Jeder zahlt 632 Franken pro Jahr – die Folgen des Alkoholismus

Wohl kaum ein anderes Genussmittel verursacht solche gesellschaftlichen Kollateralschäden wie der Alkohol. 4,2 Milliarden Franken jährlich. So gravierend schätzt eine BAG-Studie die gesellschaftliche Belastung durch den Alkoholismus ein. Pikant: männliche Trinker kosten mehr als weibliche.

Aufnahme einer Person in grünem Gegenlicht, die aus einem Weinglas trinkt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schweizer Unternehmer beklagen wegen übermässigen Alkoholkonsums 1,7 Milliarden Franken Verlust. Reuters

Im Jahr 2010 beliefen sich die gesellschaftlichen Kosten des Alkoholkonsums in der Schweiz auf 4,2 Milliarden Franken.

Diese Summe entspricht etwa 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) – oder 632 Franken pro Kopf, wenn man sie auf alle in der Schweiz lebenden über 15-jährigen Personen (6,7 Millionen) verteilt. Die Zahlen entstammen einer neuen Studie, die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Auftrag gegeben wurde.

Der Konsum von Alkohol erhöht laut den Autoren nicht nur die Gesundheitsausgaben, er führt auch zu Produktivitätsverlusten bei Unternehmen und belastet die Gesamtwirtschaft durch frühzeitige Todesfälle. «Es liegt im Interesse aller, diese Kosten zu senken», hält das BAG in einer Mitteilung fest.

Gabriela Scherer vom BAG im Gespräch

3:08 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.03.2014

Frühpension und tot gesoffen

Den grössten Teil der Kosten trägt die Wirtschaft, nämlich 80 Prozent oder 3,4 Milliarden Franken. Wer zu viel trinkt, fehlt manchmal am Arbeitsplatz und bringt dort nicht immer die volle Leistung. Allein für die Unternehmen hatte der Alkoholkonsum im Jahr 2010 deshalb Verluste von 1,7 Milliarden Franken zur Folge.

Die restlichen wirtschaftlichen Kosten gehen auf Frühpensionierungen und vorzeitige Todesfälle als Folge von Alkoholmissbrauch zurück.

Eine Viertelmilliarde alleine für die Strafverfolgung

Die direkt durch Alkoholkonsum verursachten Kosten, also Aufwendungen im Gesundheitswesen und in der Strafverfolgung, machen laut Studie 20 Prozent der Gesamtrechnung aus.

Der Hauptteil (613 Millionen Franken) fiel 2010 im Gesundheitswesen an, etwa wegen Verletzungen durch alkoholbedingte Unfälle oder der Hospitalisierung junger Menschen mit einer Alkoholvergiftung.

Die Kosten für die strafrechtliche Verfolgung von alkoholbedingten Delikten beliefen sich auf 251 Millionen Franken. Dazu zählen Gewalttaten oder Fahren in angetrunkenem Zustand.

Schwarzweiss-Aufnahme eines Jugendlichen, der betrunken an einem Tisch im Freien schläft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Männer sind die Sorgenkinder. Fallen sie aus, verursachen sie meist höhere Folgekosten. Keystone

Gut im internationalen Vergleich...

Es fällt auf, dass die Männer insgesamt höhere Gesundheitskosten aufweisen als die Frauen. Dies liege vor allem daran, dass Männer mehr Alkohol trinken, schreiben die Autoren. Auch der wirtschaftliche Produktivitätsverlust fällt bei den Männern höher aus. Der Grund: Männer arbeiten weniger Teilzeitarbeit und verdienen im Durchschnitt mehr. Entsprechend kommt ein Arbeitsausfall teurer zu stehen.

Im internationalen Vergleich liegen die Alkoholkosten für die Gesellschaft in der Schweiz mit einem Anteil von 0,7 Prozent am BIP am unteren Ende der ausgewiesenen Bandbreite. Die meisten Länder weisen laut Studie Werte zwischen 1 und 2 Prozent aus, teilweise gingen sie bis zu 5,5 Prozent.

...aber kaum vergleichbar

Vergleiche mit anderen Ländern seien mit Vorsicht zu ziehen, hiess es dazu beim BAG. Die Erhebungsmethoden könnten variieren, was einen Vergleich erschwere. Dasselbe Problem stelle sich beim Vergleich mit älteren Studien.