Kampf um die Euro-Gäste

Um Touristen aus dem Euro-Raum nicht abzuschrecken, bieten einige Skigebiete Tageskarten zum alten Euro-Kurs an. Dafür haben nicht alle Skifahrer Verständnis.

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Rabattschlacht am Berg

4:03 min, aus 10vor10 vom 6.2.2015

Für Deutsche, Holländer oder Belgier sind die Skiferien in der Schweiz auf einen Schlag 20 Prozent teurer geworden. Um die Touristen bei Laune zu halten, bieten Skigebiete den Euro-Touristen günstigere Tageskarten an. So gibt es in Obersaxen-Mundaun die Tageskarte für Gäste aus dem Euro-Raum zum alten Kurs von 1.20 Franken.

Vom Sonderrabatt profitieren aber nur die Touristen aus dem Euro-Raum. Die Schweizer Skifahrer, die hier 70 Prozent der Gäste ausmachen, erhalten keine Ermässigung. Viele Schneesportler haben dafür Verständnis. «Ich finde das nicht schlecht», sagt ein älterer Herr, «wir müssen schauen, dass der Tourismus erhalten bleibt.» Ähnlich äussert sich ein junger Mann. Die verschiedenen Preise seien fair, sagt er, «denn wir verdienen in der Schweiz auch mehr». Nicht alle teilen diese Meinung. Die Ungleichbehandlung sei nicht in Ordnung, sagt eine Frau, «es müssten alle gleich viel zahlen.»

Keine Gäste verlieren

Für Bergbahn-Chef Joseph Brunner hingegen ist der Euro-Rabatt auf dem Skipass eine sinnvolle Massnahme gegen den Franken-Schock. Er hofft, dass dank des aussergewöhnlichen Rabatts gleich viele Ausländer wie im letzten Jahr hier ihre Sportferien verbringen.

Es sei nicht so, dass die Touristen aus den Nachbarländern weniger zahlen würden, sagt Brunner. Vielmehr wäre der Euro-Gast mit dem aktuellen Kurs diskriminiert worden, da der Franken plötzlich viel mehr kostet.

Österreich als grosse Konkurrenz

Einen Euro-Rabatt geben auch die Bergbahnen Flumserberge. Hier gilt bei Euro-Barzahlung ein fixer Kurs von 1.10 Franken. Bruno Good, der Finanzchef des St. Galler Skigebiets, ist in den Preiskampf um die Euro-Gäste miteingestiegen. Das Gebiet lebt stark von Tagestouristen. Die Angst, dass diese nach Österreich ausweichen könnten, ist gross.

Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, kann die ungewöhnliche Massnahme der Skigebiete nachvollziehen. Kurzfristig sei das Verständnis dafür wohl da. Dies, weil man mitten in der Saison stecke und nun Notmassnahmen treffen müsse. «Langfristig aber kann man unterschiedliche Preisstrukturen nicht halten», sagt er, «sonst beginnen die Schweizer, in Euro zu zahlen.»

In Samnaun gilt der Euro-Kurs

In Samnaun haben nicht die Euro-Gäste einen Währungsvorteil, sondern die Schweizer. Dies, weil Samnaun den Tageskartenpreis schon vor der Saison in Euro festgelegt hat. Denn das Skigebiet ist mit dem österreichischen Ischgl verbunden.

Der Samnauner Bergbahnchef Mario Jenal gibt den Rabatt für die Schweizer Skifahrer nicht freiwillig. Aber Ischgl diktiere die Preise. Der Grund: Zu Ischgl gehören zwei Drittel des gemeinsamen Skigebiets, zu Samnaun hingegen nur ein Drittel. «Da ist es naheliegend, dass man den Tarif auf der Basis des grösseren Partners fixiert – und das ist der Euro», sagt Jenal.

Klar ist: Für eine Saison sind für die Skigebiete die Minder-Einnahmen durch den unfreiwilligen Euro-Rabatt verkraftbar. Doch wenn der Franken so stark bleibt, könnte bald das Geld fehlen, um in neue Bergbahnen zu investieren.