Kältester Januar seit langem Kampf gegen die klirrende Kälte

Partystimmung im Pinguin-Gehege, Enteisungsmarathon auf dem Flughafen: Das macht die Kälte mit der Schweiz.

Der diesjährige Januar könnte der kälteste seit dreissig Jahren werden. Das Bild eines eingefrorenen Fuchses in der Donau ging um die Welt. Auch in der Schweiz hält die klirrende Kälte an. So kämpfen Zoo, Flughafen und der Bahnverkehr gegen die frostigen Temperaturen an.

1. Zoo – Pelz oder Bodenheizung

Der Zoo Zürich hat seine Türen das ganze Jahr über geöffnet. Doch wie gehen Leoparden, Elefanten und Pinguine mit der eisigen Kälte um? Im Zoo müssen höchstens die Tierpfleger frieren. «Wir sind bestens vorbereitet», versichert Kurator Robert Zingg vom Zoo Zürich.

Ein Löwe im Zoo Zürich streckt sich im Schnee im Februar 2010. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: König im Schnee Ein Löwe im Zoo Zürich streckt sich im Februar 2010. Keystone

Trotzdem ist es ein Kampf gegen das Eis. Die Flamingos mussten nach innen verlegt werden, da der Weiher eingefroren ist. Spuren werden durch den Schnee gepflügt und bei diversen Becken muss der Wasserpegel gesenkt werden.

Fast alle Tiere sind aber auch bei dieser Witterung im Freien. Für die Huftiere und Schneeleoparden ist das Wetter kein Problem. Sie sind mit dem langen dichten Fell bestens gegen die Kälte gewappnet. Doch auch die Elefanten dürfen nach draussen, einfach nicht allzu lange.

«  Mit erwärmten Plätzen können wir Tiere an bestimmte Orte locken. »

Robert Zingg
Senior Kurator, Zoo Zürich

Vereinzelt dürfen Wüstentiere nicht raus, da die Rutsch- und Kältegefahr einfach zu gross ist. Dann machen es sich die Tiere im geheizten Innenbereich bequem.

Auch im Freien gibt es leicht temperierte Plätze. So kann man den Tieren einen kleinen Komfort bieten und sie gleichzeitig an einen für Besucher gut sichtbaren Ort locken, erklärt Zingg.

Partystimmung herrscht dagegen bei den Königspinguinen. Auch wenn es nicht gerade minus 40 Grad ist, fühlen sich die Tiere aus der Antarktis in der Kälte pudelwohl. So können sie täglich bei einem kurzen Rundgang durch den Zoo watscheln.

2. Flughafen – Kampf gegen vereiste Maschinen

Wer im trüben Januar an einen sonnigen Sandstrand fliegen will, ist zwangsläufig auf ein Flugzeug angewiesen. Damit der blecherne Vogel aber abheben kann, muss er zur Zeit enteist werden.

Flugzeug auf einer verschneiten Piste. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weisse Piste in Zürich Schlimmer als die Kälte ist der Schnee. Die weisse Pracht muss ständig weggetragen werden. Keystone

Der Flughafen Zürich ist in diesem Monat im stetigen Kampf gegen das Wetter. Mit Enteisungsmaschinen, die wegen des Rüssels auch «Elefanten» genannt werden, werden die Flieger im Akkord vom Eis befreit. Pro Tag werden in den Wintermonaten in Zürich teilweise über 100 Flugzeuge enteist.

Das dauert zehn Minuten, braucht eine Menge Wasser und rund 300 Liter Enteisungsmittel. Dabei wird mit 80 Grad heissem Wasser und Chemikalien das Eis von den Flugzeugen gefegt.

«  Die Enteisung muss unmittelbar vor dem Abflug geschehen. »

Raffaela Stelzer
Flughafen Zürich

Ob das Flugzeug vom Eis befreit werden muss oder nicht, entscheidet am Ende der Pilot, erklärt Raffaela Stelzer vom Flughafen Zürich. Zudem darf der Flieger erst unmittelbar vor dem Abflug enteist werde, da die Maschine sonst innerhalb weniger Minuten wieder eine Eisschicht aufweisen würde.

Dies ist auch der Grund, weshalb das Prozedere erst nach dem Boarding geschieht und die Passagiere das Spektakel aus der ersten Reihe beobachten können.

3. SBB – der natürliche Feind der Bahn ist der Schnee

«Stellwerkstörung, Zugausfall oder unbestimmte Verspätung». Diese Durchsagen lassen das Herz etwa so hoch hüpfen wie Baustellenlärm um sechs Uhr morgens. Doch bei den momentanen Temperaturen kämpft die SBB wieder täglich an allen Fronten.

Durch den Schnee und die Kälte müssen die Züge langsamer fahren, vereiste Weichen sorgen für Ausfälle, und die rutschigen Strassen lassen auch die Autofahrer auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Selbst der Swisspass verträgt angeblich keine Kälte.

Die SBB fährt aber grosses Geschütz auf. Mit speziellen Besen, Schaufeln und gar Bunsenbrennern wird der Schnee geräumt. Auch sind ungefähr 50 Prozent aller Weichen dazu noch mit einer Heizung ausgestattet, was Kosten von rund drei Millionen Franken pro Winter verursacht.

Durch den Einsatz moderner Systeme liesse sich der Energieverbrauch aber senken, so Daniel Föhn, Spezialist für Weichenheizungen.

«  Die Weichenheizungen funktionieren eigentlich wie Kochplatten.  »

Daniel Föhn
Kompetenzcenter Weichenheizung

Damit die Züge über Nacht nicht gefrieren, werden sie wie bei einem Backofen über Nacht vorgeheizt – nur nicht gerade auf 180 Grad. Bis Ende März sind notfalls mehrere hundert SBB-Mitarbeitende Tag und Nacht im Einsatz, damit die Züge trotz Schnee und Eis fahren können.

Dank all den Vorbereitungen sei der Schnee für die SBB kein Problem mehr. Die Züge seien im Winter mittlerweile gleich pünktlich wie im Sommer, sagt Ludwig Näf, Leiter Netzleitung bei der SBB.