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Impfstoff oder Heilung – Schweizer Forscher an vorderster Front
Aus Puls vom 02.03.2020.
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Kampf gegen Coronavirus Zu Besuch im Hochsicherheitslabor

Von der Arbeit im bernischen Mittelhäusern profitieren Labors weltweit. Ein exklusiver Einblick.

Ein unscheinbarer Gebäudekomplex in Mittelhäusern im Kanton Bern. Was in der ländlichen Umgebung auf den ersten Blick wie ein stattlicher Bauernbetrieb wirkt, ist in Tat und Wahrheit ein Biolabor der höchsten Sicherheitsstufe 4.

Am 6. Februar, zwei Wochen vor dem ersten bestätigten Infektionsfall im Tessin, wurden hier Coronaviren aus Deutschland angeliefert. Im unauffälligen Wagen eines Kuriers, der auf heikle Transporte dieser Art spezialisiert ist.

Die Spezialistinnen und Spezialisten des Instituts für Virologie und Immunologie, die hier tätig sind, gehören zu einem kleinen und exklusiven Kreis von Forschern weltweit, die mit echten Proben des neuen Virus arbeiten.

Der Besuch kostet ein Opfer

Das Gesundheitsmagazin «Puls» durfte sie vor Ort besuchen und einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Hochsicherheitslabors werfen. Eine Visite unter strengen Sicherheitsauflagen, die dem TV-Team ein nicht alltägliches Opfer abverlangte: Eine kleine Videokamera, die nie mehr das Tageslicht sehen wird.

Sie nimmt die Stelle der teuren grossen Fernsehkamera ein. Denn die höchste Sicherheitsstufe gilt nicht nur beim Reingehen, sondern auch beim Rauskommen. Und die dabei fällige Dekontamination übersteht kein technisches Gerät unbeschadet.

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«In diesem Labor sind nicht nur Coronaviren.»
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«In dem Labor sind nicht nur Coronaviren, sondern auch andere. Da müssen wir sicherstellen, dass nichts nach draussen geht», begründet Institutsleiter Christian Griot das strikte Prozedere, dem sich Mitarbeitende wie Besucher gleichermassen unterziehen müssen.

Konkret bedeutet dies: Vor der Hauptschleuse bleibt die Fernsehkamera zurück, zusammen mit der Alltagskleidung.

Von Sicherheitsstufe zu Sicherheitsstufe heisst es, sich jedes Mal komplett auszuziehen und neu einzukleiden, bis das «Puls»-Team vor dem Bereich mit der Sicherheitsstufe 3 auf den Corona-Experten Volker Thiel trifft. Der Virologe forscht schon seit vielen Jahren mit Coronaviren.

Die Epidemie in China und der derzeitige Ausbruch weltweit geben seiner Arbeit nun noch zusätzliche Bedeutung: «Natürlich ist man sich der Verantwortung bewusst, denn wir forschen ja nicht zum Spass. Wir wollen wichtige Erkenntnisse gewinnen, um dann auch Hilfe leisten zu können.»

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«Wir wollen wichtige Erkenntnisse gewinnen, um dann auch Hilfe leisten zu können.»
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Diese Arbeit wird im Herz der Anlage getan. Im Labor mit Biosicherheitslevel 3 stecken die Virologinnen und Virologen in speziellen Schutzanzügen und werden durch eine Reihe weiterer Massnahmen vor einer Ansteckung geschützt. Länger als drei Stunden hält sich niemand hier auf. Jeder Arbeitsschritt ist fix vorgegeben, unbedachte Bewegungen sind tabu.

Hier hat das Team um Volker Thiel die gefrorenen Viren-Isolate zuerst in Zellkulturen vermehrt, um dann mit der eigentlichen Forschung beginnen zu können. Für «Puls» machen die Forscher das praktisch unsichtbare Coronavirus sichtbar. Und das Fernsehteam kommt dem Virus so nahe, wie man es sich im Alltag nicht wirklich wünscht.

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So bestimmen die Forscher die unsichtbare Virusmenge.
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Die Schweizer Forscher haben sich weltweit mit den anderen Labors abgesprochen, was als erstes erforscht werden soll.

Und das Team um Volker Thiel konnte innerhalb von nur einer Woche einen ersten Erfolg verzeichnen: Es verbesserte eine Methode, mit der sich viel schneller synthetische Klone des Virus herstellen lassen.

Weltweite Anerkennung für Schweizer Erfolg

Ein entscheidender Schritt, der den Schweizern weltweit Anerkennung eingebracht hat. Zum Beispiel von Angela Rasmussen von der Columbia University in New York: «Dass es so schnell gelungen ist, das Virus in einen infektiösen Klon zu verwandeln, ist ein grossartiger Durchbruch. Es wird uns helfen, ein besseres Verständnis für die Funktion des Virus zu bekommen, um viel schneller Impfstoffe oder Therapien entwickeln zu können.»

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«Innert einer Woche aus einer Gensequenz einen infektiösen Klon zu machen, ist ein grossartiger Durchbruch.»
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Konkret lässt sich an diesen Klonen unter realistischen Bedingungen testen, was gezielte Eingriffe auf genetischer Ebene bewirken. Und da sich die Klone nun schneller herstellen lassen, können mehr Tests als zuvor durchgeführt werden.

Bereits wird Thiel mit Anfragen von Labors weltweit überhäuft. Alle wollen seine synthetischen Klone, um weiter forschen zu können. «Wir stossen nun vor allem Projekte an, die vielleicht noch einen unmittelbaren Nutzen haben», erklärt der Virologe das weitere Vorgehen seines Teams. «Beispielweise Desinfektionsstudien: Wie lange kann das Virus auf Oberflächen überleben? Welche Desinfektionsmittel wirken? Wie gut wirken sie?»

Wir entscheiden jetzt, vor dem Hintergrund des Ausbruchs, vor allem Projekte anzustossen, die vielleicht noch einen unmittelbaren Nutzen haben.
Autor: Volker ThielVirologe

Dass der Klon die Erwartungen der Forscher grundsätzlich erfüllt, zeigt ein erstes gelungenes Experiment mit der neuen Methode. Dem künstlich erzeugten Coronavirus wurde ein Gen eingebaut, das Körperzellen fluoreszierend grün leuchten lässt. So lässt sich erkennen, wo und wie stark Körperzellen befallen sind.

«Das ist quasi der Nachweis, dass wir das Virus verändern können», freut sich Volker Thiel. «Wenn wir nun herausfinden, welche Gene wichtig sind und ein Medikament entwickeln, das gegen diese wirkt, dann treffen wir das Virus hart!»

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«Das System funktioniert. Wir können das Coronavirus nun verändern, um herauszufinden, welche Gene für sein Funktionieren wichtig sind.»
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Puls, 02.03.2020, 21:05 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Das ist alles schön und gut, aber parallel dazu schlittern wir wohl in eine Antibiotikakriese. Warum investiert seit 2018 kein grossesUnternehmen mehr in neue Antibiotika.. und Jungunternehmen die es könnten werden von unfairen Marktanreizen ausgestoppt.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Wie bei jeder Form von War on Ennemies, seien es nun auf der Makroebene als 'Terroristen' eingestufte Mensch (gruppen) oder eben wie hier Viren, werden diejenigen die solche bekämpfen und vor allem deren Produkte ebenfalls zu Risikofaktoren für die Gesellschaft. Deren 'Kunstprodukte' sind zu fürchten. Aber der Krieg hat schon immer alle Mittel geheiligt. Viren brauchen Wirte. Das Vorgehen der 'Ausrottung' störender und unpassender Viren heisst in letzter Konsequenz den Wirt mit vernichten.
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    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Man versucht nicht nicht den Wirt vernichten, sondern die Viren an der Ausbreitung und Vermehrung zu hindern. Dafür sorgen Medikamente, Impfungen, Quarantänemassnahmen und die Immunität, welche jedoch nicht immer erlangt werden kann. In einem gut geimpften Umfeld mit intakter Gesundheitsversorgung lassen sich natürlich hervorragend Sprüche raus hauen.
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    2. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Solche Einrichtungen sind neuralgische Punkte, Herr Koller. Falls Sie mit Humanmedizin vertraut sind, wissen Sie genausogut wie ich, dass bei viralen Infekten die 'Schulmedizin' ausser Virostarika und Medikamente zur Symptomenbekämpfung, die des öfteren eine Symptomunterdrückung ist, nicht viel mehr zu bieten hat. Die Impfungen sind als Prävention gedacht. Dass es aber gerade solche Praktiken und Labore sein könnten, die mehr Probleme, denn Lösungen schaffen, wäre zumindest der Überlegung wert?
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    3. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      ... doch die Überlegung ist war immer da die Wirte auszurotten, das ist nicht meine Erfindung. Das entspricht der doch ursprünglich sehr von militärisch denkenden und in Kriegsgebieten tätigen oder zumindestens Offiziersränge innehabender und massgebender Virologengenerationen, Herr Koller.
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    4. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Dieses militärische Denken beruht auf Notfallszenarien. Wissen Sie, auch Offiziere haben Eltern, Kinder, Freunde etc., welche sie nicht einfach so opfern würden. Notfalleindämmungsmassnahmen sind das letzte Mittel und nicht eine allgemeine gewünschte Vorgehensweise.
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  • Kommentar von Christian Duerig  (Christian Duerig)
    Dank der Digitalisierung können wir Bilder aus dem Hochsicherheitsbereich sehen. Zellulosenegative müssten entsorgt werden. Technologie ist grossartig und die Forscher sind noch grossartiger ! Ich bin so froh, dass es forschende Menschen gibt.
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