Weihnachtsbäume vom Bauernhof «Jeder verkaufte Baum ist ein schöner Baum»

Das Ende der Direktzahlungen und die Konkurrenz aus dem Ausland machen den Christbaumzüchtern zu schaffen. Neue Ideen sind gefragt. Auf dem Hof der Wälchlis sind das Schafe.

Gross, klein, breit, schmal, Nordmanntanne, Fichte: Über 60'000 Bäume wachsen auf der Plantage im bernischen Oberaargau bei Paul Wälchli. Er werde manchmal gefragt, was einen schönen Baum ausmache. Seine Antwort: «Für mich ist jeder verkaufte Baum ein schöner Baum.» Wie er letztlich aussehe, sei egal. «Hauptsache, er ist weg. Weg und bezahlt.»

Etwas ausgefallenere Modelle als bei Grossverteilern

Wälchli und seine Frau Pascale verkaufen die meisten Bäume via Grosshandel, einige aber auch ab Hof. «Ich bin immer wieder erstaunt, was für Bäume die Leute zum Teil mitnehmen.» Sie entsprächen nicht den Qualitätsrichtlinien von Migros und Coop. «Sie sehen hier etwas anders aus. Zum Beispiel dieser hier mit zwei Giebeln», erzählt Paul Wälchli.

«  Ich bin immer wieder erstaunt, was für Bäume die Leute zum Teil mitnehmen. »

Paul Wälchli

Zwei Giebel, das ist eigentlich kein guter Christbaum. Ein solcher wächst regelmässig und nicht zu sehr in die Höhe. Um das zu verhindern, kneift Wälchli den Baum in den Stamm. «Man sieht hier die Narbe. Die macht man mit einer speziellen Zange, damit der Baum nicht zu schnell wächst.» Das sei Chefinnensache, sagt er, an seine Frau gewandt. «Nachher schaut man mit der Baumschere, wie regelmässig die Zweige gewachsen sind. Diesem fehlen jetzt ein paar.»

Schafe als Rasenmäher anstelle von Herbizideinsatz

«Da waren wahrscheinlich die Schafe dran, das kann man fast nicht vermeiden», erklärt Pascale Wälchli. Kein Problem, sagt ihr Mann: «Dann stutzen wir ihn einfach auf der anderen Seite auch etwas.» Die englischen Shropshire-Schafe sind Wälchlis «Rasenmäher», wie er sie nennt. «Die sind für uns sehr gut auf diesen Hügeln. Ich möchte hier nicht unbedingt mähen müssen. Ab und zu muss halt ein Bäumchen dran glauben, aber das ist gut, auch für die Schafe.»

Andere Tannenbaum-Produzenten mähen oder spritzen das Gras gar mit Herbizid weg. Wälchlis Plantage ist dagegen naturnah, mit den Schafen, den Hochstammbäumen gegen Vogelschäden und der Ausgleichsfläche – die ist allerdings vom Bund vorgeschrieben. Ein Ärgernis für den Bauern: «Obschon wir keine Direktzahlungen mehr kriegen: Vorschriften machen sie uns trotzdem.»

«  Ab und zu muss halt ein Bäumchen dran glauben, aber das ist gut, auch für die Schafe. »

Paul Wälchli

Die Direktzahlungen – ein grosses Thema unter Tannenbaum-Produzenten.
Heute kriegt Wälchli zwar Geld für die Schafe in seinem Stall. Doch die 10'000 Franken für die Tannenbäume gibts nicht mehr. Im letzten Agrarprogramm des Bundes sollte es keine Zahlungen für Tannenbäume und Tabak mehr geben. Doch es kam anders: «Kurz bevor das Gesetz in Kraft trat, hatte sich der Tabakverband für Zahlungen stark gemacht und es mit der Brechstange geschafft, dass sie wieder reinkamen.»

Tannenbäumler von Tabak-Lobby vor den Kopf gestossen

Das sei nur passiert, weil der Tabak die bessere Lobby habe, so Wälchli. «Wir versuchen jetzt mit zwei Anwälten, ob wir rückwirkend noch etwas erreichen können.» Der Fall liegt seit Oktober beim Bundesverwaltungsgericht. Es geht darum, dass Tannenbäume anders behandelt würden als Tabak, Obstbäume und Reben. Einen vergleichbaren Fall hat es bisher nicht gegeben. Der Ausgang ist offen.

«  Wir haben weniger Lohn und müssen mehr arbeiten. Die Rechnungen bleiben gleich. »

Paul Wälchli

In diesem Jahr hat Wälchli weniger Geld für seine Bäume erhalten. Denn auch die Konkurrenz aus dem Ausland drückt die Preise: «Wir haben weniger Lohn und müssen mehr arbeiten. Die Rechnungen bleiben gleich: haben oder nicht haben.» Nur mit Qualität kann man in der Schweiz als Tannenbaum-Produzent bestehen. Deshalb hegt und pflegt die Familie Wälchli ihre Christbäume das ganze Jahr über.

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