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Jugendliche Kriminelle Je schwerer die Straftat, desto grösser das Rückfallrisiko

Wer als Jugendlicher verurteilt wird, weist im Erwachsenenalter ein erhöhtes Rückfallrisiko auf. Das zeigt eine Analyse des Bundesamts für Statistik.

Legende: Video Jugendstraftäter werden später häufiger rückfällig abspielen. Laufzeit 1:37 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.05.2017.
  • Ein Viertel der jugendlichen Straftäter wird als Erwachsener erneut verurteilt – das zeigt die neuste Studie des Bundesamtes für Statistik.
  • Besonders hoch ist dabei das Risiko bei verurteilten Männern.
  • Weitere Risikofaktoren sind zahlreiche Vorstrafen im Jugendalter sowie schwere Straftaten im Kindes- und Jugendalter.

Für die Analyse wurden Fälle von Schweizer Straftäterinnen und -täter mit Jahrgang 1992 untersucht. Das Ergebnis: 25 Prozent der Jugendlichen, die im jungen Alter straffällig wurden, sind mit 18 bis 23 Jahren von einem Erwachsenengericht erneut verurteilt worden.

Besonders oft rückfällig werden laut der Studie Männer. Viermal häufiger als Mädchen werden die Jungen als Erwachsene wieder straffällig. Zudem machen sie mit 73 Prozent bei den verurteilten Jugendlichen die klare Mehrheit aus.

Je mehr Urteile, desto höher das Rückfallrisiko

Ein weiterer Zusammenhang, der aus der Studie hervorgeht: Je mehr Jugendurteile gegen eine Person ausgesprochen werden, desto häufiger kommt es zu einer Verurteilung im Erwachsenenalter.

Auch die Schwere der Straftaten ist offenbar entscheidend: Je schwerer die Straftat, desto wahrscheinlicher ist ein Rückfall. Sind die Straftaten dann auch unterschiedlicher Natur, ist die Rückfallwahrscheinlichkeit besonders erhöht.

Allan Guggenbühl: Nulltoleranz bei Gewaltdelikten

Den Jugendpsychologen Allan Guggenbühl überraschen die Zahlen des BFS nicht. Er mache ähnliche Erfahrungen mit den Jugendlichen, mit welchen er zusammenarbeite. Für Guggenbühl gilt die Devise «einmal ist keinmal»: Beim ersten Delikt müsse man eine Massnahme aussprechen und mit den Jugendlichen arbeiten. Bei Wiederholungstätern allerdings «braucht es andere Massnahmen», sprich harte und konsequente Bestrafung.

Dabei, gibt der Jugendpsychologe zu bedenken, dürfe man nicht ausser Acht lassen, dass Jugendliche heutzutage viel schneller wegen Bagatelldelikten erwischt und verurteilt würden als früher. Deshalb müsse immer auch die Schwere der Straftat in ein Urteil einfliessen. Ganz klar Nulltoleranz gebe es allerdings bei Gewaltdelikten gegen Leib und Leben.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Guggenbühl übersieht in seinem Kommentar, dass schon sehr viele Bagatelldelikte während dem Verfahren genau weil es um eine Bagatelle geht, eingestellt werden. Eingestellt wird auch, wenn bereits eine «Strafe» ausgesprochen wurde, z.B. durch die Schule wegen Sachbeschädigung auf dem Schulareal. Wer dort tagelang mit dem Abwart gearbeitet hatte, bekommt nicht noch eine Strafe nach Jugendstrafgesetz. Gleiches gilt für Erwachsene unter strengeren Vorzeichen (StGB 53).
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  • Kommentar von markus kohler (nonickname)
    Dieses Zahlenmaterial ist ideal für die Politik, da lässt sich nun alles damit untermauern. Eine weiche Haltung im Jugendstrafrecht, da die Massnahmen bei 75% greifen, eine härtere Gangart, da ein Viertel rückfällig wird. Noch mehr Pädagogik, gar nichts ändern etc. Die Ergebnisse sind kriminologisch völlig banal und es fragt sich warum sich die Wissenschaft immer mehr für inhaltlose Zahlenstaplerei interessiert.
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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Wie die Alten gesungen so zwitschern die Jungen.
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