Kampf gegen Kesb: Pirmin Schwander im Visier der Justiz

Nationalrat Pirmin Schwander (SVP) soll eine Mutter, die ihr Kind vor den Behörden versteckt hielt, auf ihrer Flucht unterstützt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Gehilfenschaft zur Entführung Minderjähriger. Schwander äussert sich in der heutigen «Rundschau» zu den Vorwürfen.

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Feindbild Kesb: Die Mission des Pirmin Schwander

11 min, aus Rundschau vom 31.8.2016

Pirmin Schwander ist erbitterter Gegner der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb. Im Kanton Schwyz wird dieses Jahr über eine Anti-Kesb-Initiative abgestimmt. Und schon in diesem Herbst beginnt die nationale Unterschriftensammlung, die das Tätigkeitsfeld der Kesb einschränken soll. Doch hat es Schwander mit seinem Engagement übertrieben?

Persönliches Engagement

«Man sagt zwar, ich sei ein harter Typ», sagt Schwander gegenüber der «Rundschau». «Aber der Verdacht belastet mich sehr. Seit der Vorladung bei der Polizei kann ich kaum mehr schlafen.» Schwander fürchtet, hinter der Strafuntersuchung stecke ein politisches Komplott. Die Justiz wolle ihn in seiner Arbeit behindern, die Politik wolle ihn mundtot machen. Auf Anraten seines Anwaltes Valentin Landmann beruft sich Schwander auf seine Immunität als Nationalrat und macht gegenüber den Strafbehörden keine Aussage.

Theke: Pirmin Schwander

10 min, aus Rundschau vom 31.8.2016

Auslöser ist der Fall Sarah C. aus Biel. Sie hielt ihren ersten Sohn vom Schulunterricht fern, weil sie befürchtete, ihr Ex-Mann, ein verurteilter Straftäter, könnte ihn entführen. Dies hat die Kesb nicht geduldet, der Bub kam in ein Heim. Das zweite Kind nahmen die Behörden kurz nach der Geburt der Mutter weg. Es kam ebenfalls in ein Heim, Frau C. durfte ihre Tochter aber zu bestimmten Zeiten besuchen. Gemäss psychiatrischem Gurtachten wird ihr der Verdacht auf eine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.

Geld für Flucht

Am 30. Oktober letzten Jahres holt Frau C. ihre anderthalbjährige Tochter vom Kinderheim ab und bringt sie nicht mehr zurück. Ihre Flucht führt nach Spanien, Italien, Frankreich. In den Zeitungen veröffentlicht die Polizei einen Fahndungsaufruf. Frau C. ist verzweifelt, wendet sich an ihren Anwalt. Vor allem weiss sie nicht, wie sie ihr Leben finanzieren soll. Ihr Anwalt besorgt für Frau C. Bargeld. Von Pirmin Schwander bekommt er siebentausend Franken.

Frau C. wurde in Südfrankreich gefasst, nun sitzt sie in Haft. Ihr Anwalt Tim Walker war ebenfalls im Gefängnis, letzten Montag ist er entlassen worden. Seine mehrmonatige Haft ist für Walkers Anwalt Patrick Götze ein Affront. «Die Justiz hat völlig übertrieben reagiert», sagt er. «Dass ein Anwalt so lange in Untersuchungshaft sitzt, ist ziemlich extrem.»

Hoffen auf Immunität

Pirmin Schwander ist sich keines Unrechts bewusst. Er habe die Geldzahlungen an Frau C. immer mit der Forderung verknüpft, dass sie sich den Schweizer Behörden stellt, sagt er. Die Strafuntersuchung gegen ihn hält er für abwegig. «Wenn man eine Mutter von ihrem Kind trennt, ist das ein Verbrechen. Man darf jetzt nicht den Umkehrschluss machen und sagen, die Mutter habe einen Fehler gemacht.»

Schwander beruft sich auf seine Immunität als Politiker. Ob er damit durchkommt, ist noch offen.