Zum Inhalt springen

Schweiz Jugendgefängnisse bleiben leer

Die Anzahl straffälliger Jugendlicher nimmt ab. Das macht jenen Anstalten zu schaffen, in denen die jungen Straftäter untergebracht werden: Nun stehen sie plötzlich leer.

Legende: Video «FOKUS: Jugendgefängnisse stehen leer» abspielen. Laufzeit 4:47 Minuten.
Aus 10vor10 vom 25.01.2016.

Vor einigen Jahren gab es für jugendliche Straftäter zu wenige geeignete Vollzugsplätze. Für viel Geld haben die Behörden nachgerüstet. Doch nun stellt sich ihnen ein anderes Problem: Weil einerseits die Anzahl straffälliger Jugendlicher abnimmt und andererseits weniger Jugendliche in Heimen platziert werden, stehen diese geschlossenen Abteilungen und Heime nun teilweise leer.

Tatsächlich haben sich die Zahlen innerhalb von fünf Jahren halbiert: Wurden 2010 noch 861 Jugendliche in Institutionen platziert, waren es im letzten Jahr nur noch 433.

Hohe Kosten für leere Räume

Dieser Rückgang macht auch dem Jugendgefängnis Prêles im Kanton Bern zu schaffen, das Platz für 70 Jugendstraftäter bietet. Zurzeit ist gerade mal noch die Hälfte der neu renovierten Plätze besetzt, wie ad-interim-Leiter Mike Klossner ausführt. Eine ganze Wohngruppe steht leer, ebenso die Mitarbeiterbüros.

Dennoch fallen für die leeren Plätze hohe Raumkosten an: Pro Tag und Platz zahlt der Kanton für die geschlossene Abteilung 1065 Franken. In der halboffenen und offenen Abteilung sind es 945 Franken.

Hart umkämpfter Markt

Je weniger Jugendliche fremdplatziert werden, desto schwieriger wird es für die Heime und Gefängnisse. «Wenn ein Richter oder ein Staatsanwalt entscheiden muss, in welcher Institution ein Jugendlicher platziert wird, schaut er auf den Preis und das Angebot», sagt Thomas Freytag, Leiter des Amts für Freiheitsentzug im Kanton Bern. Viele der Heime sind zunehmend defizitär, der Markt ist hart umkämpft.

Allerdings trifft es nicht alle gleich stark. Das Jugendheim Gfellergut im Kanton Zürich beispielsweise ist noch immer zu 80 Prozent ausgelastet. Dafür habe es Veränderungen im Angebot gebraucht, sagt Leiter Hansueli Zellweger: «Wir sind kein klassisches Heim mehr, in dem alle hier wohnen.»

Ein Teil der Jugendlichen übernachte zwar weiterhin vor Ort, andere aber wohnten bei Pflegefamilien oder zuhause. Zudem bietet das Gfellergut nicht nur Platz für straffällige Jugendliche, sondern auch für solche in schwierigen Lebenssituationen, die von der Kinderschutzbehörde überwiesen werden.

Neue Pläne für Jugendgefängnis in Prêles

Auch in Prêles im Kanton Bern wollen sich die Behörden den neuen Umständen anpassen: Im Februar stellen sie die Pläne für eine geplante Umnutzung des Jugendheimes vor. Dies, weil es wohl auch in Zukunft weniger solcher Heimplätze für kriminelle Jugendliche brauchen wird.

8 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Ist es ein Witz? Wie verkehrt muss man denken, über das wirtschaftliche Nutzen der Heime zu diskutieren, wenn weniger Jugendliche straffällig werden? Und übrigens: viele Kantone haben echte Probleme mit der Unterbringung von Asylbewerbern. Und jetzt?....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Michael Wiedmer (Michael Wiedmer)
    Abwarten die Jugendanstalten sind in Kürze wider ausgelastet! wenn man die Flüchtlingsströme beobachtet!! da kommen Menschen die keine unserer 4 Landessprache sprechen und schlecht oder garkeine Ausbildung haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Moser (AM)
    "Dennoch fallen für die leeren Plätze hohe Raumkosten an: Pro Tag und Platz zahlt der Kanton für die geschlossene Abteilung 1065 Franken. In der halboffenen und offenen Abteilung sind es 945 Franken." - und das für LEERE RÄUME??? Das ist schon für belegte Räume reiner WUCHER und zeigt, wir "korrupt" unsere Sozialindustrie ist...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen