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Karriere im Eiltempo Kaum eingebürgert, schon Lokalpolitiker

Noch vor Kurzem hatte Stephan Kandelhardt keinen Schweizer Pass. Nun ist er schon Gemeinderat von Oberweningen (ZH).

Traditionell lädt Regierungsrätin Jacqueline Fehr alle neugewählten und bisherigen Gemeindepolitikerinnen im Kanton Zürich zu einer kleinen Feier ein. Dort sollen sich Behördenvertreter überregional austauschen können. In diesem Jahr war auch Stephan Kandelhardt mit dabei. Er sitzt erst seit wenigen Tagen für Oberweningen im Gemeinderat.

Bemerkenswert: Zum Zeitpunkt, als die offiziellen Wahlvorschläge für die Gemeinderatswahlen bereits an die Bevölkerung verschickt worden waren, war Kandelhardt noch gar nicht Schweizer Bürger, sondern Deutscher. Die Einbürgerung erfolgte erst danach – im letzten Dezember.

Mehrere Personen im Freien im Gespräch, ein Mann hält ein Getränk.
Legende: Stephan Kandelhardt tauscht sich am Apéro mit Vertretern anderer Gemeinden aus. SRF/Can Külahcigil

Kurz darauf stiess Kandelhardt auf den Aufruf der Plattform «Deine Gemeinde braucht dich». Mit der Kampagne will der Kanton Zürich Menschen dazu motivieren, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren.

Als er sah, dass sich in Oberweningen für die fünf Sitze im Gemeinderat lediglich drei offizielle Kandidierende gemeldet hatten, wurde er aufmerksam und informierte sich über die Möglichkeiten einer Kandidatur.

Wahlkampf mit Hilfe aus der Nachbarschaft

In seinem Umfeld sei seine Idee auf viel positives Echo gestossen. «Alle haben gesagt: Mach das auf jeden Fall», erzählt Stephan Kandelhardt. Gemeinsam mit seinen Nachbarn aus dem Dorf lancierte er daraufhin eine eigene Wahlkampagne. Ganz Oberweningen wurde mit Flyern zugekleistert.

«Ich hab’ Freunde animiert, bei ihren Freunden und in Vereinen ein gutes Wort für mich einzulegen. Und es hat funktioniert.» Kandelhardt wurde im ersten Wahlgang als parteiloser Kandidat gewählt.

Ich fand es erfrischend, dass Bürger einfach aufstehen und ihre Meinung sagen.
Autor: Stephan Kandelhardt Gemeinderat Oberweningen

Die gelebte direkte Demokratie fasziniert den Neo-Politiker. Schon vor seiner Einbürgerung war Stephan Kandelhardt an Gemeindeversammlungen mit dabei – als Zuschauer, weil er noch kein Stimmrecht hatte. «Ich fand es erfrischend, dass Bürger einfach aufstehen und ihre Meinung sagen.»

Schwierige Suche nach Milizpolitikern

Für Oberweningen ist Stephan Kandelhardt ein Glücksfall. Immer mehr Gemeinden haben Mühe, Leute zu finden, die sich für ein solches Amt zur Verfügung stellen.

In der Zürcher Gemeinde Altikon zum Beispiel stellte sich niemand für das Gemeindepräsidium zur Verfügung. In diesem Fall gilt der Amtszwang. Es wurde also jemand gewählt, der gar nicht kandidiert hat.

Person steht im Freien und spricht an einem Rednerpult, umgeben von Menschen und Natur.
Legende: Jacqueline Fehr fordert mehr Grosszügigkeit bei der Entschädigung von Milizpolitikern. SRF/Can Külahcigil

Ist das Milizsystem überholt? Nein, findet die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr. «Es ist für uns eine wichtige Ressource, dass Leute aus der Mitte unserer Gesellschaft politische Verantwortung übernehmen.» Doch Fehr gibt zu, dass man solche Ämter attraktiver gestalten könnte.

«Wenn es um die Entschädigung der Behördenvertreter geht, ist die Bevölkerung häufig etwas knausrig», so Jacqueline Fehr. Man sollte ein solches Engagement nicht gratis erwarten. «Es ist ein Appell an die Bevölkerung, faire Entschädigungen zu ermöglichen.»

Kanton Zürich unterstützt Gemeinden

Der Kanton versucht seinerseits, die Gemeinden bei der Digitalisierung bestmöglich zu unterstützen. Dazu setzt er auf verschiedene digitale und analoge Plattformen, fördert den Austausch zwischen den Gemeinden und bietet konkrete Unterstützung für Gemeinden, die ihre Digitalisierungsprojekte vorantreiben wollen.

Menschen stehen bei einem Empfang im Freien um Tische mit Blumen.
Legende: Der Kanton Zürich bietet Platformen, damit sich Gemeindevertreterinnen und Vertreter austauschen können. Wie hier in Otelfingen. SRF/Can Külahcigil

Zudem sollen Veranstaltungen den Gemeinden die Möglichkeit geben, sich besser untereinander zu vernetzen. Ein Ansatz, den auch der neu gewählte Gemeinderat Stephan Kandelhart ausdrücklich begrüsst. «Es ist eine total lockerere Athmosphäre. Es macht echt Spass.»

Regionaljournal Zürich Schaffhausen 07.07.2026, 17:30 Uhr ; 

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