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Schweiz Jeder dritte Lehrvertrag landet im Schredder

Fast jeder dritte Lehrvertrag in der Schweiz wird vorzeitig aufgelöst. Im Gastgewerbe und bei Coiffeur- und Schönheitspflegeberufen gar jeder zweite. Falsche Berufswahl, ungenügende Leistungen in der Schule, das sind die Hauptgründe. In Winterthur versucht man, auf diese Gründe zu reagieren.

Legende: Video Häufige Auflösung von Lehrverträgen abspielen. Laufzeit 04:18 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.12.2013.

Im Jahr 2012 lag die Quote aufgelöster Lehrverträge bei insgesamt bei 28,8 Prozent. Dabei reicht die Spanne von wenigen Prozenten – wie bei Sport- und Fremdenverkehrsberufen – bis zu einer satten Hälfte aller abgeschlossenen Verträge, wie das im Gastgewerbe beispielsweise der Fall ist. Dies belegen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik, die «10vor10» vorliegen.

Patrizia Staub ist von der hohen Anzahl an Lehrvertragsauflösungen nicht überrascht. In der Sendung «10vor10» nennt die Laufbahnberaterin beim Berufsinformationszentrum (BIZ) in Zürich die Hauptgründe für Lehrvertragsauflösungen: «Falsche Berufswahl, ungenügende Leistungen in der Schule oder jemand lässt sich am Arbeitsplatz etwas zu Schulden kommen, klaut zum Beispiel.»

Legende:
Aufgelöste Lehrverträge 2012 Auflösungen nach Ausbildungsfeld BFS

Weil Lehrlinge oft an schlechten Leistungen in der Schule scheitern, bietet Lehrmeister Renzo Canonica seinen Lehrlingen wenn nötig im Betrieb Nachhilfestunden. Das Ausbildungszentrum Winterthur (AZW), das rund 400 Lehrlinge ausbildet, habe unter anderem deshalb sehr wenig Lehrlinge, die ihren Vertrag vorzeitig auflösen müssen, ist Canonica überzeugt.

Canonica ist Vorstandsmitglied der Lehrmeistervereinigung ALMEZ und fordert, dass die praktische Arbeit in einer Lehre wieder stärker gewichtet wird, so dass auch schwächere Schüler, die gute Praktiker sind, eine Chance haben. «In der Schule kann man später in der Weitbildung immer noch dazulernen.»

Jeder 10. Lehrling bleibt auf der Strecke

Dr. Evi Schmid vom Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB hat Lehrlinge befragt, die ihren Vertrag auflösen. Sie sagt, einen Lehrvertrag auflösen heisse nicht, dass jemand die Lehre abbreche.

Die Erkenntnis ihrer Studie in den Kantonen Bern und Zürich: Die meisten Lehrlinge wechseln den Betrieb oder das Niveau der Lehre und fahren spätestens nach einem Jahr mit der Ausbildung weiter. Jeder dritte Lehrling hat jedoch nach drei Jahren immer noch keine neue Stelle.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von M. Koch, Luzern
    Tja, und Einstein hatte scheinbar wieder recht, wenn ich mir diese SMS-Handy-Generation beobachte. Einstein-Zitat: "Wenn die Technologie die Menschheit überholt, werden wir eine Generation von Idioten haben".
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  • Kommentar von Franziska Widmer, Münsingen
    @Keller und @Christen: Was ich kurz zusammen gefasst sagen wollte: Learning by doing. Mehr praxisbezogen und weniger theoretisches "Auswendiglernen". Anwenden können, was man lernt, dann geht s nicht gleich wieder vergessen. Auch selber denken (das motiviert) und nicht nur alles machen müssen, was dikitiert wird. Weniger Hausaufgaben (das sagt auch Remo Largo), dafür Zeit für Sport, Musik und Werken. Sitzen: das fördert Bürojobs und Studium, nicht aber wertvolle handwerkliche Berufe.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      WANN soll das stattfinden? Wo die Mittlere Generation noch an zwei Nachmittagen "frei" hatte (und Aufgaben löste, beim "Sport" waren etc), sind die Kids am WE in Vereinen etc, ausserhalb der Schule in der Nachhilfe/ausserschulischen Kursen, in den Ferien (wo unsereins frei hatte) in Praktikas/Schnupperlehren/Sprachaufenthalten. Die Kids haben doch keine Freizeit mehr um das zu tun, was sie vorschlagen. Vgl. Förderkurse für 3Jährige! Lassen wir Kindern ihre Kindheit!! Das ist auch wichtig!
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    2. Antwort von E. Waeden, H
      @F. Widmer: Stimme Ihnen zu. Theorie, welche auf den Beruf bezogen ist, bleibt haften, alles andere vergisst man wieder. Leider wird heute auch bei handwerklichen Berufen immer mehr auf schulische Noten, statt auf die Begabung geachtet.
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    3. Antwort von Franziska Widmer, Münsingen BE
      @ Keller und Waeden. Danke für Ihre Kommentare. Ich finde auch, die Kinder sollten möglichst lange Kinder bleiben und spielen können. Im Spielen lernen sie nämlich intuitiv das, was sie für das Leben brauchen. Viele handwerklich begabte Kids haben Mühe lange still zu sitzen und mit Papier und Bleistift beschäftigt zu sein. Aus diesem Grund haben wir uns vor 5 J. entschieden, die "Schulstube" in unser Wohnzimmer zu verlegen (Homeschooling). Wir haben es noch keinen Tag bereut!
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  • Kommentar von T.Hofer, Rosshäusern
    Da gibt es nur Eines: In den neuen Harmos-Lehrplan muss das Kompetenzziel "die Lehre durchziehen können" mit aufgenommen werden...
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