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Viele Administrativaufgaben Kaum Zeit mit Patienten, dafür viel Papierkram

Legende: Audio So arbeiten Deutschschweizer Ärzte abspielen. Laufzeit 1:39 Minuten.
1:39 min, aus HeuteMorgen vom 25.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur gerade 90 Minuten am Tag verbringen Ärzte des Kantonsspitals Baden am Patientenbett. Das zeigt eine neue Studie.
  • Wer als Ärztin und Arzt in einem Schweizer Spital arbeitet, investiert viel Zeit in administrative Aufgaben.
  • Bei der Befragung hat speziell geschultes Personal die Ärzte auf Schritt und Tritt verfolgt.
  • Damit können erstmals genaue Aussagen dazu gemacht werden, wofür Deutschschweizer Assistenzärzte wie viel Zeit einsetzen.

Das Kantonsspital Baden nimmt als erstes Deutschschweizer Spital genau unter die Lupe, wie die Assistenzärzte ihren Arbeitstag einteilen. Es orientiert sich dabei am Universitätsspital Lausanne, das die Methode entwickelt hat.

Noch nie sei der Alltag der Ärzte so genau erfasst worden, sagt Simon Frey, der die Studie am Kantonsspital Baden leitet. «Es wurden Beobachter ausgebildet, die den Assistenzärzten von morgens früh bis abends spät auf Schritt und Tritt gefolgt sind und auf Sekundengenauigkeit Tätigkeiten registriert haben», sagt er.

Man sieht, dass man die Zeit für Administration und Informationsbeschaffung zum Teil an Personen delegieren könnte, die nicht ärztlich ausgebildet sind.
Autor: Simon FreyStudienleiter

Dabei zeigte sich, dass die Assistenzärzte nur gerade 90 Minuten pro Tag am Patientenbett verbringen. Den Rest des Tages verbringen sie damit, Röntgenbilder anzufordern, Briefe an weiter behandelnde Ärzte zu schreiben, die Patientenakten nachzuführen oder sich neue Informationen zu beschaffen.

Erkenntnisse für Arbeitsabläufe nutzen

Weil die Krankheiten immer komplexer werden – Patienten haben zum Beispiel gleichzeitig ein schwaches Herz, eine Lungenentzündung und sind dement – nehmen die Abklärungen und Absprachen immer mehr Zeit in Anspruch.

Die Erkenntnisse der aufwändigen Studie sollen nun dazu genutzt werden, die Arbeitsabläufe am Kantonsspital Baden zu verbessern, sagt Frey: «Man sieht, dass man die Zeit für Administration und Informationsbeschaffung zum Teil an Personen delegieren könnte, die nicht ärztlich ausgebildet sind.»

Wenig Zeit für Patienten

Mehr darüber, wie die Schweizer Spitäler versuchen, die Ärzte von administrativen Aufgaben zu befreien – nämlich indem vermehrt sogenanntes nicht-ärtzliches Personal speziell geschult wird – heute Abend in der Sendung Echo der Zeit.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Marcus Andre (MarcusAndre)
    #1. Spital ist keine Kinderkrippe und die Qualität der Behandlung ist nicht proportinal zur mit dem Patienten verbrachten Zeit,(ist auch je nach Abteilung unterscheidlich). #2. Hier wird von vielen die Notwendigkeit der juristische Absicherung vergessen: Extensive Dukomentation ist obligatorisch geworden, weil sich ein Berufzweig entwickelt hat, der damit Geld verdient, die medizinischen Fehler asuzunutzen. #3. Seit 10 Jahren haben wir die Verweildauer HALBIERT bei gleichbliebender Personalzahl!
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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Die zunehmende Bürokratie und Formularwut kann man nicht nur im Gesundheitswesen beobachten, in der ganzen Wirtschaft, Industie und Dienstleistung, wächst dieser Aufwand ungebremst. Anstelle sich dem "Kerngeschäft" widmen zu können, geht immer mehr Zeit mit Formularen und Listen verloren, die von Behörden und Chefetagen eingefordert werden. Dort werden 2 Löcher gestanzt und - weg, es kommen ja bald neue.
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  • Kommentar von Luiza Dobre (Luiza Dobre)
    @SRF-Team Kann ich bitte die Studie sehen?
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    1. Antwort von SRF News
      Sehr geehrte Frau Dobre Vielen Dank für Ihr Interesse an dem Beitrag über die Zeiterfassung am Kantonsspital Baden. Die Studie ist offiziell noch nicht publiziert, deshalb kann ich Sie Ihnen leider nicht weitergeben. Ich schlage vor, dass Sie direkt beim Kantonsspital Baden anfragen. Hier ist der Kontakt: Medienstelle Kantonsspital Baden AG CH-5404 Baden Telefon +41 56 486 21 81 Mail stefan.wey@ksb.ch Darüber hinaus möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die von Ihnen hinterlegte Email-Adresse ungültig ist. Bitte hinterlegen Sie eine gültige Mail-Adresse. Andernfalls sehen wir uns gezwungen, Ihren Account zu löschen. Freundliche Grüsse SRF News
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