz, Herr Schmidlin. Aber schon beim zweiten haperts, denn Bereicherung wächst zum Glück noch an einigen andern Orten - z.B. gedruckt und digital die WOZ, nur digital die Republik.
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    2. Antwort von Ueli Lang (Wochenaufenthalter)
      Ich bezweifle ihre Aussage über die Medienmonotonie. Das Problem liegt woanders. Die meisten Medien berichten über die identischen Themen. Man kann für oder gegen eine Vorlage sein. Es gibt also nur zwei Hauptmeinungen mit gewissen Nuancen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Auch die Weltwoche berichtet über bestimmte Ereignisse nach ihren Worten "monoton". Letztendlich kann man nämlich auch in ihrer Redaktion, die Realität nicht für obsolet erklären!
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Wie soll Qualitätsjournalismus unterstützt werden? Qualitätsjournalismus in Print- und Onlinemedien unterstützen JA, aber bitte nur über einen Teil der SRG-Zwangsabgaben und nicht über allgemeine Steuermittel.
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