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Blutvergiftung bei Kindern Jede dritte Infektion entsteht im Spital

Blutvergiftungen gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Viele dieser Infektionen passieren im Spital.

Legende: Audio Besonders gefährdet sind geschwächte Kinder abspielen. Laufzeit 01:32 Minuten.
01:32 min, aus Info 3 vom 26.07.2017.

Jede dritte dieser Infektionen in der Schweiz entsteht im Spital, wie eine nationale Studie der Schweizer Kinderspitäler zeigt. Während vier Jahren haben die zehn grössten Kinderspitäler der Schweiz die Ursachen und Folgen von Sepsis (Blutvergiftung) bei Kindern erforscht. Fast 1200 Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren erkrankten während des Zeitraums dieser nationalen Studie von September 2011 bis Ende 2015.

Die Ergebnisse, die kürzlich im Fachblatt «The Lancet Child & Adolescent Health» erschienen sind, zeigen erstmals, welche Kinder durch welche Keime erkranken, wie schwer die Infektionen verlaufen und was die Folgen sind. Das teilte das Inselspital Bern mit.

«Sepsis betrifft einerseits vorher gesunde Kinder mit zum Teil sehr schweren Verläufen», fasste Philipp Agyeman vom Inselspital die Resultate zusammen. «Andererseits entstand ein Drittel aller Sepsisfälle durch Bakterien, welche die Kinder bei einem Spitalaufenthalt erwarben.»

Frühchen besonders gefährdet

Von 1181 Fällen von Blutvergiftung, betrafen 382 (32 Prozent) zuvor gesunde Kinder, 402 (34 Prozent) Neugeborene und 397 (34 Prozent) Kinder mit bereits vorhandenen Krankheiten. Frühgeborene sowie Kinder, die eine Chemotherapie durchlaufen oder auf die Intensivstation kommen, sind laut der Studie besonders gefährdet.

Die häufigsten Erreger waren Escherichia coli-Bakterien mit rund 20 Prozent der Fälle, Staphylococcus aureus (15 Prozent), Koagulase-negative Staphylokokken (11 Prozent) und Streptococcus pneumoniae (10 Prozent).

82 der Kinder starben an der Infektion, die Sterberate lag demnach bei 7 Prozent von allen untersuchten Fällen. Bei den Neugeborenen lag die Rate bei 11 Prozent, bei Kindern mit weiteren Krankheiten bei 7 und bei zuvor gesunden Kindern bei 3 Prozent.

Vorbeugen könnte viel verhindern

Die Erfahrung aus anderen Ländern zeige, dass sich in der Schweiz ein Teil der Sepsis-Fälle wohl durch bessere Prävention verhindern liesse, betonen die Autoren. «Besonders bei Früh- oder Neugeborenen oder bei Kindern mit einer Grunderkrankung muss hier angesetzt werden», sagte Christoph Berger vom Kinderspital Zürich. Häufige Spitalaufenthalte oder auch ein Venenkatheter erhöhen das Infektionsrisiko.

Sepsis ist eine schwere bakterielle Infektion, die ohne Behandlung schnell zum Organversagen und Tod führt. Weltweit sterben jährlich mehrere Millionen Kinder an einer Blutvergiftung. In der Schweiz erkrankt pro Tag im Schnitt ein Kind daran.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Benjamin Thiel (BThiel)
    Ich empfehle dringend einen Blick in die Niederlande, Patienten aus z.b. Deutschland müssen dort aus diesem Grund erstmal immer unter Quarantäne.
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  • Kommentar von Helena Müller (Helena Müller)
    Ich bin mit Denise Casagrande einig - je mehr Kunststoffe und Chemie wir in unserer Welt haben, umso mehr werden wir krank - ergo: brauchen wir Spitäler, die wiederum das ihre dazu (siehe oben) mit Medis etc. beitragen. Und dann wundern wir uns? Die Frage ist, wo ist es möglich, den Teufelskreis zu durchbrechen ..
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Heute wollen die Politiker Gross-Spitäler. Regional-Spitäler sollen geschlossen werden. Soweit ich es beurteilen kann, ist das Risiko in Regional-Spitälern kleiner, mit residenten Erregern angesteckt zu werden. Noch ein Grund, keine Regionalspitäler zu schliessen.
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