Kanton Aargau: Dorfpolizisten sterben aus

Heute macht die Polizei mehr Patrouillen in den Wohnquartieren, ist 24 Stunden in Bereitschaft: Dorfpolizisten können diesen Ansprüchen nicht gerecht werden. Im Kanton Aargau sind die Dorfpolizisten deshalb in 18 Regionalpolizeiposten aufgeteilt. Das hat nicht nur Vorteile.

Ein Polizist sitzt vor einem Bildschirm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hat den Trend zu immer grösseren Polizeiorganisationen miterlebt: Der ehemalige Dorfpolizist Roger Schneider. SRF

Es ist kurz vor 16 Uhr. Roger Schneider und seine Kollegin von der Regionalpolizei Zurzibiet steigen in ihr Dienstfahrzeug und starten ihre Patrouille in einem Polizeiauto. Früher als Dorfpolizist in Bad Zurzach war dies anders, erzählt Schneider: «Dort war ich vor allem zu Fuss unterwegs. Manchmal aber auch mit dem Velo, einem wendigen aber auch schnellen Transportmittel.»

Heute hat er in seinem modernen Polizeiauto ständig Funkkontakt mit der Zentrale. So erhält er präzise Anweisungen, was er wo vorfindet. Auch das war früher anders. «Da hiess es jeweils, man solle mal schauen gehen», sagt Schneider. Allerdings gab es auch Ausnahmen: «Stimmte das Bauchgefühl nicht, wartete man deshalb auf Verstärkung der Kantonspolizei.»

Weniger Nähe zur Bevölkerung

Als Dorfpolizist war Schneider ein Einzelkämpfer. Dies habe auch seine Vorteile gehabt, erinnert er sich. «Als Gemeindepolizist kannte ich die sogenannten Pappenheimer recht gut. Ich wusste, wie ich mit ihnen umgehen musste.» Heute teilten sich mehrere Polizisten die Dienste. So stehe man nicht immer im Einsatz und kenne die Problemfälle in den 24 Gemeinden des Einsatzgebiets weniger gut.

«  Als Dorfpolizist kannte ich die Pappenheimer gut. Das ist heute nicht mehr so. »

Roger Schneider
Polizist

Dies war in seiner Zeit als Dorfpolizist von Bad Zurzach anders. Bis heute kennt Schneider dort die Leute – und umgekehrt. «Das sind lustige Begegnungen. Wenn ich in Bad Zurzach zum Beispiel zu Fuss die blaue Zone kontrolliere, sprechen mich vor allem ältere Menschen gelegentlich an. Sie wollen dann jeweils wissen, wie es mir geht. Das ist schön.»

Regionalpolizei kümmert sich auch um kleine Sorgen

Während Schneider über seine Zeit als Dorfpolizist erzählt, wird es plötzlich hektisch. Zwar ist die Regionalpolizei eine grössere Organisation. Doch muss sie sich dennoch auch um die kleinen Sorgen der Leute kümmern.

Heute meldet sich eine Frau in Felsenau mit einem Anliegen: Ein Nachbar habe seinem Hund die Schnauze zugebunden und ihn draussen in der Kälte alleine gelassen, klagt sie. Schneider beruhigt die Frau, schiesst Fotos und klärt die Identität des Hundes.

Inzwischen ist es 18 Uhr. Schneider kehrt zu seinem Posten in Klignau zurück. Er zieht seine schusssichere Weste aus – etwas, das er in seiner Zeit als Dorfpolizist nicht tragen musste.